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Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen gelten verschärfte Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Das hat auch Auswirkungen auf private Treffen. Die Regeln führen zu Unsicherheiten und Spannungen. Bild: Adobe Stock

Dieses Fest nicht verderben lassen

Von: Ginger Hebel

21. Dezember 2021

Abgesagte Feiern, Regeln, Stress. «Rituale wie Weihnachten sind in Krisenzeiten besonders wichtig», sagt der Zürcher Psychologe Guy Bodenmann. Von Ginger Hebel

Übermorgen ist Heiligabend. Die Pandemie prägt die Festtagszeit. Viele sind verunsichert, ob und wie sie mit ihren Liebsten feiern dürfen oder sollen. Für private Treffen in Innenräumen gelten Einschränkungen. Sobald eine Person ab 16 Jahren dabei ist, die nicht geimpft oder genesen ist, dürfen sich nur noch zehn Personen treffen. Sind alle Personen ab 16 Jahren geimpft oder genesen, gilt drinnen eine Obergrenze von 30 Personen.

Rituale geben Sicherheit

Menschen, die sich an diesen Tagen besonders einsam fühlen, befürchten, allein zu sein, weil Feiern wegen Corona abgesagt worden sind, so auch die beliebte Weihnachtsfeier im Volkshaus. «Es war ein sehr schwieriger Entscheid», sagt Caritas-Sprecher Andreas Reinhart. «Wir wollten Armutsbetroffenen ein würdiges Weihnachtsfest ermöglichen. Doch die Gefahr, dass sich Leute anstecken, ist uns zu gross.» Immerhin: Auch dieses Jahr entlastet Caritas Zürich Weihnachtsbudgets – etwa mit der Weihnachtswunschaktion zugunsten armutsbetroffener Kinder oder mit verschiedenen Aktionen in den Caritas-Märkten.

Viele wünschen sich zum Fest der Liebe nichts anderes als Zeit füreinander. «Rituale wie Weihnachten sind gerade in Krisenzeiten von besonderer Wichtigkeit. Sie bilden emotionale Oasen in einer belastenden Zeit. Rituale geben Sicherheit», sagt der Zürcher Psychologe und Paarforscher Guy Bodenmann. Erwachsene wie Kinder verbinden Weihnachten mit schönen Erinnerungen, einer besonderen Stimmung, Christbaum und Kerzenlicht. Bodenmann ist überzeugt: «Dieses Fest sollte man sich durch die aktuelle Pandemie nicht verderben lassen. Im Gegenteil: Es hat das Potenzial, eine Gegenwelt – wenn auch nur kurzfristig – zum herausfordernden Alltag zu schaffen.»

Die Pandemie spaltet die Gesellschaft. Nicht nur Themen wie Religion und Politik sorgen für hitzige Diskussionen am Familientisch, auch beim Impfen und Testen gehen die Meinungen weit auseinander. «An Weihnachten sollten Themen, die spalten und Zwist säen, vermieden werden. Es soll eine Zeit des «Waffenstillstands» herrschen», betont Guy Bodenmann. Er rät, vorgängig festzulegen, was man voneinander erwartet und wie es gelingen kann, das Fest in Frieden zusammen feiern zu können. Streit an Weihnachten ist nicht selten. Oft eskaliert die Situation genau dann, wenn es eigentlich besonders schön und harmonisch sein müsste. «Leider ist die Adventszeit zu einer vorweihnächtlichen Hochstressphase verkommen, von besinnlicher Einstimmung auf Weihnachten kann längst nicht mehr die Rede sein.»

Um Frust und Enttäuschungen zu vermeiden, sollten Auseinandersetzungen auf die Tage danach verschoben werden. «Eine versöhnliche Haltung gehört zu Weihnachten. Daher: nicht provozieren lassen. Ob und wann es zu Streit kommt, ist immer eine Entscheidung der Anwesenden», ist Guy Bodenmann überzeugt. Er fände es schön, den Rhythmus des Alltags zu verlangsamen und einer weihnächtlichen Stimmung Raum zu geben, damit der Zauber dieser Zeit insbesondere auch für die Kinder erhalten bleibt.

Anlässe und offene Türen während der Festtage: www.stadt-zuerich.ch/wegweiser

Was ist Ihre Meinung zum Thema? echo@tagblattzuerich.ch

 

Maskenpflicht auch an Gottesdiensten


«Uns ist wichtig, dass alle Weihnachten feiern und an Gottesdiensten teilnehmen dürfen, wenn sie dies wollen», sagt Simon Spengler von der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Pfarreien bieten Gottesdienste mit 2G an, wo nur Geimpfte und Genesene Zugang haben. An Gottesdiensten ohne Zertifikat sind maximal 50 Teilnehmende erlaubt. Für alle gilt Einhalten der Abstände und Erfassung der Kontaktdaten. In Kirchen gilt Maskenpflicht. Bei religiösen Veranstaltungen ab 50 Personen gelten die gleichen Vorgaben wie für andere Veranstaltungen in Innenräumen: Der Zugang ist auf genesene und geimpfte Personen beschränkt (Regeln gelten voraussichtlich bis 24. Januar).

Neue, innovative Online-Predigt

Die Reformierte Kirche bietet auch ein Corona-konformes Weihnachtsangebot im Sinne von Online-Gottesdiensten an. «Wenn die Besucherinnen und Besucher nicht in die Kirche kommen können, kommt die Kirche zu ihnen nach Hause», sagt Michael Braunschweig von der Reformierten Kirche Zürich. Mit den Video-Gottesdiensten können alle an den Feiern teilhaben. «Wir erreichen mit den Online-Gottesdiensten auch vermehrt jüngere Menschen, die nicht am Sonntagmorgen um 10 Uhr einen Gottesdienst feiern wollen, sondern vielleicht spätabends, wenn sie Zeit haben und Musse.» Die Gottesdienste werden auf Tele Züri ausgestrahlt (Heiligabend um 17.30 Uhr, 25. Dezember um 9.30 Uhr). Sie werden auf dem YouTube-Kanal der Reformierten Kirche aufgeschaltet und via Social Media gestreut. «Wir wollen zeigen, dass ein Gefühl von Gemeinschaft entstehen kann, und das, obwohl die Mitfeiernden vielleicht alleine zu Hause in ihrer Stube sitzen und den Gottesdienst am Fernsehen oder am Computer erleben», sagt Braunschweig.

Gassencafé und Pfuusbus geöffnet
Die Sunestube ist ein Gassencafé im Langstrassenquartier für notleidende Menschen. «Am 24. Dezember gibt es in der Sunestube einen Weihnachts­zmorge, am 25. Dezember steht eine Weihnachtsfeier auf dem Programm», sagt Walter von Arburg vom Sozialwerk Pfarrer Sieber. Der Pfuusbus ist über die Festtage am 24. und 31. Dezember bereits ab 17 Uhr geöffnet für alle, die ein trockenes Plätzchen zum Schlafen suchen.


Weitere Infos: www.swsieber.ch

 

 

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