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Porträt

Ein Seilbahner in Zürich

Von: Ginger Hebel

28. November 2017

Der 17-jährige Stadtzürcher Cristiano Monteiro macht die Lehre zum Seilbahner. Er arbeitet bei der Felseneggbahn, der einzigen Luftseilbahn im Kanton Zürich.

Talstation Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg. Cristiano Monteiro wartet die Geräte im Maschinenraum. An die Kälte hat er sich mittlerweile gewöhnt, auch wenn er den Sommer lieber mag, zum Arbeiten und überhaupt, das liegt wahrscheinlich an seinen portugiesischen Wurzeln. Der 17-Jährige macht die zweijährige Lehre zum Seilbahner mit eidgenössischem Berufsattest bei der Felseneggbahn – der einzigen öffentlichen Luftseilbahn im Kanton Zürich. «Es ist speziell, einen Beruf zu erlernen, den sonst in Zürich niemand lernt», sagt Cristiano.

Im Berufsinformationszentrum (BIZ) hat man ihm diese Ausbildung empfohlen, da er sich für technische Abläufe interessiert und gerne mit den Händen arbeitet. «Mit dem Computer habe ich es nicht so, da ist sogar meine Mutter besser», sagt Cristiano und lacht. Obwohl er in Zürich lebt, wusste er lange nicht, dass es vor den Toren der Stadt eine Luftseilbahn gibt, die einen sozusagen im Flug ins Erholungsgebiet bringt. Für die 1048 Meter lange Strecke und 307 Höhenmeter benötigt sie gerade einmal 5 Minuten. «Die Aussicht dort oben ist toll», schwärmt Cristiano. Jeden Morgen fährt er hoch, kontrolliert und putzt die Gondeln. Zurück in der Talstation, überwacht er den Bahnbetrieb und verkauft Tickets. Er schätzt den Kontakt zu Touristen und Einheimischen, die mit der Seilbahn dem grauen Alltag entschweben, hoch auf die Felsenegg, den Aussichtspunkt der Albiskette, 804 Meter über Meer.

Im Winter beginnt sein Arbeitstag morgens um acht, im Sommer um sieben, bei Monatskontrollen muss er um sechs in der Früh antraben. «In der Schule sitzt man fast immer. Hier steht man, bewegt sich, das war für mich die grösste Umstellung», sagt Cristiano.

2017 war ein Rekordjahr

Die Felseneggbahn ging im Dezember 1954 in Betrieb. 2008 wurden die Kabinen der ehemaligen Landi-Seilbahn, die in den Dreissigerjahren den Zürichsee überquerte, durch moderne, rollstuhlgängige ersetzt. Heute befördert die Bahn jährlich über 220 000 Personen. «Heuer war ein Rekordjahr», freut sich Patrick Zimmermann, Technischer Leiter der Seilbahn und Ausbildner. Der goldene Oktober war mit 32 000 Passagieren der stärkste Monat.

Cristianos Lehre dauert bis im Sommer. Für das eidgenössische Fähigkeitszeugnis müsste er eine zusätzliche Ausbildung bei einem grösseren Unternehmen machen und in einen anderen Kanton ziehen; zum Beispiel nach Luzern zu den Pilatus-Bahnen. Dort hat auch Patrick Zimmermann die Lehre gemacht.

Auf den Sommer 2018 sucht man bei der Felseneggbahn einen neuen Lernenden. Es darf auch eine Frau sein. «Sie muss anpacken können», sagt Zimmermann. Er glaubt daran, dass der Beruf des Seilbahners Zukunft hat. «Früher war es der Bauer, der im Winter den Sessellift bediente. Heute sind die Bahnen topmodern. Es braucht Leute, die sie warten und Fehler beheben.» Die meisten Bahnen laufen mittlerweile vollautomatisch, doch der Mensch entscheidet, ob sie bei Wind betrieben werden können. «Diese Verantwortung liegt bei uns.»

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