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Kultur

Florian Fox gewann einen Award als bester Live-Performer, nominiert wurde er von Talent-Scout Preston Taylor (r.). (Bild: PD)

Aus dem Fuchsbau in die USA

Von: Christian Saggese

12. Januar 2021

Aus Florian Roth wird Florian Fox: Nach zehn Jahren «The Black Barons» erfindet sich der Zürcher Countrysänger neu und nimmt derzeit in den USA ein Album auf, an der Seite eines Top-Produzenten.

Füchse gelten als neugierig, zielstrebig, anpassungsfähig und raffiniert. Alles Eigenschaften, die auch auf Florian Fox (englisch für «Fuchs») zutreffen. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich der Zürcher Florian Roth, der sich in den letzten zehn Jahren als Gründer und Sänger von «The Black Barons» an die Spitze der Schweizer Countryszene gespielt hat. Obwohl er weiter auf diesem Erfolg hätte aufbauen können, entschied sich der 28-Jährige, seinen sicheren Fuchsbau zu verlassen und in ein neues Abenteuer zu starten. Seit letztem August lebt Fox vorübergehend in Nashville in Tennessee, dem Zentrum der amerikanischen Country-Musik. Dort nimmt er unter dem neuen Künstlernamen sein erstes US-Album auf. Ein Vorgeschmack in Form einer EP erscheint morgen Donnerstag.

Ein bekannter Mentor

Dass Florian Fox momentan in der Heimatstadt von Johnny Cash im Studio steht, ist unter anderem dem Zürcher Country-Manager Albi Matter zu verdanken. Dieser lud «The Black Barons» 2018 auf die Country Music Cruise ein, eine regelmässig im Mittelmeer stattfindende Country-Kreuzfahrt. Ebenfalls mit an Bord war der bekannte US-Produzent Chuck Mead, der als Gründer der Alternative-Country-Band «BR5-49» für die Wiederbelebung der legendären Musikmeile «Lower Broadway» in Nashville sowie das internationale Revival der traditionellen Country Musik mitverantwortlich ist. «Albi Matter vermittelte den Kontakt. Die Chemie zwischen mir und Chuck Mead hat sofort gestimmt und wir machten uns an die Planung», sagt Fox. «Und nun stehe ich tatsächlich in Nashville und nehme mit Chuck Mead auf. Es ehrt mich sehr, diesen Mann, der mit den bekanntesten Namen des Country auf der Bühne steht und ein unschätzbares Wissen und Gespür für diese Musik hat, als Mentor haben zu dürfen.»
Dabei war es gar nicht sicher, ob Fox den geplanten Trip in die USA wirklich durchführen kann.  Die dortige Corona-Situation ist prekär, die Grenzen waren im Sommer 2020 für Ausländer geschlossen. «Ich erhielt erst eine Woche vor der geplanten Abreise im August ein Spezialvisum, weil ich nebst den Studioaufnahmen noch ein Studium in US-amerikanischem Recht absolviere», sagt Fox, der hauptberuflich als Anwalt arbeitet. Innert einer Woche musste er also sein altes Leben aufgeben, sich überall abmelden und packen. Doch auch, als er im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ankam, merkte er schnell, dass sich vieles verändert hatte. Noch als Jugendlicher verliebte er sich in die USA, als er unter anderem einen Road Trip über die Route 66 machte. Der «American Dream» schien allgegenwärtig: «Nun bin ich in ein Land gekommen, dass gespalten ist wie nie. Glücklicherweise lebe ich in einem ruhigen Stadtteil. Doch kaum betritt man das Zentrum von Nashville, ist der Graben Trump/Biden spürbar. Und am Weihnachtstag ging noch mitten in der Stadt eine Bombe hoch. Eine verrückte, aber enorm aufregende Zeit.»

Gute Neuigkeiten aus den USA haben momentan also eher Seltenheitswert. Glücklicherweise schreibt der Zürcher seine eigenen positiven Schlagzeilen. Nebst der musikalischen Zusammenarbeit mit Chuck Mead gewann Florian Fox letzten Oktober einen begehrten Award. Er wurde von Organisator und Talent-Scout Preston Taylor für den «Texas Sounds International Country Music Award» nominiert. Und da Fox nun gerade in den USA weilt, konnte er auch tatsächlich bei der Verleihung auftreten und einen Preis für die beste Live-Performance schliesslich sogar mit nach Hause nehmen: «Wenn eine texanische Jury sagt ‹Good job, man. You truly got the sound›, dann gibt das Mut zum Weitermachen.»


Abschied und Neustart

Das Verständnis und die Leidenschaft für die Country-Musik wie auch für die -Kultur ist im Schaffen von Florian Fox stets bemerkbar. Die morgen auf allen Streamingplattformen erscheinende EP «Blueberry Mountain Train» wurde zwar noch mit der klassischen The-Black-Barons-Besetzung in der Schweiz aufgenommen. Dennoch enthalten die drei Eigenkompositionen, plus einem Coversong von Johnny Cash, alle Elemente, die den Country grossmachten: Die Songs handeln von Abschied, einer darauf folgenden physischen wie auch psychischen Reise bis hin zum persönlichen und musikalischen Neustart. «Die EP zeigt wie ein roter Faden meine Wandlung von Florian Roth zu Florian Fox. Sie wurde vor meiner Abreise in die USA aufgenommen und ist damit der Angelpunkt zwischen meinem alten und meinem neuen Schaffen.» Auf dem voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte erscheinenden US-Album will sich Fox musikalisch neu erfinden: «Die wichtigsten Songs nähern sich dem Country-Pop und damit auch dem Ohr eines breiteren Publikums sowohl in der Schweiz als auch in den USA. Die Platte erhält jedoch weiterhin eine starke Prägung des traditionellen Country und Folk.»

Diesen neuen Weg beschreitet er nun also als Florian Fox, einen Namen, dessen Wirkung er im Voraus etwas anders eingeschätzt hatte, sagt er lachend: «Ich dachte eigentlich, die Amis hätten Mühe damit, Roth auszusprechen. Doch eigentlich ist mein Vorname die grosse Hürde. Selten habe ich so viele Variationen von ‹Florian› gehört wie in den letzten Wochen!»

Die EP «Blueberry  Mountain Train» gibt es ab morgen Donnerstag, 14. Januar, auf Spotify, Applemusic etc.

www.florianfox.com
www.instagram.com/florianfox.music

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