mobile Navigation

Kultur

Ihr Herz schlägt für die Stadtzürcher: Fotograf Nicolas Y. Aebi (l.) und Event-Unternehmer Albi Matter. Bild: Nicolas Y. Aebi

Expedition in Zürcher Welten

Von: Jan Strobel

25. November 2020

Jede Woche öffnet der Zürcher Fotograf Nicolas Y. Aebi in seiner Serie «Wir Zürcher» im «Tagblatt der Stadt Zürich» ein Tor in die Vielfalt der Zürcher Lebenswelten. Jetzt hat er zusammen mit Event-Unternehmer Albi Matter die besten Geschichten der letzten vier Jahre in einem Buch vereint. 

Der Charakter der Stadt Zürich wird vor allem durch die Menschen geformt, die in ihr leben. Konkret von den 434 000 Zürcherinnen und Zürchern mit ihren Lebensgeschichten, ihren Kulturen, ihren Leidenschaften und ihrem Engagement. Zwischen Saatlen und Leimbach, Altstetten und dem Seefeld entfaltet sich in den 34 Stadtquartieren ein Kosmos aus 170 Nationen und unzähligen Vereinen, bei denen die über 500 Sportvereine ein besonders starkes soziales Netz bilden.

Einzigartige Inszenierung

Das Tor in diesen Kosmos zu öffnen und Geschichten zu erzählen, die sich in ihm verbergen, das hat sich der Zürcher Fotograf Nicolas Y. Aebi vorgenommen. 2016 rief er für das «Tagblatt» die Serie «Wir Zürcher» ins Leben, ein einmaliges Format, das sich schnell zu einem Markenzeichen des städtischen Amtsblatts entwickelte. Nicolas Aebi porträtierte zuerst Menschen aus rund 140 Nationen. Danach folgte ein Blick auf die Gesichter der einzelnen Stadtquartiere. Aktuell steht die Vielfalt der Sportvereine im Fokus der Serie.

Aus diesem Kaleidoskop ist jetzt das Buch «Wir Zürcher. Menschen und ihre 100 Geschichten» entstanden, das eine Auswahl von Fotografien und Geschichten aus den vergangenen vier Jahren entfaltet. Herausgeber ist der umtriebige Zürcher Albi Matter, der mit seiner Agentur Show and Music AG seit 36 Jahren das Internationale Country Music Festival im Albisgüetli veranstaltet und damit im Zürcher Musik- und Kulturleben jeweils einen Markstein setzt.

Die Idee, zusammen mit Fotograf Nicolas Aebi die «Tagblatt»-Serie mit einem Buch zu würdigen, entstand bei Albi Matter auch aus der aktuellen Situation heraus. «Aufgrund der Corona-Pandemie musste ich auch das Country Music Festival absagen», erzählt Matter. «Ich suchte ein neues, kreatives Projekt, das mit der Stadt Zürich verwurzelt ist. Die Serie ‹Wir Zürcher› und die Arbeit von Fotograf Nicolas Aebi hatten mich schon lange fasziniert.»

Für Albi Matter, der raffinierte PR-Mann, der in der Vergangenheit auch als Verkaufsleiter für die Deutschschweiz bei Ex Libris gearbeitet hatte, war das Herausgeben von Büchern kein Neuland. Und mit dem Fotografen selbst verband ihn immer wieder ein Arbeitsverhältnis, das bis in die 1990er-Jahre zurückreicht. «Albi Matter», sagt Nicolas Aebi, «ist ein unkomplizierter Macher, der seine Pläne mit Überzeugung und Leidenschaft durchzieht. Deshalb war es für mich klar, dass er der richtige Mann für dieses Buchprojekt ist». Und was beide verbindet, ist ihre Liebe zur Stadt Zürich und zu den Stadtzürchern. So ist Albi Matter aktiv in der Zunft zu Wiedikon. Am 3. Dezember erscheint «Wir Zürcher. Menschen und ihre 100 Geschichten» nun in einer limitierten Auflage von 1000 Exemplaren.

Was die Bilder von Nicolas Aebi besonders einzigartig macht, ist die szenische Konzeptfotografie. Wie auf einer aufwendig inszenierten Bühne erzählen die Porträtierten ihre Geschichten. Bei den Nationen und den Quartieren korrespondieren die Fotografien immer mit den Flaggen und ihren Symbolen oder Farben und nehmen die jeweiligen Eigenheiten mitunter augenzwinkernd auf.

Als Nicolas Aebi zum Beispiel die Staatsangehörigen von Saint Lucia ablichtete, von denen nur zwei in der Stadt Zürich leben, brauchte er zuerst einmal Sand, er musste sozusagen die Karibik irgendwie nach Zürich bringen, das Typische dieses kleinen Inselstaates und seiner Menschen einfangen. «Den Sand fand ich schliesslich auf dem Volleyballfeld am Oberen Letten», erzählt Nicolas Aebi. «Das Surfbrett borgte ich von einem Bekannten. Und so entstand im Kreis 5 für den Moment eines Fotoshootings ein kleines Saint Lucia.» Eine himmelblaue Rolle als Hintergrund zitierte die Landesflagge.

Für seine Recherchen musste Nicolas Aebi immer nah an den Menschen bleiben, Kontakte spielen lassen, Hinweisen nachgehen, unbekanntes Terrain betreten, auch Ängste und Misstrauen nehmen, besonders bei Menschen, die in ihrer Heimat mit traumatischen Erfahrungen konfrontiert gewesen waren. «Ich wurde mit der Zeit sozusagen zu einem regelrechten Ethnologen.» Auch bei den porträtierten Sportarten ging es darum, nicht nur das Wesen des Sports einzufangen, sondern auch die Leidenschaft der Sportler selbst. Aber das, sagt Nicolas Aebi, sei schliesslich die Essenz seines Berufs. «Als Fotograf bewegt man sich jeden Tag in den unterschiedlichsten Welten.» Sein Credo: «Behandle den anderen so, wie du selber behandelt werden möchtest.»

Karriere als Spiegel

Nicolas Aebis Karriere ist ebenfalls ein Spiegelbild der Stadt. 1994 startete er, der mitten in der Altstadt aufwuchs, als Porträt- und Studiofotograf bei der «Züri Woche», damals die auflagenstärkste Zeitung der Stadt Zürich. Legendär wurde in den späten 1990er-Jahren seine Fotokolumne «Nicos Nachtgesichter», in welcher er der untergründigen Zürcher Partyszene mit seiner Kamera den Puls fühlte. Nicolas Aebis Konzept diente schliesslich findigen HSG-Studenten als Vorlage für die mittlerweile verschwundene Plattform Tilllate, die im Jahr 2000 gegründet wurde.

Im selben Jahr begann Nicolas Aebi zunächst als Freelancer bei der gerade lancierten Pendlerzeitung «20 Minuten» und gestaltete damit im wortwörtlichen Sinn den kometenhaften Aufstieg des Titels zur meistgelesenen Zeitung der Schweiz ein Stück weit mit. 2005 folgte die Festanstellung für die Print- und Online-Ausgaben sowie für das Stadtheft «Week» als Porträt-, Studio- und Reportage-Fotograf. 2013 schliesslich entschied sich Nicolas Aebi wieder für den freiberuflichen Weg und setzte fortan auch für das «Tagblatt» starke fotografische Akzente.

Weitere Informationen:
Das Buch «Wir Zürcher. Menschen und ihre 100 Geschichten» ist ab dem
3. Dezember in einer limitierten Auflage von 1000 Exemplaren erhältlich.


Bestellungen unter:
www.wirzuercher.ch

zurück zu Kultur

Artikel bewerten

Gefällt mir ·  
5.0 von 5

Leserkommentare

Janusz Wronka - Es ist interessant nicht nur für Zürcher, eigene Perspektive haben wir alle. "Der Stand Punkt bestimmt die Perspektive." Nikolas Y. Aebi hat sehr gute Arbeit präsentiert. Wir Fotografen" mein Zürich, moj Zurych auf FB" https://www.facebook.com/groups/2697065100507230
mehr anzeigen ...

Vor 10 Monaten 2 Wochen  · 
Noch nicht bewertet.