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Kultur

Das Improtheater des Theaters Anundpfirsich geht mit dem Publikum eine Symbiose ein. In der Bildmitte: Ensemblemitglied Donat Feijóo. Bild: Theater Anundpfirsich

Das etwas andere Theater

Von: Jan Strobel

03. März 2020

Das Zürcher Theater Anundpfirsich ist in der europäischen Improtheater-Szene eine Institution. Es machte Zürich zu einer Hochburg dieser Theaterform. Im etablierten Kulturbetrieb sucht sie sich indessen noch ihren Platz. Das soll sich jetzt mit einer neuen, grossen Bühne mitten im Kreis 5 ändern. 

s ist eine Erfolgsgeschichte, wie es sie in der Zürcher Kulturlandschaft eigentlich nur selten zu erzählen gibt. 2005 gründen ein Soziologiestudent, ein Philosoph, ein Wirtschaftsinformatiker, eine Balletttänzerin, eine Altphilologin und eine Primarlehrerin einen Theaterverein. Sie sind beseelt von der Vision, das Improvisationstheater auch in der Limmatstadt zu etablieren und ihm einen Raum zu geben. Denn was in den USA schon längst zum Kulturangebot in den Grossstädten gehört, fristete in Zürich noch immer ein Nischendasein.

Die Kunst der Improvisation auf der Bühne, in der das Publikum aus dem Moment heraus zusammen mit den Schauspielern direkt mitwirkt und gleichsam aus dem Nichts eine Geschichte entwickelt, für das etablierte Zürcher Theaterpublikum war das extrovertiertes Neuland. Ihren Verein nannten die fünf enthusiastischen Gründer Theater Anundpfirsich.

In der europäischen Improtheater-Szene avancierte das Ensemble, das heute zehn festangestellte Mitglieder zählt, bald zu einer Institution und Zürich mithin zu einer der Hochburgen dieser Theaterform. Das Theater Anundpfirsich wuchs zu einem kleinen Kulturunternehmen heran, das mittlerweile eine GmbH ist. Es bietet nicht nur Shows, sondern auch ein Ausbildungsprogramm, Workshops oder Businesstheater.

2013 fand unter seiner Ägide auch das erste Zürcher Improtheater Festival Spunk mit internationalen Gästen statt. Als Spielstätte dient heute die «Töpferei» im Kreis 3 oder das Comedyhaus beim Albisriederplatz.

Vorstoss in die City
Ab Februar 2021 wird nun ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Theaters Anundpfirsich dazukommen. Einen «unglaublichen Schritt» nennt es Ensemblemitglied Donat Feijóo. Dann nämlich wird an der Zollstrasse, Ecke Langstrasse, im Kreis 5 ein richtiges Theaterhaus eröffnet, das 200 Gästen Platz bietet. «Das Theater im Zollhaus wird eine der grössten Bühnen für Improtheater in Europa», sagt Donat Feijóo. «Es soll ein Haus für Improvisation werden, das dieser Theaterform endlich den ihr gebührenden Platz einräumt.»

Möglich machte diesen Schritt die Genossenschaft Kalkbreite, die gerade entlang der Zollstrasse ihre Siedlung Zollhaus mit 56 Wohnungen und zahlreichen Gewerbe- oder Gastronomieangeboten errichtet. Im Erdgeschoss des künftigen Gebäudes an der Ecke Langstrasse wird das Theater untergebracht sein.

Mit dem neuen Theater im Zollhaus stösst die Improvisationsbühne also gleichsam in den Kulturbetrieb in der City vor. Der Standort an der Langstrasse könnte nicht besser gewählt sein. Die künftige Bühne soll immerhin auch ein breiteres Publikum ansprechen, kulturell interessierte Nachtschwärmer etwa, die sich zwischen Bar- und Klubbesuch noch einem Impro-Slam, einer Comedy-Show, einem poetischen Geschichtenabend oder einer Late Night Show hingeben möchten. Für das Langstrassenquartier wird dieses Haus ein weiterer dringend nötiger Kulturpfeiler, nachdem bereits das Kosmos auf der anderen Seite des Gleisfelds einen Akzent gesetzt hat.

Erstaunlich an dieser neusten Zürcher Kulturinstitution ist die Finanzierung. «Wir stellten dieses Projekt vollständig ohne öffentliche Kulturfördergelder auf die Beine», so Donat Feijóo. Auf solche öffentlichen Mittel kann das Theater Anundpfirsich kaum hoffen. «Improvisation ist von jeglicher Kulturförderung ausgeschlossen», macht Donat Feijóo deutlich. Die Finanzierung kommt durch Sponsoren, Eigenkapital und Privatspenden zusammen. In den kommenden zehn Jahren wird der Kulturbetrieb rund 750 000 Franken in das Theater im Zollhaus investieren. Zudem soll nächstens auch eine Crowdfunding-Aktion zugunsten des neuen Theaterhauses starten.

Geplant sind vorderhand mehrere Shows pro Woche, dazu werden die Ausbildungsprogramme und Workshops kommen.

Das neue Theater im Zollhaus wird 200 Gästen Platz bieten und ist Bestandteil der Siedlung Zollhaus der Genossenschaft Kalkbreite, die derzeit im Kreis 5 gebaut wird.  Visualisierung: Meyer Dudesek Architekten

Weitere Informationen:
www.pfirsi.ch
www.kalkbreite.net

Tickets zu gewinnen!

Das «Tagblatt der Stadt Zürich» verlost 4 x 2 Tickets für den Impro-Krimi «Totgespielt» des Theaters Anundpfirsich im Comedyhaus an der Albisriederstrasse 16, am Sa, 14.3., um 20 Uhr. Schreiben Sie uns eine Mail mit Namen, Adresse, Telefonnummer und dem Betreff Impro an gewinn@tagblattzuerich.ch

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