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Album

Rita Angelone (45) hat zwei Kinder (7 und 5) und schreibt jede Woche über den ganz normalen Wahnsinn ihres Familienalltags.

Wenn der Nabel dazwischen kommt

Von: Rita Angelone

26. November 2013

Letzte Woche habe ich Ihnen erzählt, wie man uns Eltern von kleineren Kindern anlässlich einer Elternbildung die Pubertät – die uns Unwissenden noch bevorsteht – anhand der Geschichte der Raupe Nimmersatt zu erklären versucht hat: Als eine regelrechte Phase der widerspenstigen Verpuppung, der turbulenten Umwandlung und der nicht schmerzlosen Wiedergeburt sei diese zu betrachten, und wir Eltern sollten dann vor allem Geduld und Verständnis an den Tag legen.

Es ist nicht so, dass mich dieses Erfahrungswissen von Eltern, die bereits durch diese Metamorphose gegangen sind, völlig unvorbereitet und überraschend getroffen hätte, denn beruflich beschäftige ich mich mit Jugendlichen, die knietief in dieser kräftezehrenden Verwandlungsphase stecken, dabei aber noch genug Energie und Kraft an den Tag legen müssen, um in Sachen Berufswahl Nägel mit Köpfen zu machen.

Weil ich von diesen Jugendlichen direkt weiss, dass sie sich in dieser herausfordernden, bisweilen auch überfordernden Phase nur etwas von ihren Eltern wünschen, nämlich Geduld und Verständnis, habe ich letzten Samstag anlässlich einer Podiumsdiskussion an der Berufsmesse an die zuhörenden Eltern appelliert, sich in die Lage ihrer Kinder zu versetzen, sie ernst zu nehmen und zu begleiten, ohne aber – meist kontraproduktiven – Druck auf sie auszuüben und auf ihre Fähigkeiten, auf ihr Können zu vertrauen. Meist komme ja alles gut.

Doch während ich so zum Publikum sprach, begleitete mich ununterbrochen das Nachhallen eines Satzes der Elternbildungsreferentin: «Es ist für mich leicht, Ihnen alles so sachlich zu vermitteln. Doch auch ich weiss nur zu gut: Wenn uns der eigene Bauchnabel in die Quere kommt, geht nichts mehr.»

Ja, dieser Bauchnabel, der – ich habs an dieser Stelle auch schon beklagt – wie nicht selten bei amputierten Körperteilen als Phantomglied ein Leben lang weiter existiert. Ein Leben lang weiter pulsiert.

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Leserkommentare

Gaby N. - Oh ja: andern Tipps und Ratschläge zu geben ist immer so nett... nur: wenns an die eigenen tiefen Gefühle geht und der tägliche Kampf nicht hört (und ich v.a. weiss, das kann nun noch 6 Jahre andauern!!), weiss ich auch nicht genau, wo ich die Geduld und
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Vor 9 Jahren 6 Tagen  · 
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Nicole Bertsch - Ach, ich finde die Entscheide aus dem Bauch heraus nicht immer die fälschesten! Irgendwie spüren wir doch oft genug schon, was richtig ist und was nicht. Klar, manchmal ist es schon auch nützlich, wenn der Kopf noch etwas (mehr) mitmacht…. ;-)

Vor 9 Jahren 5 Tagen  · 
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