mobile Navigation

Gut zu wissen

Dieser Bub posiert am 11. März 1931 in Oerlikon in den Schneemassen, die damals Zürich und sein Umland lahmlegten. Bild: Baugeschichtliches Archiv

Als es in Zürich plötzlich sibirisch wurde

Von: Jan Strobel

11. Januar 2018

1931 wurde Zürich von einem der heftigsten Schneefälle seiner Geschichte heimgesucht. Die Zürcher schnallten ihre Ski an und fuhren durch die Strassen. Nur die Fussballer blieben unbeeindruckt.

Dass Schneefall im Winter eigentlich meistens dann eintritt, wenn er am wenigsten gewünscht oder erwartet wird, das war bereits in Zeiten der Fall, als der Klimawandel noch kein Thema war. Vor allem wenn im März noch Schnee fiel, wurde das damals schon jeweils als regelrechte Sensation empfunden. Besonders krass war in Zürich der «Märzenwinter» 1785, als sich die «weisse Pracht» in der Stadt Zürich bis zu 180 cm türmte und unzählige Hausdächer eindrückte. Und im März 1865 fiel vom ersten bis zum letzten Tag Schnee auf die Stadt hernieder, bis ihm im April die Sonne endlich den Garaus machte.

Einer der ersten fotografisch festgehaltenen Zürcher Märzenwinter ereignete sich zwischen dem 9. und dem 12. März 1931 mit Temperaturen um 4 Grad unter null. 72 Stunden hatte es ununterbrochen geschneit. Das Strassenbild der Stadt beherrschten meterhohe Schneehaufen und Schneewände, denen man mühsam mit Pferdefuhrwerken und Räumautos zu Leibe zu rücken versuchte. Mancher fühlte sich angesichts der Schneemassen an Sibirien erinnert. Dieser Wintereinbruch, konstatierte die NZZ verdattert, war ein «absurdes Vorkommnis».  

Auch für das Kaufhaus Jelmoli kam dieser späte Wintereinbruch scheinbar aus dem Nichts. Bereits prangte an seiner Fassade ein pompöses Riesenplakat, das den Frühling anpries. Derweil schnallten sich einige besonders findige Zürcher Ski an die Füsse, um sich damit fortzubewegen. 

Unbeirrt dagegen wollten sich die lokalen Fussballvereine zeigen. Die Grasshoppers und die Blue Stars liessen ihre Mannschaften gegeneinander antreten. Als der Schiedsrichter bereits nach 15 Minuten die Partie wegen des Schnees abbrechen wollte, löste das bei den Zuschauern wütende Proteste aus. Die Clubs einigten sich angesichts dessen, das Spiel fortzuführen. Den winterlichen Match gewannen die Grasshoppers schliesslich mit 4 zu 0. 

zurück zu Gut zu wissen

Artikel bewerten

Gefällt mir 5 ·  
Noch nicht bewertet.

Leserkommentare

Keine Kommentare