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Gut zu wissen

Das Rundpanorama befand sich gleich gegenüber dem Seebad Utoquai und zeigte das Monumentalgemälde «Schlacht bei Murten». Bild: Screenshot/PD

Die schönste Zürcher "Bretterhütte"

Von: Jan Strobel

14. Juli 2015

Verschwundene Gebäude: Am Utoquai stand einst ein markanter Bau, der ganz dem Zeitgeist entsprach – aber dem Stadtrat nicht passte.

Wer die historische Luftaufnahme der Zürcher Innenstadt um die vorletzte Jahrhundertwende betrachtet, dem sticht ein wuchtiger Kuppelbau ins Auge, der sich einst am Utoquai, gleich beim Seebad, befand und dem gegenüber das Opernhaus fast schon zierlich wirkte. Bei dem geheimnisvollen Bauwerk handelte es sich um das Zürcher Rund­panorama, das am 24. August 1894 seine Tore für das Publikum öffnete. Gezeigt werden sollten darin monumentale Rundgemälde von Kriegsszenen. Die «Pano­ramagesellschaft Zürich» beauftragte dazu den Münchner Militärmaler Louis Braun.

Solche Rundpanoramen galten Ende des 19. Jahrhunderts beim Bürgertum als letzter Schrei der horizont­erweiternden Unterhaltung, vergleichbar mit den heutigen 3-D- oder 4-D-Kinos. In der Schweiz hatten sich bereits Genf und Luzern so ein Panorama geleistet, da durfte Zürich natürlich nicht hintanstehen. Der Stadtrat war von der Idee allerdings nicht gerade begeistert. Seine Sorge galt der Gesundheit der Jugend: Schlachtenbilder in dieser «Bretterhütte» würden sich negativ auf den Nachwuchs auswirken. Wenn schon eine Schlacht, dann solle es bitte eine «vaterländische» sein. Die Wahl fiel deshalb auf die Schlacht bei Murten. Bis 1919 wurde das Murtener Rundgemälde gezeigt. Das Panorama trotzte in dieser Zeit dem Siegeszug des Kinos, bis der Bau schliesslich in eine Autogarage umgenutzt und 1928 abgebrochen wurde. Heute wäre dieses Gebäude wohl ein exklusives Eventlokal im schicken Seefeld.

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Leserkommentare

Heinz Schwendener - Die alte Tonhalle war auch so ein Gebäude, das nicht hätte abgebrochen werden sollen. Es wäre heute def. eine Attraktion. Schade.

Vor 4 Jahren 1 Monat  · 
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