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Gut zu wissen

War bis in die 50er-Jahre in den Zürcher Haushalten weitverbreitet: Tintenabroller. Bild: Luigi Zimmermann

Eine Rolle als Anti-Schmiermittel

Von: Sacha Beuth

17. September 2019

In der Serie «Nostalgische Fundstücke» stellt das «Tagblatt» Objekte, Unternehmen oder Berufe vor, die früher eine markante Rolle im Leben der Stadt und ihrer Bürger spielten, nun aber zum Leidwesen vieler verschwunden sind. Heute erinnert sich «Tagblatt»-Leser Luigi Zimmermann (75) an Tintenabroller.

«Meine Kindheit verbrachte ich im Schosse einer Pflegefamilie im Seefeldquartier. Damals war es in Zürcher Haushalten allgemein üblich, dass vor allem wichtige Schriftstücke mit Füllfederhalter und Tinte verfasst wurden. Damit die Tinte nicht schmierte, benutzten viele – so auch mein äusserst sorgfältig schreibender Pflegevater – einen Tintenabroller, auch Löschwiege oder Tintenlöscher genannt. An dessen Unterseite war Löschpapier gespannt, welches die überschüssige feuchte Tinte beim Abrollen aufnahm. Das Utensil hat mich total fasziniert. Es war für uns Kinder aber damals tabu – obwohl wir es manchmal gerne benutzt hätten, um unsere Schularbeiten, die wir ebenfalls mit Tinte schrieben, trockenzurollen. Stattdessen mussten wir das Geschriebene vorsichtig von Hand mit Löschpapier abtupfen. Nach dem Tode meines Pflegevaters ist der Tintenabroller in meinen Besitz übergegangen. Selbst habe ich ihn zwar nie benutzt, aber immer wenn er mir in meiner Wohnung im Kreis 11 zwischen die Finger gerät, weckt er Erinnerungen an meinen Pflegevater und dessen schöne Schrift.

Das «Tagblatt» bedankt sich bei Luigi Zimmermann für seinen Beitrag mit einem original «Tagblatt»-Kugelschreiber von Caran d’Ache und hofft auf weitere Vorschläge für diese Serie (Bitte E-Mail an: gewinn@tagblattzuerich.ch, Stichwort: Nostalgie).

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