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Gut zu wissen

Der Lichterbaldachin verzauberte 33 Jahre lang die Bahnhofstrasse. Bild: PD

Lichtermeer über der Bahnhofstrasse

Von: Isabella Seemann

01. Dezember 2015

Weihnachtsbeleuchtung: 1971 erstrahlte die Bahnhofstrasse zum ersten Mal.

Vorbild war Paris: Bereits in den 1960er-Jahren leuchteten die mondänen Champs-Elysées während der Adventszeit in einem Meer von Lichterkugeln. Als das Wirtschaftswunder auch über die Schweiz hereinbrach und Elektrizität unbegrenzt zur Verfügung stand, suchte das ambitionierte Zürich nach modernen vorweihnachtlichen Illuminationsformen. Bis dahin gab die Bahnhofstrasse ein eher kärgliches Bild ab. Gewerbevereine hängten biedere Sternlein, Monde und Geschenkpakete an Kandelaber. Reklameschilder und Schaufenster­beleuchtung wurden nach 22 Uhr gelöscht.

Um den Weg ins Konsumparadies zu erhellen, schrieb die Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse einen Wettbewerb aus. Die Grafikerin Charlotte Schmid, ihr Ehemann, der Architekt Willi Walter, und ihr Ateliercompagnon Paul Leber gewannen mit der genialen Idee eines 1070 Meter langen Lichterbaldachins. Die Umsetzung erwies sich als äusserst schwierig, noch nie zuvor wurde über einem solch grossen Strassenraum eine Beleuchtung aufgehängt. Als in der Nacht vom 30.  November auf den 1.  Dezember 1971 die 215 Girlanden mit insgesamt 20 640 Glühbirnen schliesslich angeknipst wurden, fand die Bahnhofstrasse weltweit Beachtung. Zeitungen berichteten über das atemberaubende Spektakel, und am Sonntag darauf kamen Tausende von Neugierigen aus der ganzen Schweiz, um sich vom Lichtkunstwerk bezaubern zu lassen. Nach 33 Jahren wurde der Lichterbaldachin altershalber von «The World’s Largest Timepiece» abgelöst, deren 275 strenge Stangen die Erwartung der Zürcher nach festlicher Verzauberung nie zu erfüllen vermochten. Seit 2010 verwandelt «Lucy in the Sky with Diamonds» den Einkaufsboulevard wieder in eine vorweihnachtliche Märchenlandschaft.

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Leserkommentare

Rolf Raess - Inzwischen ist die Champs-Elysée viel besser beleuchtet, trotz modern sehr "anmächelig" - Franzosen können es besser…

Vor 5 Jahren 11 Monaten  · 
Noch nicht bewertet.