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Gut zu wissen

Grosser Bahnhof für Winston Churchill: Die Zürcher feierten den Kriegshelden. Bild: PD

Winston Churchills Zürcher Rede

Von: Isabella Seemann

06. Februar 2013

19. September 1946: Churchill beschwört die Bildung der «Vereinigten Staaten von Europa».

Als 1946 der Pulver- und Blutdampf, der so lange über dem europäischen Kontinent gelegen hatte, verzogen war und sich herumsprach, dass der englische Kriegsheld den Spätsommer in der Schweiz verbringen würde, brachen die Eidgenossen in regelrechtes Churchill-Fieber aus. Nach seinen Malferien am Genfersee, reiste er mit dem «Roten Pfeil» der SBB nach Zürich, wo es in der Enge einen grossen Bahnhof für ihn gab. Churchill stieg im Grand Hotel Dolder ab und arbeitete die ganze Nacht an jener Rede, die als «Zürcher Rede» in die Geschichte einging. Am Morgen des 19. September 1946 verschlief er sich und traf zu spät zum Empfang im Rathaus ein. Anschliessend begab er sich zur Aula der Universität, wo er seine visionäre Rede hielt, in der er zur deutsch-französischen Versöhnung und zur Einheit Europas aufrief: «Let Europe arise!» Danach fuhr er in der offenen Limousine entlang Zehntausender jubelnder und Blumen werfender Zürcher über Rämistrasse, Bellevue und Bahnhofstrasse zum Münsterhof. Churchill, der vergessen hatte, dass er auch hier sprechen sollte, sagte aus dem Stegreif ein paar Sätze, steckte seinen Hut auf den Stock und schwenkte ihn hin und her. Darauf gings zum Mittagessen ins Zunfthaus zur Meisen, die Pausen zwischen den Gängen verkürzte er sich mit Nickerchen. Am Abend fand auf dem Landgut «Schipf» in Herrliberg ein Bankett statt. Der Wein des Landguts missfiel Churchill, der Champagner, Port und Whisky vorzog. Entsetzt berichteten Augenzeugen, er habe den Wein ausgespuckt.

Auf der Seite des Europa-Instituts kann man sich die «Zürcher Rede» Churchills anhören: www.eth.uzh.ch

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