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Interview

«Bei der Qualität der Produkte mache ich keine Kompromisse», sagt Spitzenkoch Marcus G. Lindner. Bild: PD

100 Tage Sternenglanz auf dem Sonnenberg

Von: Isabella Seemann

04. Juli 2017

GASTRONOMIE Kochkünstler Marcus G. Lindner wirkt seit rund drei Monaten im Fifa-Restaurant Sonnenberg und hat bereits einige Neuerungen eingeleitet.

Was ist Ihre Zwischenbilanz nach 100 Tagen Sonnenberg?

Marcus G. Lindner: In der kurzen Zeit ist viel passiert. Wir haben die Speisekarte zeitgemäss gestaltet, die Terrasse zum Park hin geöffnet und eine Lounge eingerichtet, das Angebot am Stand erweitert mit Quinoa, Rindsbur­gern, Currywurst, Smoothies und Salaten sowie das Interieur modernisiert. Mit diesen Auffrischungen streben wir auch eine Öffnung hin zur Zürcher Bevölkerung an. Spaziergänger, Ausflügler und Quartierbewohner sollen sich bei uns ebenso willkommen fühlen wie unsere Stammgäste.

Noch bevor Sie gekommen sind, avancierten Sie zum Politikum. Linke Politiker forderten den Stadtrat auf, «dem Treiben einen Riegel zu schieben». Was ging Ihnen da durch den Kopf?

Vielleicht fehlt es an Bewusstsein, dass der Sonnenberg ein aufwendiger und kostenintensiver Betrieb mit Dutzenden Vollprofis in Küche und Service ist. Mit einem günstigen Bratwurstangebot alleine kann man ihre Löhne nicht bezahlen. Dieses Haus braucht auch Gäste, die Zürich von seiner besten Seite, kulinarisch und landschaftlich, geniessen wollen. Und es braucht hier eine äusserst engagierte Persönlichkeit, die das ganze Spektrum bespielen kann. Ich sehe den Sonnenberg als ein Hotel ohne Zimmer. Wir sind zuständig für die 9-Uhr-Pause im Fifa Convention Center, den Bu­sinesslunch, die Currywurst für Ausflügler bis zu Familien- und Firmenfesten und das romantische Abendessen mit Sicht auf den See, also für die ganze Vielfalt an Gästen.

Welche Kompromisse müssen Sie eingehen, um als Spitzenkoch eine breitere Bevölkerung anzuziehen?

Bei der Qualität der Produkte mache ich keine Kompromisse. Ich bin der Ansicht, dass jeder das Recht hat auf eine ausgezeichnete Gastronomie. Meine Herausforderung ist, diese Produkte zu finden und gleichzeitig den Betrieb wirtschaftlich zu führen. Ich bin aber überzeugt, dass die Zürcher bereit sind, für eine erstklassige Bratwurst 1 Franken mehr zu bezahlen.

Wie gehen Sie als Spitzenkoch damit um, dass immer mehr Menschen vegetarisch essen oder sagen, dass sie Allergien hätten?

Diese Ernährungsweise gewinnt weit über einen Trend hinaus immer mehr an Bedeutung, und wer diesen Bedürfnissen nicht gerecht wird, ist in einer modernen Küche fehl am Platz. Für mich und mein Team ist es eine Selbstverständlichkeit, vegetarische und vegane Gerichte kreativ und auf höchstem Niveau zuzubereiten. Das macht uns auch riesige Freude!

Was sind Ihre weiteren Pläne?

Mittelfristig wird ein Umbau der Küche unumgänglich sein, da sie nach 17 Jahren intensivster Betriebszeit nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht. Sie soll offener und durch eine Bar und eine Lounge ergänzt werden. Wir möchten auch mehr mit unserer Kundschaft interagieren und Kochkurse sowie Workshops zu gesunder Ernährung anbieten.

Sie sind von Gstaad nach Zürich zurückgekehrt. Wie verbringen Sie hier Ihre Freizeit?

Zürich ist eine der schönsten Städte der Welt! Ich fühle mich ihr eng verbunden. Die Zwischensaison in den Bergen verbrachte ich grösstenteils in Zürich. Ich liebe es, in den freien Nachmittagsstunden durchs Seefeld zu flanieren mit seinen vielen Cafés, Boutiquen und dem See. Einer meiner Lieblingsorte ist der Globus am Bellevue. Und natürlich besuche ich auch gerne die Restaurants meiner Kollegen und geniesse das breite kulinarische Angebot Zürichs.

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