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Interview

Führt die jungen Wilden der ZSC Lions Frauen: Captain Nina Waidacher. Bild: Sacha Beuth

Ein Triumph der Jugend

Von: Sacha Beuth

10. September 2019

Heute Mittwoch zeichnet der Stadtrat Zürcher Sportteams aus, die in der letzten Saison für Furore gesorgt und Titel errungen haben. Ganz vorne mit dabei ist als Cupsieger das junge Team der ZSC Lions Frauen. Deren Captain Nina Waidacher (27) hofft, dass durch die Ehrung Fraueneishockey mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rückt.

Welche Bedeutung hat der Sportlerinnen- und Sportlerpreis der Stadt Zürich für Sie und Ihr Team?

Nina Waidacher: Er bedeutet uns sehr viel, denn im Fraueneishockey sind Ehrungen durch Behörden und Politik selten. Wir haben ihn nicht erwartet. Umso schöner ist es zu sehen, dass die ausserordentliche Leistung, die wir mit unserem jungen Team geschafft haben, der Stadt nicht entgangen ist und wertgeschätzt wird.

Was ist der Grund, warum Fraueneishockey in der Schweiz trotz grösserer internationaler Erfolge – Stichwort: Olympiabronze 2014 – weniger Aufmerksamkeit erhält als Frauenfussball?

Das fängt nur schon bei der Anzahl der Aktiven an. Es gibt viel mehr Frauen und Mädchen, die Fussball als Eishockey spielen. Im Frauenfussball existieren eigene Teams bis weit in den Juniorenbereich, während bei uns die Mädchen oft über mehrere Jahre bei den Knaben mitspielen müssen, weil es in den Clubs fast keine Mädchenteams gibt. Nur wenige ziehen dies durch, bis sie altersmässig in ein reines Frauenteam wechseln können. Vielleicht kann die Aufmerksamkeit, die wir durch den Zürcher Sportlerinnen- und Sportlerpreis erlangen, helfen, dass mehr Mädchen zum Eishockey finden und mehr Clubs Mädchen- und Frauenteams schaffen.

Ist nicht auch ein Grund für die Nichtbeachtung darin zu suchen, dass im Schweizer Fraueneishockey die Niveauunterschiede viel grösser sind als bei den Männern, die Liga somit weniger ausgeglichen und weniger spannend ist?

Durchaus. In den letzten 10 Jahren wurden entweder wir oder Lugano Meister. Das Gefälle zu den anderen Teams ist gross. Kommt hinzu, dass unsere höchste Liga nur aus sechs Mannschaften besteht. Man spielt immer wieder gegen die gleichen Teams, das kann sogar für die Spielerinnen selbst langweilig werden.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft. Werden die ZSC Lions Frauen nächstes Jahr erneut die Sportlerinnen- und Sportlerehrung – dieses Mal wieder als Meister – entgegennehmen können?

Wir holen den Titel, ergo müsste es auch wieder für eine Ehrung reichen. Das Kader ist ein Jahr weiter, zwei wichtige Spielerinnen sind aus dem Ausland zurückgekehrt, und die vielen Verletzten sind wieder genesen.

Und was haben Sie sich persönlich zum Ziel gesetzt? Ist etwa eine Rückkehr ins Nationalteam ein Thema?

Nein. Vorrangiges Ziel ist es, den Jungen im Club ein Vorbild zu sein, sie als Captain zu führen und in der Meisterschaft wieder zu triumphieren. Ich befinde mich zwar im besten «Eishockeyalter», aber mehr Zeit in den Sport zu investieren, lässt mein Beruf nicht zu. Ich bin ja kein Profi, sondern verdiene im Marketing einer Onlinefirma meine Brötchen. Das soll keine Klage sein. Ich kann trotzdem immer noch meinen Lieblingssport auf hohem Niveau betreiben.

Infos zur Ehrung

Die Sportlerinnen- und Sportlerehrung vor Medien und geladenen Gästen findet heute Mittwoch um 12 Uhr auf dem Muraltengut statt. Als Rednerinnen bzw. Redner sind Stadtpräsidentin Corine Mauch und Filippo Leutenegger (Vorsteher Schul- und Sportdepartement) angekündigt. Ausgezeichnet werden neben den ZSC Lions Frauen auch die FCZ Frauen (Meister und Cupsieger).

 

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