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Interview

«Bestatter»-Star Barbara Terpoorten hat, im Gegensatz zu ihrer Krimifigur Anna-Maria Giovanoli, mit ihrem Berufskollegen Sigi Terpoorten ihren Prinzen schon längst gefunden. Bild: Nicolas Y. Aebi

Eine filmreife Liebe: Harmonie vor und hinter der Kamera

Von: Isabella Seemann

16. Oktober 2018

Zum TV-Star wurde Barbara Terpoorten (44) dank der Erfolgsserie «Der Bestatter», in der sie Kommissarin Anna-Maria Giovanoli verkörpert. Siegfried Terpoorten (47) war in zahlreichen Blockbusters und Fernsehserien zu sehen. Mehrmals standen sie gemeinsam vor der Kamera – aktuell in der 4. Episode der preisgekrönten, finnischen Webserie «end unsung» – und auf der Bühne. Mit ihrer Theatergruppe Sempione Productions produzierten sie die Komödie «Chez Roswitha (eine Operette auf Talfahrt)», die Ende Oktober im Zürcher Miller’s aufgeführt wird.

Erzählen Sie doch mal Ihre Version der Geschichte, wie Sie sich kennen lernten?

Barbara Terpoorten: In der Kantine der Schauspielschule.
Siegfried Terpoorten: Ein Freund hat uns verkuppelt.
Barbara: Es war Liebe auf den ersten Blick. Oder?
Siegfried: Ganz klar.

Wie merkten Sie, dass es wirklich Liebe ist?

Barbara: Ich durfte seine elektrische Zahnbürste benutzen.
Siegfried: Ich durfte ihr einen ­E-Mail-Account erstellen.
Barbara: Im Internetcafé am Stauffacher. Das Einwählen dauerte ewig. Da gab es diese lustige rausch-pieps-diphton Melodie!

Ist es einfacher oder schwieriger mit dem Partner auf der gleichen Bühne zu stehen?

Barbara: Also einfacher ist es, zusammen vor der Kamera zu stehen.
Siegfried: Ja, zusammen sechs Wochen auf der Bühne zu proben, kann schon sehr anstrengend werden. Aber zusammen entwickeln und inszenieren passt.

Lassen Sie sich von Ihrer Theaterarbeit auch für Ihre Beziehung inspirieren und umgekehrt?

Siegfried: Nein. Bei «Chez Roswitha» hat eher unsere Herkunft eine Rolle gespielt.
Barbara: Ja. Ein Deutscher will in einem Walliser Skigebiet investieren und trifft auf die Wirtin Roswitha. Das birgt viel Konfliktpotenzial, aber auch sehr viel Komik.
Siegfried: Man könnte sagen, Humor verbindet uns und unsere Arbeit.

Sie sind beide starke, eigenständige Persönlichkeiten. Ist eine Künstlerbeziehung wie in Ihrem Fall mit besonderen Herausforderungen konfrontiert?

Siegfried: Ich glaube, es gibt keine Unterschiede ob Künstler oder Nichtkünstler. Wenn man in der gleichen Branche arbeitet, hat man sicher mehr Verständnis für die Sache. Vor einer Premiere ist man vielleicht etwas gereizter. Da ist es wichtig, dass man dem anderen den Raum und die Ruhe geben kann.
Barbara: Oder rein organisatorisch: Es kann sein, dass er zwei Tage später heimkommt als geplant, weil Drehtage verschoben wurden. Da braucht es von allen grosse Flexibilität, auch von unserem Umfeld.

Wann ist der Gleichklang der Seelen bei Ihnen mal gestört?

Barbara: Wenn ich Hunger habe.
Siegfried: Wenn sie Hunger hat!

Wie wichtig ist es Ihnen, dass der Partner im Publikum sitzt respektive dass Sie als Partner den Film anschauen?

Barbara: Es ist schon wichtig, dass er mein Tun und Schaffen gut findet. Damit meine ich meine Texte oder mein Spiel. Wenn er im Publikum lacht, bin ich zufrieden.
Siegfried: Auch in unserem Beruf gibt es Dinge, die man weniger gern macht, da muss man sich gegenseitig unterstützen und manchmal auch motivieren.

An welchen Ort in Zürich gehen Sie besonders gern mit Ihrem Partner?

Siegfried: Es gibt keinen bestimmten Ort. Mal ist es eine urbane Wanderung, mal unser Schrebergarten, mal das Kulturhaus Kosmos an der Ecke Europaallee/Langstrasse.
Barbara: Ja, da kann man Kaffee trinken, lesen und muss nicht reden.
Siegfried: Genau, nicht reden . . .

Hand aufs Herz: Welchen Anteil an Ihren privaten Gesprächen nimmt Klatsch über die Künstlerszene ein?

Barbara: Na ja, man muss ja Dinge verarbeiten können, und zusammen macht es mehr Spass. Ob das jetzt Klatsch ist oder persönliche Befindlichkeiten sind, sei dahingestellt.
Siegfried: Die Kommentare unserer Kinder sind oft sehr nüchtern und pragmatisch.
Barbara: Und deshalb ist es nicht so einfach, wenn wir sechs Wochen zusammen auf der Bühne stehen, weil man dann nicht über den anderen jammern kann! Oder?
Siegfried: Genau. 

Wer von Ihnen hat zuletzt eine Liebeserklärung gemacht?

Barbara: Das weiss ich gar nicht.
Siegfried: Ich bin mehr für Taten als für Worte!

Hat Ihr Partner Sie schon einmal vor einem grösseren Fehler bewahrt?

Barbara: Vor kleineren sicher . . .
Siegfried: Aber grosse? Das ist mir nicht bewusst.
Barbara: Mir auch nicht.

Was möchten Sie unbedingt noch miteinander erleben?

Barbara: Vieles!
Siegfried: Das Alter!

Persönlich: Barbara und Siegfried Terpoorten

Barbara Terpoorten, geboren 1974, absolvierte ihre Ausbildung zur Schauspielerin an der Schauspielakademie Zürich, danach hatte sie zahlreiche Engagements in deutschsprachigen Theatern und war Mitglied der Künstlergruppe 400asa. 2010 gründete sie die Theatergruppe Sempione Productions mit. Nationale Bekanntheit erlangte sie durch die Erfolgsserie «Der Bestatter», in der sie die Kommissarin Anna-Maria Giovanoli verkörperte. Dafür erhielt sie 2014 den Schweizer Fernsehpreis für die beste Hauptrolle.

Siegfried Terpoorten, 1971 in München geboren, absolvierte nach seiner Ausbildung zum Elektroniker die Hochschule für Musik und Theater Hamburg und die Otto-Falkenbergschule in München. Er wirkte in zahlreichen Filmen mit, unter anderen in «Schuh des Manitu», «Tatort» und als Kommissar in der Fernsehreihe «Stadt, Land, Mord». In der TV-Serie «Der Bestatter» verkörperte er die Rolle des Psychiaters Krafft.

Siegfried und Barbara Terpoorten sind seit 2001 miteinander verheiratet und leben mit ihren beiden Kindern in Zürich. Das Paar stand mehrmals gemeinsam vor der Kamera und inszeniert zusammen Theaterstücke. Für das Singspiel «Chez Roswitha», das am 30. und 31. Oktober im Miller’s aufgeführt wird, entwickelte das Paar zusammen die Idee, sie schrieb den Text, er führt Regie zusammen mit Philipp Stengele, sie spielt die Hauptrolle.

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