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Interview

Roger Köppel: «Um den Ausverkauf der Schweiz an die EU zu stoppen, muss man nach Bern gehen und sich ins Getümmel stürzen». Bild: Nicolas Y. Aebi

«Nur abstimmen und Artikel schreiben reicht nicht»

Von: Sacha Beuth

12. Januar 2016

Als Neuling auf der Politbühne hat es «Weltwoche»-Herausgeber Roger Köppel (50) bei den letzten Wahlen überraschend deutlich in den Nationalrat geschafft – und gleich für viel Wirbel gesorgt. Dem «Tagblatt» erzählt der SVP-Politiker, warum und wie er sich für Zürich und die Schweiz einsetzt.

Roger Köppel, seit rund zwei Monaten sind Sie nun im Nationalrat tätig. Entspricht die Funktion dem, was Sie sich von ihr versprochen haben?

Grundsätzlich ja. Aber das spielt für mich eine untergeordnete Rolle. Ich bin nicht wegen persönlicher Ambitionen oder weil ich eine neue Herausforderung suchte, in die Politik gegangen, sondern weil ich mich stärker für die Schweiz einsetzen will. Ich kam zur Erkenntnis, dass es dafür einfach nicht reicht, nur abzustimmen und Artikel zu schreiben. Um den ­Ausverkauf der Schweiz an die EU zu stoppen, muss man nach Bern gehen und sich ins Getümmel ­stürzen.

In der kurzen Zeit haben Sie nicht nur bei anderen Parteien, sondern auch innerhalb der SVP – Stichwort Weissweinfraktion – für rote Köpfe gesorgt. Haben Sie keine Angst, im Nationalrat isoliert zu werden?

Nein. Es ist gerade die Stärke der SVP, dass kritische Meinungen nicht unterdrückt werden. Das gilt auch für meine Kritik, dass sich die Bundesräte unserer Partei nicht um das Justizdepartement bemüht haben. Allerdings muss der Kritiker auch ein entsprechendes Echo aushalten können. Entscheidend ist das Motiv der Kritik: Will man sich nur wichtig machen, oder geht es um die Sache?

Mehrere SVP-Politiker kritisieren Ihr Doppelmandat als Nationalrat und «Weltwoche»-Herausgeber. Was, wenn die Parteispitze Sie auffordert, auf eine dieser Funktionen zu verzichten?

Ist das so? Das erlebe ich ganz anders. Es spricht für die SVP, dass sie einen kritischen, unabhängigen Journalisten wie mich so offen aufnimmt.

Während der Abschiedsrede von Eveline Widmer-Schlumpf waren Sie mit Ihrem Notebook ­beschäftigt, was von vielen als Affront empfunden wurde. Verraten Sie uns doch, was gab es so Wichtiges zu erledigen?

Ich musste noch einen aktuellen Artikel fertigschreiben.

Sie setzten und setzen sich immer für weniger Staat und weniger Subventionen ein. Warum haben Sie der Erhöhung der Subventionen beim Export der landwirtschaftlichen Produkte zugestimmt?

Der Staat wächst und wächst. Die Landwirtschaft und die Armee sind die Ressorts, in denen die Ausgaben konstant bleiben oder zurückgehen. Ich bin für die Landwirtschaft, die ohne Unterstützung nicht bestehen könnte. Es wäre unverhältnismässig gewesen, der Landwirtschaft die bereits ­versprochenen Zuschüsse zu streichen.

Eine weitere Diskrepanz fällt in Sachen Asylwesen auf. Wie passt Ihre harte Haltung mit dem Umstand zusammen, dass Ihre Frau selbst eine ehemalige Asylantin ist?

Das ist keine Diskrepanz. Ich bin dafür, dass echte Flüchtlinge, die an Leib und Leben bedroht sind, Schutz bekommen. Auf der Asylschiene kommen leider immer mehr Leute nach Europa und in die die Schweiz, die nicht asylberechtigt sind. Bundes­rätin Sommarugas Asyldepartement winkt viel zu viele Asylmissbraucher durch. In der Folge steigen Kriminalität und sozialer Unfriede. Gegen die Ausländerkriminalität richtet sich die Durchsetzungsinitiative; gegen den Asylmissbrauch das Asylreferendum der SVP.

Was sind als Vertreter Zürichs im Nationalrat Ihre wichtigsten Ziele bzw. für welche Interessen von Stadt und Kanton gilt es, sich besonders einzusetzen?

Die Zuwanderung zu begrenzen und die Unabhängigkeit insbesondere gegenüber der EU zu bewahren. Die politische Unabhängigkeit, unsere direkte De- mokratie, das sind Faktoren, die die Stärke der Schweiz und gerade auch von Zürich als Wirtschaftsmotor auszeichnen. Diesen Umstand nehmen viele gar nicht ­richtig wahr. Man schielt auf das Ausland, dabei ist die Schweiz das Zukunftsmodell.

Liest man sich durch Ihre Vita, hat man das Gefühl, einer Verwandlung vom linksorientierten Journalisten zum stramm rechten Unternehmer beizuwohnen. Was ist die Ursache für diesen Wandel?

Einen Bruch gab es nie, aber das publizistische Engagement für die Schweiz wurde immer wichtiger. Heute setze ich mich mit aller Kraft dafür ein, dass die Schweiz unabhängig bleibt und der EU nicht beitritt.

Bleibt bei so viel Engagement noch Zeit für andere Dinge?

Sport ist mir wichtig, sonst werde ich unruhig. Dann versuche ich, möglichst viel Zeit mit der Familie zu verbringen. Mit meinen drei Kindern zusammen zu sein, begeistert mich – und erhält die ­Jugendlichkeit.

Zur Person

Roger Jürg Köppel kam am 21. März 1965 in Zürich zur Welt. Seine journalistische Laufbahn begann er 1988 bei der NZZ, für die er 7 Jahre in diversen Ressorts tätig war. Nach einem Wechsel zum «Tages-Anzeiger» und dem Abschluss seines Studiums in Politischer Philosophie und Wirtschaftsgeschichte wechselte er im Juni 2001 zur «Weltwoche», um dort das Amt des Chefredaktors zu übernehmen. Im Frühjahr 2004 zog es Köppel in gleicher Funktion zur deutschen Zeitung «Die Welt», doch kehrte er bereits Ende 2006 wieder zur «Weltwoche» zurück, wo er seither als Chefredaktor und Verleger die Geschicke des Blattes bestimmt.

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Leserkommentare

Miro Steiner - von links nach rechts gewechselt? Keine Antwort ist auch eine Antwort...

Vor 3 Jahren 10 Monaten  · 
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walter e. spörri - Herr Steiner,Wo wird zu rechts gewechselt. Und wo ist keine Antwort

Vor 3 Jahren 10 Monaten  · 
Noch nicht bewertet.