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Lifestyle

Bild: Zoo Zürich, Enzo Franchini

Charaktervogel mit Bodenhaftung

Von: Alex Rübel

15. Juli 2019

Zoo intern: Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues oder Wissens­wertes aus dem Tiergarten. Heute geht es über den Laufvogel Emu.

Laufvögel sind ungewöhnlich. Grundsätzlich sind Vögel Flugwesen, und alle ihre Eigenschaften sind darauf ausgelegt, die Luft zu beherrschen. Lauf­vögel hingegen können nicht fliegen. Sie sind evolutionsgeschichtlich relativ alt. Schon früh haben sich bei ihnen die Flügel und das Brustbein zurückgebildet. Dafür wurden die Vögel zunehmend schwerer und ihre Beinknochen kräftiger. Letztere sind, im Gegensatz zu den Knochen anderer Vögel, bis auf den Oberschenkelknochen auch nicht mehr mit Luft gefüllt. Wie kräftig die Beine grosser Laufvögel werden können, können Sie eindrücklich am Modell des Madagaskarstrausses im Informationszentrum des Masoala-Regenwaldes sehen. Ein Vertreter der Laufvögel ist bei uns in der für die Besucher begehbaren Australien-Aussenanlage zu Hause: der Grosse Emu.

Emus besiedeln weite Teile Australiens. Sie kommen mit ganz unterschiedlichen Lebensräumen zurecht: lichte Wälder, offene Graslandschaften oder Farmland, sowohl sehr trockene Gebiete als auch Feuchtgebiete und von der Küstenregion bis hinauf in die höheren Lagen der höchsten Berge. Der Grosse Emu ist ein stattlicher Vogel: 30–45 kg schwer und mit dem Kopf durchaus auf Augenhöhe eines erwachsenen Menschen. Emus können bis zu 20 Jahre alt werden. Die Fort­pflan­­zungs­­­­­­­­­zeit ist von Dezember bis April. Die Henne beginnt das Balzspiel mit knatternden Lauten und macht die Hähne auf sich aufmerksam. Ein Tanz beginnt, bei dem das Paar die Hälse gegeneinander über dem Boden schwingt, bis sich die Henne schliesslich auf den Boden legt und vom Hahn unter Schnurren und Quieken begattet wird. Die Brut und die Jungenaufzucht sind dann Männersache.

Der Hahn brütet die Eier in einem wenig kunstvoll eingerichteten Nest alleine aus und führt anschliessend die Jungen. Die Brutzeit dauert normalerweise 56 Tage, kann aber auch etwas länger dauern, je nachdem, wie intensiv der Hahn brütet. Zusammen mit einem Känguru tritt der Emu als Schildhalter im australischen Wappen auf. Trotz dieser Ehre wurde und wird der Charaktervogel vom Menschen arg bedrängt. Während Jahrhunderten jagten die Einheimischen den Emu als Fleischquelle und setzten dabei den sogenannten «Emu-Caller» ein. Dieser ist eine Kurzversion des Didgeridoo, des traditionellen Musikinstruments der Aborigines. Der «Emu-Caller» erzeugt einen Emu-ähnlichen Ton. Mit ihm wurden die von Natur aus neugierigen Vögel aus dem Busch gelockt. Die Schafhalter Australiens wiederum sehen im Emu bis heute einen grossen Konkurrenten, der ihren Nutztieren Wasser wegtrinkt, Gras, Kräuter und Körner wegfrisst und Weizenfelder zertrampelt.

Vogel Strauss ab 2020

Der Emu ist aktuell der zweitgrösste Vogel weltweit. Noch grösser ist nur der Afrikanische Strauss. Diese Tierart ist zurzeit nicht im Zoo Zürich zu sehen, doch sie kehrt auf den Zürichberg zurück: In der neuen, ab Ostern 2020 eröffneten Lewa-Savanne werden auch Strausse leben. www.zoo.ch/lewa

 

 

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