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Lifestyle

Pioniere im Online-Weinhandel: Renzo Schweri (l.) und Dominic Blaesi, die Gründer von Flaschenpost. Bild: PD

Der gute Tropfen aus dem Internet

Von: Isabella Seemann

23. Oktober 2013

Dominic Blaesi und Renzo Schweri revolutionieren den traditionellen Weinhandel mit ihrem Onlineshop ­Flaschenpost. Ihr Geheimnis: Gemeinschaft, Enthusiasmus und harte Arbeit.

Es herrscht kein Mangel an Weinshops im Internet. Jede Weinhandlung offeriert ihre Weine online, ebenso Produzenten und gar Sommeliers. Sich in diesem Weindschungel zurechtzufinden, fällt selbst ausgewiesenen Fachleuten nicht leicht, Laien sind meist hoffnungslos überfordert. «Das muss doch einfacher gehen», sagten sich die beiden Weinliebhaber Dominic Blaesi und Renzo Schweri, «und auch schneller.» Gesagt, getan. Mit viel Begeisterung, noch mehr Naivität, einem alten Mercedes und 30 000 Franken Startkapital gründeten sie 2007, nach ihrem Ökonomiestudium an der Universität Zürich, das Start-up-Unternehmen Flaschenpost.

Aller Anfang ist schwer

Der Beginn verlief harzig für die zwei Branchenneulinge. «Wir arbeiteten nach dem Prinzip Versuch und Irrtum», erzählt Renzo Schweri; er erinnerte sich in den zähen Stunden an seinen Grossvater Karl Schweri, der Denner zum führenden Discounter der Schweiz gemacht hatte. «Eine gute Idee ist Voraussetzung für Erfolg, 99 Prozent aber sind harte Arbeit», ergänzt Dominic Blaesi. «Man rennt einen Marathon, und danach hängt man gleich noch einen dran.» Es wird schnell klar, dass es die beiden Jung­unternehmer ernst meinen mit den alten Werten Fleiss, Verantwortung und Verlässlichkeit.

Inzwischen besitzen die zwei Zürcher den führenden Online-Weinversand der Schweiz, der bietet, was sie im Internet vermisst haben. Nicht nur einen Ort, wo man genau das findet, was man sucht – sei es nun ein Alltagswein für 9 Franken oder eine Magnumflasche Château Cheval Blanc für 1000 Franken. Sondern auch einen Ort, wo der Einkauf unkompliziert, die Ware einwandfrei, die Preise transparent sind. Ob nur eine Flasche oder Dutzende Kisten aus verschiedenen Weinhandlungen – mit einer einzigen Lieferung kommt die Ware kostenlos per Kurier nach Hause.

Weinhandlung ohne Regale

Auf 15 000 Flaschen aus 25 Ländern von rund 70 Weinhändlern haben sie Zugriff – und somit «den grössten Weinkeller der Schweiz». Wenn auch nur virtuell. Ihr Firmensitz auf dem Areal der ehemaligen Hürlimann-Brauerei gleicht eher einem Kreativatelier als einer Weinhandlung. Es gibt keine Flaschenregale, keine Degustations­gläser, keine Verkäufer mit schwarzer Schürze. Und auch mit den charakteristischen rumgrantelnden, weisshaarigen Weinconnaisseuren haben die zwei wenig gemein. Dominic Blaesi, 33, und Renzo Schweri, 34, sympathisch, gut gelaunt, in Jeans und Karohemd, könnten auch als Mitarbeiter von Google durchgehen, das sich gerade vis-à-vis ihres Büros befindet.

Tatsächlich revolutionieren die beiden mit pfiffigen Innovationen den traditionellen Weinhandel. Der neuste Coup: eine WeinetikettenerkennungsApplikation. Sie kommt beispielsweise zum Einsatz, wenn man in einem Restaurant gerade den besten Rotwein seines Lebens getrunken oder von Freunden ein seltenes Gewächs geschenkt bekommen hat und man ein paar Flaschen davon bestellen möchte. Und das geht so: Man lädt die App «Flaschenpost» gratis im iTunes-Shop herunter, fotografiert die Weinetikette, und die App durchsucht sofort die ­Datenbank; Qualität, Herkunft, Ranking und sogar das passende Essen werden übersichtlich präsentiert und abgespeichert. So dient die App auch als Gedächtnisstütze, und man kann sich die Flasche direkt nach Hause bestellen.

Von der Anonymität, die von E-Commerce-Unternehmen ausgeht, ist bei den beiden Jungunternehmern freilich nichts zu spüren. Bei Fragen oder Problemen sind sie persönlich ansprechbar – wie beim traditionellen Händler. Und selbstredend legen sie dem neugierigen Weinkunden auch gleich eine persönliche Empfehlung für einen ­gemütlichen Herbstabend ans Herz: Antídoto von Hernando y Sourdais aus Spanien. «Ein perfektes Gegenmittel zu grauen Novembertagen.»

www.flaschenpost.ch

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