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Lifestyle

Ein Loch im Herzen

Von: Rita Angelone

05. November 2013

Der Vorfall letzte Woche mit dem Loch im Kopf unseres Kleinen hat viele Rückmeldungen ausgelöst: Einerseits scheint ein solcher Unfall – so banal er sachlich betrachtet auch sein mag – doch nicht alltäglich, und viele Eltern sind noch nicht in den «Genuss» eines solchen Schocks gekommen, andererseits haben nicht wenige Eltern wieder einmal über den Sinn des Lebens sinniert.

Eine Rückmeldung hat mich besonders beschäftigt, da sie auf den Punkt bringt, wie sich berufstätige Mütter fühlen können: «Ganz ehrlich, Rita, ich hätte mir für meine Tochter viel lieber ein Loch im Kopf gewünscht als das, was ich ihr angetan habe», sagte sie mir. Ich sei ja immerhin nicht schuld am Loch. Sie aber sei schuldig, dass sie ihre Tochter so enttäuscht habe, weil sie sich nur um ihre Arbeitstermine gekümmert und dabei das so geliebte Fussballtraining ihres Mädchens einfach vergessen habe. Das traurige, enttäuschte, gottserbärmliche Weinen der Kleinen liege ihr jetzt noch in den Ohren. Die Schuldgefühle, dieses Highlight einfach vergessen zu haben, weil sie sich mit ihren eigenen geschäftlichen Terminen herumgeschlagen habe, seien kaum auszuhalten. Da sei mein Kummer um dieses Loch ehrlich gesagt nichts dagegen.

Für ein schicksalhaftes Loch im Kopf müsste ich mir tatsächlich keine Vorwürfe machen. Im Gegenteil: Diesen Vorfall werde ich künftig sogar als Ass im Ärmel immer wieder ins Feld führen können, wenn ich die Buben zähmen muss. Doch dieses blöde Loch beschäftigt mich immer noch und löst auch bei mir trotz allem Schuldgefühle aus. Wäre ich an diesem Montag nicht zur Arbeit gegangen, wäre ich nicht berufstätig und folglich zu Hause geblieben, so hätte unser Kleiner den Hort nicht besucht und sich da den Grind auch nicht aufschlagen können.

Dies hätte auch zu Hause passieren können? Ja, Sie haben recht. Aber Sie wissen auch, wie das ist mit dem schlechten Gewissen. Gerade als Mutter, und erst recht als berufstätige. 

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Leserkommentare

Nicole Bertsch - Auch hier mal wieder "mein" Thema - warum reden wir nur immer vom schlechten Gewissen der Mütter und nie von demjenigen der Väter ???
Wir Eltern tun das Beste für unsere Kinder - und wir können sie nicht 7x24 Stunden vor allem Unheil beschützen
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Vor 6 Jahren 6 Monaten  · 
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Rita Angelone - Liebe Nicole, ja, das stimmt. Ich muss vielleicht einmal eine Umfrage machen, ob es auch Männer gibt, die ein schlechtes Gewissen haben. Mal sehen, wie der Rücklauf ist.

Vor 6 Jahren 6 Monaten  · 
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Matthias Baur - Unser grössere hat einen Velounfall “produziert”, mit der Mutter zu Hause…. Und dann erreicht Vater, aus dem Büro kommend, eben in den Notfall des Kispis…. Und trifft auf: Rita Angelone! Und den eigenen Sohn natürlich … Rita Angelone ist gerade
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Vor 6 Jahren 6 Monaten  · 
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