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Lifestyle

Sie gibt ihm vor dem Ausgang ein Telefon - der Deutsche wundert sich. Bild: TS

Gleiches Wort, andere Bedeutung

Von: Tanja Selmer

21. März 2013

Verstehen Deutsche und Schweizer sich, wenn sie miteinander reden? Eigentlich schon, wenn man ein paar Unterschiede beachtet.

Haben Sie schon einmal ein Haustier versorgt? Falls Sie denken, «Wie herzlos!», sind Sie womöglich Schweizer, und versorgen heisst für Sie wegräumen. Umgekehrt scheint es manch Deutschem vielleicht zu wenig, nur zu jemandem zu schauen, der in seiner Obhut ist. Dabei kümmern sich doch beide, auch wenn sie das anders nennen.

Grund für Missverständnisse sind kleine Bedeutungsverschiebungen zwischen den Ausdrucksweisen dies- und jenseits der Grenze. Die Übergänge sind dabei natürlich fliessend. So machen Schweizer Kinder auch nicht mehr Lärm als deutsche, nur sprachlich brüllen (brüeled) sie eben schon – was in Deutschland schreien bedeutet – wenn die deutschen vielleicht noch weinen.

Nach meinem Zügeln in die Schweiz – ich bin umgezogen, ohne den Zug zu nehmen und ohne mich umzuziehen – habe ich mich mit allerlei lustigen Vögeln angefreundet. Da waren als erstes die Finken, die die Schweizer an den Füssen tragen, das sind nämlich die Hausschuhe. Andere Vögel werden dafür gegessen, Fleischvögel zum Beispiel, die man bei mir Rouladen nennt. In die Suppe geworfen wird hier der Spatz. Das ist keine Tierquälerei, sondern ein kleines Stück Fleisch – für den Spatzenhunger sozusagen. Kochen kann man diese Suppe in der Schweiz wunderbar in einer Pfanne, in Deutschland wäre die zu flach, dort gibt es dafür einen Topf. Gehe ich zum Einkaufen, nehme ich hier jetzt einen Sack mit. Nicht etwa, weil ich nur noch Grosseinkäufe mache, sondern weil der Sack eben die schweizerische Tüte oder Tasche ist. Daher gibt es hier auch das Sackmesser. Und in deutschen Ohren klingt es, als wären Schweizer Kinder reicher, weil sie Sackgeld bekommen und die deutschen bloss Taschengeld. Erstaunt war ich anfangs auch, dass Schweizer, ohne mit der Wimper zu zucken, eine ganze Peperoni verspeisen können. Doch sind hier damit die deutlich weniger scharfen Paprika gemeint.

Vielleicht ist es für Schweizer wiederum erstaunlich, wie oft wir unsere Autos in der Garage park(ier)en. Das liegt daran, dass bei uns damit nur der Abstellplatz, nicht aber die Werkstatt gemeint ist. Lustig kann es auch werden, wenn es ums Abmachen/Verabreden geht. Dann gibt mir (...) meine Schweizer Freundin immer (...) ein Telefon, obwohl ich doch selbst eines habe. Sie will mich eben anrufen. Denn am Abend wollen wir in den Ausgang. Nicht, um dann in der Tür zu stehen, sondern uns zieht es in die Kneipe oder Beiz. Die Stange, die wir hier bestellen, versteht man in Deutschland nur im Kölner Raum, lieber bestellt man sonst einfach ein Bier. Jetzt können wir gemütlich klönen – auf gut norddeutsch plaudern, nicht etwa jammern (chlööne). Was für ein Puff, könnte man meinen, also natürlich ein Durcheinander und kein Bordell. Um sich dennoch all diese Dinge zu merken, machen Sie doch einen Knopf in ein Tuch. Und wenn Ihnen das nun zu bunt wird, machen Sie halt einfach einen Knoten.

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