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Lifestyle

Freddy Burger und Sammy Davis Jr. (r.)

"Im Mascotte tanzten die ersten Go-go-Girls in Vogelkäfigen"

Von: Ginger Hebel

12. Januar 2016

Mascotte: Der bekannte Zürcher Nachtclub beim Bellevue feiert heute sein 100-Jahr-Jubiläum. Freddy Burger über sein Mascotte von damals und Alfonso Siegrist über sein Mascotte von heute.

«Das Mascotte ist wie ein roter Faden, der sich durch mein Leben zieht», sagt Event-Veranstalter Freddy Burger. In den Siebzigerjahren führte er das Mascotte im Corso-Gebäude beim Bellevue zusammen mit Udo Jürgens und Pepe Lienhard. Burger erinnert sich noch haargenau an die damaligen Zeiten, schön und verrückt seien sie gewesen. «Hier tanzten die ersten Go-go-Girls in Vogelkäfigen, so etwas hatte man bis dahin in der Schweiz noch nie gesehen.» Auch der erste Männerstrip ging im Mascotte über die Bühne, er wurde jedoch nach drei Tagen verboten. In den Fünfziger- und Sechzigerjahren waren hier täglich Livebands zu Gast, «Josephine Baker trat über Wochen hier auf», erzählt Burger. Auch Pepe Lienhard hatte mit seiner Big Band im Mascotte den ersten öffentlichen Auftritt. In den Achtzigern gehörte es zur beliebtesten Disco der Stadt, bekannte DJs legten auf, und Stars aus dem In- und Ausland feierten im Club die Nächte durch. Auch für die Zirkusfamilie Knie war das Mascotte wie ein zweites Zuhause. «Sie kamen immer nach der Vorstellung auf einen Sprung vorbei und brachten oft sogar die Affen mit. Einmal schickten sie uns einen kleinen Elefanten im Warenlift hoch», erinnert sich Freddy Burger. Unvergessen bleibt ihm der Auftritt von Sammy Davis Jr.; wie er mit Pepe Lienhard auf der Bühne Alphorn blies.

Doch die Zeiten des Mascotte waren nicht immer glorreich. Mit der wachsenden Konkurrenz konnte der Club irgendwann nicht mehr mithalten. Das 1995 eröffnete Café Grössenwahn war zwar erfolgreich, aber kurzlebig, der Club Paradise weniger erfolgreich und noch kurzlebiger. 2004 holte sich Freddy Burger, der bis heute mit 50 Prozent Mitbesitzer des Mascotte ist, sechs Freunde ins Boot, darunter den erfahrenen Partyveranstalter Alfonso Siegrist, der heute für das Programm und das Booking der Stars zuständig ist. Von Pete Dohertys Babyshambles über die Toten Hosen bis zu Arcade Fire und Florence and the Machine hat er viele Topacts ins Mascotte gebracht. «Vor zwölf Jahren war die Gegend rund ums Bellevue tot, alles konzentrierte sich auf den Escherwyss-Platz. Man riet uns davon ab, das Mascotte zu führen», erzählt Alfonso Siegrist. Gewagt haben sie es trotzdem und sind heute sehr froh darüber, denn der Laden läuft gut.

Wie erklärt sich Siegrist den Erfolg seines Clubs? «Es liegt sicher auch am Lokal, es gibt hier grosse Fenster, es ist kein dunkles Loch, das schätzen besonders die Frauen.» Auch das Konzept hat sich bewährt. Gespielt werden unterschiedliche Musikrichtungen, von R ’n’ B, Hip-Hop und House bis zu Open Format und Latin. Neu findet jeden zweiten Sonntag im Monat eine House-Day-Party statt. Auch künftig sollen hier Konzerte über die Bühne gehen. «Kultur ist für uns äusserst wichtig», sagt Siegrist. Heute Abend feiert das Mascotte sein 100-Jahr-Jubiläum mit geladenen Gästen. Pepe Lienhard wird auftreten und Freddy Burger eine Rede halten. Gefeiert wird wie anno 1916, als das Mascotte noch Palais Mascotte hiess und ein vornehmes Lokal mit feenhafter Beleuchtung war, wo Spitzentanz vorgeführt wurde, man sich an der American-Bar einen Gin genehmigte und sich beim 5 o’clock Tea in die Zebra-Sessel fläzte.

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