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Lifestyle

Rita Angelone (46) hat zwei Kinder (8½ und 6½) und schreibt jede Woche über den ganz normalen Wahnsinn ihres Familienalltags.

In die Luft gehen

Von: Rita Angelone

09. September 2014

«Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein, alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen, und dann würde, was uns gross und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein.»

Nicht alle Fliegenden würden die Zeilen aus Reinhard Meys Hit unterschreiben, besonders dann, wenn sie das grösste Pech ereilt, neben einem kleinen Schreihals sitzen zu müssen. Statt alle Alltagssörgeli zu vergessen, geht manch einer dann auch im übertragenen Sinn in die Luft und verdreht die Werteskala zwischen «gross und wichtig» und «klein und nichtig» und konzentriert sich nur noch auf dieses Gebrüll, das folglich tatsächlich bis ins Unerträgliche an Bedeutung gewinnt: «Wieso dürfen egoistische Eltern ihre unerzogene Brut mit auf Flugreisen nehmen?», so die Frage, die ihr Hirn zermartert.

Wohlgemerkt: Mich nerven brüllende Kinder auch – meine eigenen oder fremde, mit welchen ich mitunter dann in Berührung komme, wenn ich kinderfrei hätte. Ich habe also ein gewisses Verständnis für den Unmut vieler – meist kinderloser – Fluggäste. Dennoch vertrete ich die «andere» Seite. Nicht, um mich zu rechtfertigen, denn wir sind mit unseren Jungs bis heute nicht geflogen. Seit wir Kinder haben, sind wir auch zu zweit nicht mehr geflogen, da wir Ferien seither anders werten. Ausserdem hätten es unsere Buben lange nicht ertragen, und wir hätten damit niemandem einen Gefallen gemacht. Die «andere» Seite vertrete ich, weil Kinder heute überall nerven – im Bus, im Laden, im Restaurant und sogar in der Kirche. Egal, wo: Kinder stellen einen idealen Blitzableiter dar für viel persönliches Frustpotenzial, das manch einer mit sich herumträgt. Und sind keine nervenden Kinder da, findet man in einem Flieger bestimmt pöbelnde Teenies, arrogante Geschäftsherren, korpulente oder transpirierende Reisende oder aber unverfrorene Gäste, die ihre Rückenlehnen zurückklappen.

Für die Handgreiflichkeiten neulich in amerikanischen Fliegern waren jedensfalls  k e i n e  Kinder schuld.

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Leserkommentare

Nicole Bertsch - Wir sind mit unseren Kids (7 und 4,5) schon oft geflogen. Wir alle vier lieben es - und ich sehe nicht ein, dass wir darauf verzichten sollten. Auch nicht auf Restaurantbesuche, auch wenn die im Gegensatz zu Flugreisen nicht immer ganz ruhig verlaufen.
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