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Lifestyle

Feiner Käse aus Obwalden: Scharfer Teufel, Seiler Grotto, Sarnerli, Fluonalp-Alpkäse, Lungerer Bergkäse und Jakobsweg (v. l. im Uhrzeigersinn).

Obwaldner Spezialitäten: Rauchig und urchig

Von: Sacha Beuth

10. April 2014

Der diesjährige Gastkanton glänzt mit einigen aussergewöhnlichen kulinarischen Spezialitäten wie etwa Birähung. Doch auch andere Leckereien machten Eindruck auf die Tester der «Tagblatt»-Redaktion.

Rauchige und rezente Lebensmittel sind nicht jedermanns Sache, zugegeben. Anderseits verleihen Sie einer Speise oft auch ihren unverwechselbaren Geschmack. Genau dies trifft auf die meisten Obwaldner Spezialitäten zu, angefangen bei der wohl aussergewöhnlichsten, dem Birähung. Um diesen zu testen, erwarben wir ein Glas im Huis Ladä an der Grossgasse 3 in Sarnen.

Birähung wird normalerweise aus gut ausgereiften Theilerbirnen hergestellt, deren gesiebter Saft in einem Kupferkessel erhitzt wird. Dabei bildet sich Schaum, der abgeschöpft werden muss, bevor die Masse zu köcheln beginnt. Dann wird die Masse rund sieben Stunden eingekocht, bis sie eine melassenähnliche Konsistenz erreicht hat. Und eigentlich schmeckt Birähung auch mehr nach Melasse als nach Honig. Beim Kosten wurde ihm zudem ein starkes Röstaroma attestiert. Allerdings war man sich einig, dass man ihn nicht jeden Morgen aufs Butterbrot schmieren möchte. A propos Brot.

Das zu backen, verstehen die Obwaldner. Sowohl das Schwandenerbrot wie das Obwaldner Brot vom Beck Berwert in Sarnen gefielen durch ihre krosse Kruste. Ersteres, aus Roggen-, Weizen- und Dinkelmehl gebacken, schmeckte allerdings urchiger und wuchtiger als das nur aus Weizen- und Dinkelmehl hergestellte, dafür etwas luftigere Obwaldner Brot.

In Sachen heimischer Fleischprodukte, so mussten wir mit leiser Enttäuschung feststellen, herrscht in Obwalden nicht gerade Vielfalt. Gerade mal zwei Wurstsorten liessen sich auftreiben. Die aber überzeugten auf der ganzen Linie. Die Ramensberger Huiswurst mit ihrem sehr rauchigen, leicht fruchtigen Geschmack war – Zitat eines Testers – «der Hammer» und darum in sekundenschnelle weggeputzt. Und auch die Giswiler Stockwurst wurde mit Lob überhäuft. Beide Produkte sind übrigens im Huis Ladä in Sarnen erhältlich.

Im Gegensatz zu den Fleischwaren ist die Auswahl bei den Käsesorten – wie es sich für einen Schweizer Bergkanton gehört – wesentlich höher. Man hat sozusagen die Qual der Wahl, den richtig falsch liegt man bei keinem Produkt. Das beste ist unserer Meinung nach der äusserst würzige und rezente Seiler Grotto der Seiler Käserei AG in Sarnen. Ihm wie dem ihm gleichen Betrieb hergestellten milden Sarnerli, einem Rahmweichkäse, merkt man an, dass sie mit viel Hingabe und Liebe zum Detail hergestellt wurden. Das gilt sicher auch für Seilers Scharfen Teufel, der leider optisch mehr versprach, als er hielt. Die Probanden hätten ihn deutlich schärfer und würziger erwartet. Den auch bei uns hinlänglich bekannten Sbrinz zu testen, erschien uns wenig sinnvoll. Stattdessen deckten wir uns in Barmettler’s Chässtübli in Kerns mit drei anderen heimischen Käsesorten ein. Von diesen fand der gerade im Abgang würzige Lungerer Bergkäse am meisten Anklang, gefolgt vom Fluonalp-Alpkäse. Am Jakobsweg schieden sich die Geister hingegen. Die einen fanden ihn nussig und ausgewogen, die anderen langweilig. Einig war man sich allerdings, dass er hervorragend zum Sankt Petrus, 2011 Cabernet Jura, des Rebguts Tellen in Kägiswil, passt. Dieser Rotwein, den es u.a. im Huis Ladä und im Bünten Chäller in Sarnen zu kaufen gibt, überraschte alle positiv mit seinem wunderbaren Bouquet und seiner schönen, blutroten Farbe. Er ist mit 24.50 Franken allerdings auch nicht ganz billig. Der Tellner Solaris 2012 dagegen schmeckte zu süss und es ist uns ein Rätsel, warum dieser Weiswein ausgerechnet am Sechseläuten-Umzug ausgeschenkt werden soll.

Unsere Suche nach heimischer Braukunst war vergeblich. Angeblich soll es ein Engelberger Klosterbräu geben. Doch dieses ist offenbar im herkömlichen Verkauf nicht erhältlich. Dafür glänzt Obwalden mit Süssigkeiten. Angefangen bei den Obwaldner Sennechäppli, leckeren Pralinées mit Caramelfüllung, die es beim Beck Berwert gibt. Aber auch die an Weihnachtsguetzli erinnernden Aelggi-Spitzli und die Nidläzeltli (beide im Huis Ladä zu kaufen) bekamen viel Lob. Letztere erinnerten einen Probanden sogar an die Zeltli, die er in seiner Jugend von seiner Grossmutter erhielt, worauf ihm ein paar Tränen der Wehmut über die Wangen flossen.

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