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Lifestyle

Kein Fischstäbli: Fischotterin Lulu hat sich einen Fisch geschnappt. Bilder: Zoo Zürich / Enzo Franchini

Tieren Tiere füttern

Von: Severin Dressen

27. Oktober 2020

Zoo intern: Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt der Stadt Zürich» über Neues oder Wissenswertes aus dem Tiergarten. In dieser Woche geht es um Futteroptionen für die Fleischfresser im Zoo. 

Wenn es um die Ernährung im Tierreich geht, unterscheidet man grundsätzlich zwischen drei Arten von Tieren: Pflanzenfresser (Herbivore), Fleischfresser (Karnivore) und Allesfresser (Omnivore). Pflanzenfresser ernähren sich von Pflanzen. Fleischfresser fressen andere Tiere resp. tierische Bestandteile. Allesfresser haben beide Optionen offen und können sowohl pflanzliche als auch tierische Kost zu sich nehmen und verdauen. Der Mensch ist ein Beispiel für einen Allesfresser. Unser Gebiss und unser Verdauungstrakt sind so ausgelegt, dass wir uns sowohl von Pflanzen als auch von Tieren ernähren können. Das heisst, unser Körper kann sowohl aus Pflanzen als auch aus tierischen Bestandteilen die für unseren Körper wichtigen Nährstoffe gewinnen. Dadurch stehen uns sehr viele Ernährungsoptionen offen und wir können uns zum Beispiel auch bewusst dafür entscheiden, auf bestimmte Nahrungsmittel zu verzichten, etwa Fleisch.

Pflanzenfresser und Fleischfresser haben diese Möglichkeit nicht. Ihr Gebiss und ihr Verdauungssystem haben sich im Verlauf der Evolution darauf spezialisiert, pflanzliche respektive tierische Kost effizient fressen und verdauen zu können. Einen Elefanten kann man nicht mit Fleisch ernähren; er hat nicht richtigen die Zähne, um das Material zu zerkleinern, und er hat nicht das richtige Verdauungssystem, um das Fleisch zu verwertbaren Nährstoffen zu verarbeiten. Genauso wenig kann man einen Löwen mit Gras ernähren. Sein Körper ist ernährungsphysiologisch nicht dafür ausgelegt. Viele Tierarten im Zoo sind folglich darauf angewiesen, dass sie von uns mit Fleisch (wenn immer möglich das ganze unverarbeitete Tier) oder anderen tierischen Bestandteilen oder Produkten (z.B. Eier) gefüttert werden. Fleischfresser sind dabei nicht nur die grossen Raubkatzen wie Löwe und Tiger, sondern auch viele Vogel- und Reptilienarten.

Pro Jahr verfüttern wir im Zoo rund 12 Tonnen Fleisch, rund 18 Tonnen Fisch und rund 1 Million Insekten wie zum Beispiel Grillen, Mehlwürmer oder Heuschrecken. Dabei versuchen wir, das Fleisch und die Insekten wo immer möglich regional zu beziehen. Meeresfische, wie sie die Pinguine zwingend brauchen, sind MSC-zertifiziert. Und wir verfüttern ab und zu auch eigene Tiere, etwa Antilopen oder Tauben. Im Prinzip sind diese Tiere das nachhaltigste Futter überhaupt für unsere Karnivoren. Wir wissen, woher sie kommen, und dass sie gut gehalten und artgerecht ernährt wurden. Die Tiere werden vor Ort geschlachtet, ohne den Stress eines Schlachthofs. Natürlich ist es auf einer persönlichen Ebene nicht einfach, ein Tier, mit dem man zusammengearbeitet hat, als Futtertier zu verwenden. Das dürfte einem Bauern mit seinen Rindern nicht anders ergehen. Hinsichtlich der Nachhaltigkeit und der Tierfreundlichkeit ist es aber die beste aller Futteroptionen für unsere Karnivoren.

Noch bis am 3. November 2020 machen wir in unseren Zoorestaurants einen Testlauf mit vegetarischen Crispy-Nuggets. Diese könnten künftig die sehr beliebten aber weniger nachhaltigen Chicken-Nuggets in unserer Gastronomie ersetzen. www.zoo.ch/zoonews

 

 

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