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Des Stadtzürchers Zeitung im Wandel der Zeit: Von den «Donnstags-Nachrichten» über «ZürichExpress» bis zum aktuellen «Tagblatt»: SB

288 Jahre alt – jede Woche neu

Von: Sacha Beuth

23. Oktober 2018

TAGBLATT-GESCHICHTE Als älteste Zeitung der Schweiz und eine der ältesten Zeitungen Europas ist das «Tagblatt der Stadt Zürich» untrennbar mit seiner Heimatstadt verbunden. Und wie Zürich selbst hat es seit 1730 einen markanten Wandel mitgemacht. Es passte sein Erscheinungsbild stetig an, drang in den digitalen Raum vor und erlebte mehrere Besitzerwechsel.

Gerne proklamiert ja die NZZ für sich, die älteste heute noch existierende Zeitung der Schweiz zu sein. Doch in Tat und Wahrheit gibt es das «Tagblatt der Stadt Zürich» schon deutlich länger als die «Alte Dame» mit Geburtsjahr 1780. Bereits am 23. Februar 1730 erschien die erste «Tagblatt»-Ausgabe, damals allerdings noch unter dem ­Namen «Donnstags-Nachrichten». Gründer war Hans Jakob Lindinner, der die Zeitung über die im ­selben Jahr ins Leben gerufene «Zürcher Berichtshaus» herausgab, welche ihren Standort am Zwingliplatz beim Grossmünster hatte.

Wochenblatt wird Tagblatt

1781 benannte sich die Zeitung erst in «Donnstags-Blatt» und 1801 in das zweimal wöchentlich erscheinende «Zürcherische Wochenblatt» um. Seinen heutigen Namen erhielt das «Tagblatt» laut Wikipedia 1801. Ab diesem Jahr gab das Berichthaus parallel zum «Zürcherischen Wochenblatt» täglich (einschliesslich sonntags!) ein «Tagblatt der Stadt Zürich» mit der von der Stadtpolizei geführten Fremdenliste heraus. Peu à peu wurden die Aufgaben des «Zürcherischen Wochenblattes» übernommen, worauf dieses ab 1843 nur noch mit zwei Seiten erschien und schliesslich ganz eingestellt wurde.

Der nächste Meilenstein in der Geschichte des «Tagblatts» erfolgte Ende 1863, als mit der Stadt Zürich der erste Amtsblattvertrag abgeschlossen wurde. Rund 100 Jahre später kam es zu einer weiteren markanten Änderung – mit einem äusserst positiven Effekt für die Leserschaft. Weil 1967 die Jean Frey AG die Gratiszeitung «Züri Leu» herausbrachte und für heftige Konkurrenz auf dem lokalen Anzeigenmarkt sorgte, entschloss man sich 1974 auch beim «Tagblatt», auf Gratisverteilung umzustellen. Vier Jahre später verkaufte die Berichthaus AG ihre Mehrheit am «Tagblatt» an die Jean Frey AG, die ihrerseits 1982 im Rahmen des ­sogenannten «Zürcher Pressehandels» eine Mehrheit der Berichthaus AG von 70 Prozent an den «Tages-Anzeiger» weiterverkaufte. Der Stadtrat verlangte darauf eine breitere Trägerschaft, was zur Folge hatte, dass 1984 die Tagblatt AG geschaffen wurde, an der sich der «Tages-Anzeiger» und die NZZ mit je 40 Prozent und die Jean Frey AG mit 20 Prozent beteiligten. Seither überwacht eine neutrale Redaktionskommission mit Einsitz der Stadt den Redaktionskurs und die Einhaltung des Redaktions­statuts. 1991 erwarb Tamedia die Mehrheit an der Tagblatt AG, indem sie der Jean Frey AG ihre ­Anteile abkaufte.

Verzicht auf «Express»

Um den 1999 bzw. 2000 von einem skandinavischen Medienunternehmen lancierten Gratiszeitungen «20 Minuten» und «Metropol» Paroli bieten zu können, wurde das «Tagblatt» von Tamedia und NZZ zum farbigen «ZürichExpress» umgebaut. Zwar gelang es mit diesem Produkt, das weiterhin auch Amtsblatt war, «Metropol» aus dem Markt zu drängen. Gegen «20 Minuten» geriet man jedoch ins Hintertreffen. Darauf drohte die Tamedia, zusammen mit der «Berner Zeitung» eine neue Gratiszeitung mit dem Namen «Express» ins Leben zu rufen und damit einen Verdrängungskampf aufzunehmen. Der «Express» sollte aus dem «ZürichExpress» hervorgehen und das eigentliche «Tagblatt» mit den amtlichen Anzeigen zurückverwandelt und dem «Express» beigelegt werden. Am 21. März 2003, einen Tag vor dem angekündigten Start von «Express», wurde der Tamedia und der «Berner Zeitung» ermöglicht, «20 Minuten» stufenweise aufzukaufen, weshalb auf die Herausgabe des «Express» verzichtet wurde. Mit der Übernahme von «20 Minuten» durch Tamedia erschien ab Mitte 2003 wieder das «Tagblatt der Stadt Zürich» als amtliche Tageszeitung.

Im November 2006 präsentierte sich das «Tagblatt» erstmals im ­modernen Tabloidformat. Zudem wurde die Erscheinungsweise von fünf- auf einmal wöchentlich (­jeweils mittwochs) reduziert. Mit dem am 18. April 2018 erfolgten Verkauf des «Tagblatts» an die Zeitungshaus AG beginnt nun eine neue Ära.

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