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Spannung um die Uetlibergbahn: Die SZU stellen einerseits auf Wechselstrom um und planen andererseits die Verlegung der Haltestelle Friesenberg. Bild: SZU

Anwohner unter Strom

Von: Sacha Beuth

10. Mai 2022

Neben dem Wechsel von Gleich- zu Wechselstrom auf der Uetlibergstrecke streben die SZU zudem eine Verlegung der Haltestelle Friesenberg an. Beide Massnahmen führen bei den Anwohnern des Agnes-Robmann-Weges zu Besorgnis und sogar Widerstand wegen Landnahme und allfälliger Strahlenemissionen. 

Seit einigen Wochen ist man bei der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn SZU daran, ein technisches Relikt zu ersetzen: Wie bei der Sihltalbahn schon länger üblich, wird nun auch die Energieversorgung der Uetlibergbahn (ZVV-Linie S10) von Gleich- auf Wechselstrom umgestellt. Bereits im November 2019 wurde das Bauvorhaben zur öffentlichen Auflage im Amtsblatt des Kantons Zürich ausgeschrieben und die Unterlagen in den jeweiligen Gemeinden zur Einsicht aufgelegt. Das Projekt sei vom Bundesamt für Verkehr BAV genehmigt und rechtzeitig vor der öffentlichen Auflage im Gelände ausgesteckt worden, betont Marco Graf, Leiter Kommunikation und Marketing bei der SZU. «Allerdings erfolgt eine solche Aussteckung nicht wie bei Hochbauten mit Visierstangen, sondern mit Holzpflöcken oder Markierungen am Boden mit Sprayfarbe.» Auch weist Graf darauf hin, dass die direkt von notwenigen Massnahmen (z.B. Land- oder Rechtserwerb) betroffenen Anwohnenden persönlich informiert worden seien.

Trotzdem regt sich nun laut einem Online-Artikel des Quartiervereins Wiedikon Ärger und Verwunderung unter den Anwohnern der Strecke, namentlich des davon stark betroffenen Agnes-Robmann-Weges. Einerseits, weil man nicht oder nur ungenügend über das Projekt informiert worden sei. Andererseits, weil man wegen der neuen Strommasten eine verstärkte Strahlenemission befürchtet. Hier meint Graf, dass die SZU grossen Wert auf die proaktive und transparente Kommunikation lege und deshalb mit allen von Massnahmen betroffenen Anwohnenden seit geraumer Zeit im Austausch stehe.

Jost Wirz, Bewohner der Gehrenholz-Siedlung, bestätigt zwar die öffentliche Auflage des Projekts. «Doch die gesprayten Markierungen wurden erst vor ein bis zwei Monaten angebracht und wir mussten erst Nachfragen, was die Farben bedeuten.» Wirz vermutet, dass man das Projekt einfach «durchflutschen» lassen und möglichst wenig Aufsehen erregen wollte. Als Grund vermutet er eine erhöhte Belastung durch elektromagnetische (genauer: nicht ionisierende) Strahlung, die der Stromwechsel bzw. die neuen Strommasten mit sich bringen würden. Denn die Masten würden künftig viel näher bei den Häusern der Gehrenholz-Siedlung und noch viel näher zu einem Spielplatz in der Siedlung zu stehen kommen. «Ausserdem ist die Strahlung, die von Wechselstrom ausgeht, deutlich stärker als die von Gleichstrom. Das haben wir abklären lassen.»

Keine Massnahmen nötig

Genaue Abklärungen über die Emissionen inklusive Messungen sind denn auch das, was Wirz und weitere Anwohner von der SZU fordern. Laut Mediensprecher Graf sei die SZU dahingehend bereits tätig geworden. «Die nicht ionisierende Strahlung wurde für den Zeitraum nach der Umstellung der Stromversorgung der Linie S10 vom Ingenieurunternehmen Railectric GmbH untersucht. Die Messungen haben ergeben, dass für die projektangrenzenden Liegenschaften keine Massnahmen erforderlich sind. Der erwähnte Spielplatz befindet sich ausserhalb der Grenzlinie der nicht ionisierenden Strahlung.»

Nebst der Möglichkeit erhöhter Strahlungsemissionen wegen der Stromumstellung gibt es noch ein zweites Projekt, das bei einigen Anwohnern der Uetliberggleise Sorge, Ärger und teilweise sogar Widerstand auslöst: Der Neubau der Haltestelle Friesenberg, der zirka im Jahr 2024 umgesetzt werden soll. Laut Angaben der SZU entspricht die bestehende Haltestelle nicht mehr den heutigen Anforderungen an eine S-Bahn-Haltestelle und dem Behindertengleichstellungsgesetz. Zudem sei zur Erhöhung der Pünktlichkeit eine Verlängerung der Doppelspur erforderlich. Die SZU plant aus diesem Grund, den Standort der Haltestelle vom Margaretenweg talwärts auf Höhe der doppelt geführten Bahngleise im Bereich Pflegezentrum / Wohnsiedlung Gehrenholz im Süden und Seniorama Tiergarten im Norden zu verlegen. Dort soll eine behindertengerechte und überdachte Haltestelle mit zwei Perrons entstehen. Dafür müsste jedoch einerseits der Agnes-Robmann-Weg im Süden direkt an die Geleise verlegt und andererseits ein sechs Meter breiter Landstreifen im Norden beansprucht werden. Dieser Massnahme würden die Aussensitzplätze der Seniorama-Cafeteria, einige Bäume sowie ein wichtiger Lebensraum der geschützten Zauneidechse zum Opfer fallen. Gemäss dem Online-Artikel des Quartiers Wiedikon war das Projekt vom 7. März bis 5. April 2022 ausgeschrieben. Bis zum Ende der Einsprachefrist seien mindestens drei gewichtige Einsprachen von jeweils mehreren Betroffenen beim BAV eingegangen.

Insbesondere bei den nördlichen Anwohnern wie denen der Friesenbergstrasse 145 kommt das Projekt gar nicht gut an. Man fürchtet nebst den erwähnten Eingriffen Lärmemissionen, fehlenden Sichtschutz und zweifelt an der behindertengerechten Umsetzung. Zudem mokierten sich Anwohner im Artikel des Quartiervereins, dass die SZU nie Hand zur Evaluation einer Alternativlösung geboten hätten.

Keine Standortalternativen

«Der Standort der neuen Haltestelle inklusive dem Doppelspurausbau war bereits vor dem Neubau der Friesenbergstrasse 145 im Richtplan eingetragen», sagt SZU-Sprecher Graf und ergänzt: «Es bestehen keine Standortalternativen.» Das Projekt sei selbstverständlich so geplant, dass alle Vorschriften eingehalten würden. Das gelte auch für die Lärmbelastung. Zum Schutz der Eidechsen würden mit Kanton und Stadt abgestimmte Massnahmen getroffen. Bezüglich der Aussensitzplätze der Seniorama-Cafeteria bestätigt Graf Landerwerbsverhandlungen mit den Seniorama-Verantwortlichen. «Unser Ziel dabei ist es, eine Einigung zum Wohle aller Beteiligten zu erzielen.»

Was ist Ihre Meinung zum Thema? echo@tagblattzuerich.ch

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