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Streit um Häuser an der Hellmutstrasse. (Bild: AnwohnerInnenverein Hellmutstrasse)

Anwohnerprotest an der Hellmutstrasse

Von: Christian Saggese

23. Juli 2019

Weniger zahlungskräftige Mieter werden von der Hellmutstrasse verdrängt, um die Mietpreise zu erhöhen, ist der dortige AnwohnerInnenverein überzeugt. Die Verwaltung wehrt sich gegen die Anschuldigungen.

«Spekulationen gegen Mieterinnen und Mieter an der Hellmutstrasse!» heisst es auf einem Flugblatt, das derzeit im Kreis 4 die Runde macht. Hinter diesem Schreiben steht der AnwohnerInnenverein Hellmutstrasse. Vereinspräsident Hannes Lindenmeyer ist überzeugt: «In unserer Strasse, konkret in den Mehrfamilienhäusern mit den Nummern 4, 6 und 8, werden weniger zahlungskräftige Mieter verdrängt, um aus diesen privaten Liegenschaften mehr Kapital zu schlagen. Dies dürfte eine direkte Konsequenz des Aufwertungsdrucks infolge des Baus der Europaallee sein.»

Diese Aussage stützt er auf zwei Kündigungen, «die in den letzten Monaten durch die Waldmann Verwaltung und Bau AG ausgesprochen wurden. Auch wenn in den Kündigungen nicht konkret steht, dass die Mieter wegen einer Aufwertung ausziehen müssen, spricht einiges dafür», sagt Lindenmeyer. So handle es sich um Anwohner, «die seit Jahrzehnten in diesen Wohnungen leben und dementsprechend einen tieferen Mietzins bezahlen müssen». Gleichzeitig versuche der Eigentümer, die Liegenschaften zu verkaufen, wie ein Inserat am 19. Juni in der «NZZ am Sonntag» zeige. «In diesem Inserat wird mit einem Kapitalisierungssatz von einer Million Franken geworben. Wir haben es aber ausgerechnet. Unter den aktuellen Umständen wären es maximal 800 000 Franken.» Die Differenz könne also nur durch neue Anwohner erreicht werden, die von Beginn weg mehr für eine Wohnung zahlen müssten.

Die gekündigten Mieter selbst wollten sich nicht gegenüber dem «Tagblatt» äussern.

Verwaltung wehrt sich

Die für den Eigentümer tätige Waldmann Verwaltungs und Bau AG wehrt sich entschieden gegen «die diversen Behauptungen auf dem Flugblatt, die nicht der Wahrheit entsprechen und nur auf Spekulationen beruhen», so Geschäftsführer Alfred Hog. Tatsächlich habe es an der Hellmutstrasse in jüngerer Vergangenheit drei Kündigungen gegeben. Keine davon sei aber ausgesprochen worden, um einen höheren Mietzins zu erzielen: «Ein Mietverhältnis wurde gekündigt, weil die Mieter das Mietobjekt unbewilligt untervermietet haben und keine Absichten mehr hatten, in das Mietobjekt zurückzukehren. Ein Mietverhältnis wurde gekündigt, weil der Mieter nicht mehr im Mietobjekt wohnte und trotz Abklärungen nicht ausfindig gemacht werden konnte, wo er sich aufhält.» Die dritte Kündigung sei vom Mieter angefochten worden, weshalb man hier aufgrund des laufenden Verfahrens keine Auskunft geben könne.

Weiter habe die Verwaltung keinerlei Kenntnisse davon, dass die Liegenschaft verkauft werden soll, und könne auch nicht bestätigen, dass das Inserat, das zwar die Hellmutstrasse, aber nicht die Hausnummern erwähnt, wirklich diese Gebäude betreffe. «Seitens des Eigentümers fiel keine Silbe darüber.» Dieser sei aus gesundheitlichen Gründen aber momentan auch nicht erreichbar, sodass man sich nicht erkundigen könne. Das «Tagblatt» erreichte den Besitzer ebenfalls nicht.

Verein kämpft weiter

Hannes Lindenmeyer, der kürzlich ein Buch über die Hellmutstrasse schrieb, ist aber überzeugt, dass es sich im Inserat um diese Immobilien handeln muss. «Alle Liegenschaften an der Hellmutstrasse mit ungeraden Nummern gehören einer Genossenschaft, auf der andern gibt es nur zwei Private, wobei es sich von der Grösse und Bruttorendite her nur um diese handeln kann.» Der AnwohnerInnenverein stehe deshalb weiter zu seinen Einschätzungen und fordert Mieter, die eine Kündigung erhalten haben, auf, sich beim Mieterverband zu melden: «Kein alteingesessener Zürcher hat es verdient, aufgrund eines Aufwertungswahns plötzlich an den Stadtrand verdrängt zu werden.»

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echo@tagblattzuerich.ch

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