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Der Polizeiposten soll schliessen. Anwohner wehren sich dagegen. Foto: PD

Aus für Polizeiwache

Von: Werner Schüepp

16. April 2019

Poststellen, Kreisbüro, Stimmlokale und die ZVV-Verkaufsstelle wurden in Schwamendingen abgebaut. Nun wird auch der Polizeiposten im Quartier geschlossen. Droht im Kreis 12 ein Totalabbau des Service public?

Die Bevölkerung von Schwamendingen fragt sich seit längerem, was mit ihrem Polizeiposten geschieht, wenn die Baugenossenschaft Glattal ihre Liegenschaften im Schwamendinger Dreieck erneuert, denn dort ist an zentraler Lage die Kreiswache 12 der Stadtpolizei seit 2018  eingemietet. Stadträtin Karin Rykart (Grüne) und Daniel Blumer, Kommandant der Stadtpolizei, liessen an der Generalversammlung des Quartiervereins die Katze aus dem Sack: Der Polizeiposten wird 2024 geschlossen. «Es wird in Schwamendingen keine Quartierwache mehr mit Publikumsverkehr geben», bestätigt Mathias Ninck, Leiter Kommunikation beim Sicherheitsdepartement der Stadt Zürich, «die sechs Quartierpolizisten und der Kreischef ziehen vorübergehend an die Hagenholzstrasse 50, von wo sie ausrücken werden.»

Neues Modell wird eingeführt

Weshalb die Schliessung? Der Polizeiposten werde heute kaum noch frequentiert, es gebe durchschnittlich noch einen Rapport pro Tag. Ninck: «Gleichzeitig bindet der Bürodienst die Polizisten an die Wache, deshalb wird die Stadtpolizei das Modell Quartierwache auch in Schwamendingen einführen.» Dieses Modell wurde erstmals 2006 eingeführt und ist heute in Leimbach, Seebach, Witikon, Grünau und Wollishofen Realität. «Modell Quartierwache» steht für erhöhte Polizeipräsenz auf der Strasse und mehr Bürgernähe dank optimierten Personaleinsatzes. Quartierpolizisten, die zu Fuss unterwegs sind, können wesentlich mehr zu Prävention von Gewalt und Kriminalität beitragen als Polizisten, die sich grösstenteils in einer Wache aufhalten. Die Schliessung der Polizeiwache sorgt in Schwamendingen für Empörung – und trifft das Quartier empfindlich, nachdem schon Poststellen, Kreisbüro, Stimmlokale und zuletzt Ende vergangenen Jahres die ZVV-Verkaufsstelle geschlossen wurden.


Scharfe Kritik

«Die Quartierwache gehört zum Service public. Die Schwamendinger werden diese Schliessungen nicht einfach so hinnehmen», sagt Maya Burri, Präsidentin des Quartiervereins Schwamendingen, «da werden Dienstleistungen zentralisiert, und die Leidtragende ist unsere Bevölkerung.» Ihrer Meinung nach gehen auf diese Weise immer mehr Begegnungsorte im Quartier verloren, was letztlich der Verödung von Quartierzentren Vorschub leiste. Burri: «Gerade durch die Präsenz einer Polizeiwache im Quartier wird das Sicherheitsbedürfnis gestärkt. Zu wissen, dass Ansprechpersonen vor Ort sind, beruhigt und kann Delikte verhindern.» Der Vorstand des Quartiervereins werde das Thema an seiner nächsten Sitzung besprechen.

Scharfe Kritik gibts auch von politischer Seite. Die SP Zürich 12 nimmt den anhaltenden Abbau des öffentlichen Dienstleistungsangebots in Schwamendingen nicht mehr weiter hin. Vor allem auch, weil im Kreis 12 die Bevölkerung in den nächsten Jahren stark ansteigen wird, wie sie in einer Mitteilung schreibt. Bis 2035 wird den Quartieren Schwamendingen, Saatlen und Hirzenbach ein Wachstum von heute 30 000 auf über 40 000 Bewohner prognostiziert. Der Quartierumbau findet noch lange kein Ende. Der Abbau der Polizeiwache sei eine weitere deutliche Verschlechterung des Service-public-Angebots, der dem Quartierleben schade und das Sicherheitsgefühl schwäche, teilen die Sozialdemokraten mit. Deshalb verteilt die Partei in dieser Woche eine breit angelegte Bevölkerungsumfrage in alle Briefkästen des Kreises 12 und wird die vorgesehene Schliessung im Gemeinderat thematisieren.

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echo@tagblattzuerich.ch

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