mobile Navigation

News

Die Filiale der Zukunft: Die neue Credit-Suisse-Geschäftsstelle an der Europaallee verfügt über eine Co-Working-Zone und vereint Digitalisierung mit persönlichem Service.

Bankfilialen sterben aus

Von: Ginger Hebel

22. September 2020

Abbau: Kundenschalter und Bancomaten verschwinden – zum Ärger vieler Zürcherinnen und Zürcher, die ihre Bankgeschäfte nicht mehr im Quartier erledigen können. 

«Tagblatt»-Leserin Maria Tanner ist genervt. Sie lebt seit Jahrzehnten in Höngg, erledigte früher alles im Quartier, doch immer mehr Läden verschwinden – jetzt auch noch die Bank. Die Credit-Suisse-Filiale wird per 27. November geschlossen. Für die Weiterführung des Bancomaten wird derzeit nach einem geeigneten Standort im Quartier gesucht. Um ihre Bankgeschäfte künftig bei der Beraterin ihres Vertrauens zu erledigen, muss Maria Tanner nach Dietikon fahren. «Das ist ein unnötiger Aufwand und überhaupt nicht kundenfreundlich.»

Die Grossbank Credit Suisse schliesst 37 Filialen, das Netz wird von 146 auf 109 Standorte verkleinert. Neben der Geschäftsstelle in Zürich-Höngg verschwinden Ende November auch die Standorte Enge und Rigiplatz. Ausschlaggebend für die Schliessung in Höngg seien die Kundenfrequenzen und das Einzugsgebiet. «Die Bedürfnisse und das Verhalten der Kundinnen und Kunden haben sich in den letzten Jahren verändert», erklärt Cécile Rietschi von der CS. Viele Leute würden vermehrt digitale Angebote sowie bargeldlose Bezahlmöglichkeiten bevorzugen und daher immer weniger Geschäftsstellen besuchen. Die Neuausrichtung des schweizweiten Filialnetzes ist eine von mehreren Massnahmen, mit denen ab 2022 jährliche Kosteneinsparungen von rund 100 Millionen Franken angestrebt werden.

Neue Filialkonzepte

Auch die Zürcher Kantonalbank strafft ihr Filialnetz. In den vergangenen zwei Jahren wurden sieben Schalterstandorte geschlossen, der letzte in Zürich-Albisrieden. «Generell nimmt die Bedeutung von Bargeldgeschäften am Schalter stark ab, dagegen findet eine Aufwertung der elektronischen und ortsunabhängigen Kanäle statt», heisst es bei der ZKB auf Anfrage. Über den Bargeldversand kann telefonisch Geld bestellt werden. Bei der Migros-Bank sind derzeit keine Schliessungen geplant. Im Gegenteil: Mit der Eröffnung des 68. Standorts in Affoltern am Albis hat sie den Ausbau des Niederlassungsnetzes gestartet. «Die Kundinnen und Kunden besuchen die Filialen vor allem für den wachsenden Bedarf an persönlicher Beratung in Finanzfragen», sagt Migros-Bank-Sprecher Urs Aeberli.

Wie sieht die Bank der Zukunft aus? «Wir bewegen uns weg vom klassischen Bankschalter hin zu einem modernen Ort der Begegnung. Die Beratung und der persönliche Austausch stehen an erster Stelle», sagt Cécile Rietschi von der Credit Suisse. Das Konzept wurde erstmals in der neuen Geschäftsstelle an der Europaallee in Zürich umgesetzt. Mitarbeitende führen Kunden in die digitale Welt des Bankgeschäfts ein. Bei komplexeren Themen können Spezialisten via Video-Konferenz direkt in ein Beratungsgespräch miteinbezogen werden. Im Co-Working-Bereich stellt die Bank der Bevölkerung frei zugängliche Arbeitsplätze sowie einen Multimedia-Gruppenraum zur Verfügung. Der modulare Aufbau ermögliche es, auf die lokalen Gegebenheiten der jeweiligen Standorte einzugehen und so den Kundenbedürfnissen Rechnung zu tragen.

Auch bei der UBS werden klassische Bankgeschäfte vermehrt über die digitalen Kanäle abgewickelt, die Corona-Krise habe diesen Trend noch verstärkt. «Im Vordergrund stehen wird die Beratung auf komplexen und für den Kunden sehr bedeutenden Themen wie Vorsorge oder Kauf eines Eigenheims», sagt Igor Moser von UBS. Für Pensionärin Maria Tanner ist Onlinebanking keine Alternative. Sie kenne sich mit Smartphone und Computer nicht gut genug aus. Zu gross ist die Angst, dabei womöglich Geld und den Überblick zu verlieren. Ihr bleibt künftig also nur der Weg in die nächste Filiale, ausserhalb ihres Wohnorts.

Was ist Ihre Meinung zum Thema: echo@tagblattzuerich.ch

 

 

zurück zu News

Artikel bewerten

Gefällt mir ·  
5.0 von 5

Leserkommentare

Franz Berger - Da stellt sich zwangsweise die klassische Frage, wer ist da eigentlich für wen? Die Banken machen neue Konzepte nach ihrem Gutdünken, ohne Rücksicht darauf, was die Kunden wollen. Diese müssen halt schulcken, was ihnen vorgetischt wird. Kein Wunder, dass
mehr anzeigen ...

Vor 5 Monaten 6 Tagen  · 
Noch nicht bewertet.