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Mit dieser Illustration wollte Microsoft den Swissmill Tower verschönern. Bild: PD

Betonklotz bleibt ein «Schandfleck»

Von: Clarissa Rohrbach

11. Juli 2017

Alle Versuche, den Swissmill Tower zu verschönern, scheitern. Auch der neuste von Microsoft. Für die Eigentümer kommt eine Neugestaltung nicht infrage.

Es ist schon fast ein Volkssport geworden. Jeder will sich an der Verschönerung des Swissmill Tower beteiligen. Künstler projizieren in nächtlichen Aktionen auf die Betonwand, Zeitungen rufen ihre Leser auf, den Turm mit Photoshop zu bearbeiten. Die Vorschläge reichen vom nicht ganz ernst gemeinten Turm im Nati-Trikot bis zur nachhaltigen Variante mit Solarzellen. Denn man ist sich einig: Das Getreidesilo ist eine «städtebauliche Sünde» und muss unbedingt verziert werden. 

Letzte Woche hat sich auch Microsoft in die Diskussion eingemischt. Der Software-Gigant will im Rahmen des Projekts «Your Local Eyesore» (Dein lokaler Schandfleck) den Swissmill Tower mit einer Illustration neu gestalten. Darauf zu sehen ist ein nacktes Kind, das seine ebenfalls nackte Mutter ins Wasser führt. Der Zürcher Künstler Ata Bozaci will damit die intime Mutter-Kind-Beziehung thematisieren. Das Wasser ist eine Reverenz an die Limmat, die neben dem Kornhaus am Sihlquai fliesst. «Das Stadtbild würde von der Aktion profitieren», sagt Christoph Glaus, PR-Manager von Microsoft Schweiz. Die Notwendigkeit bestehe, da Zürcher täglich mit dem unschönen Anblick konfrontiert seien. 

Doch Coop zeigt sich unbeeindruckt. «Wir sind mit der Realisierung des Silos zufrieden», sagt Sprecher Urs Meier. Die Gestaltung des Kornhauses sei vom Baukollegium der Stadt Zürich, einem Gremium aus international renommierten Architekten und dem Amt für Städtebau abgenommen und gewürdigt worden. «Sie entspricht den Vorgaben für einen industriellen Zweckbau: Das Äussere soll zum Ausdruck bringen, was drin ist. Es gibt also keinen Grund für eine Veränderung.»

Das Amt für Städtebau, das auch den Brief von Microsoft bekommen hat, schliesst sich dem an. «Das Zürcher Stimmvolk hat die Aufstockung des Kornhauses befürwortet, damit ist das Thema abgeschlossen», sagt Fabian Korn, Sprecher des Hochbaudepartements. Sowohl für die Stadt als auch für die Bauherrschaft sei die aktuelle Gestaltung nach wie vor die beste Lösung. 

Quartier will Begrünung

«Die Aktion von Microsoft ist ein PR-Gag», sagt Beni Weder, Quartiervereinspräsident Wipkingen. «Aber es ist gut, dass das Silo wieder zum Gespräch wird.» All die Aktionen für eine neue Gestaltung der Betonwand zeigten: Die Bevölkerung will etwas anderes. «Man hätte bereits bei der Planung die Betroffenen einbeziehen sollen.» Der Quartierverein habe sich kürzlich für eine Begrünung der Fassade eingesetzt, man sei aber abgeblitzt. Auch ein Postulat von den GLP-Gemeinderäten Guido Trevisan und Shabai Roy, das den Stadtrat auffordert, eine Neugestaltung zu prüfen, wurde vom Parlament abgelehnt. Doch Weder gibt nicht auf: «Wir bleiben dran.» 

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Leserkommentare

Valentin Hauri - für mich ist der Fall klar: der Tower ist, was er ist und deshalb ist er auch schön ... solche scheusslichen Kitsch-Verzierungen sind absolut daneben ... freut mich, dass die Verantwortlichen diese Einschätzung teilen

Vor 3 Jahren 2 Monaten  · 
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erika hugentobler - nee, bitte NICHT beleuchten (gibt schon genug lichtverschmutzung!) aber bitte z.b. einkleiden: wie man das macht, kann man in rottweil (D) am thyssen-tower besichtigen...
auch ich habe "ja" gestimmt für den coop-silo, weil ich ihn wichtig fand...
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Vor 3 Jahren 2 Monaten  · 
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Barbla Heinrich - man könnte ihn schön anmalen z.B. mit Ähren oder einer Sonnenblume oder einen Regenbogen schön bunt und nicht düster....

Vor 3 Jahren 2 Monaten  · 
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