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9000 zusätzliche Bioabfall-Container wie dieser sollen in der Stadt Zürich aufgestellt werden. Bild: CLA

Container für alle

Von: Clarissa Rohrbach

27. September 2022

Jeder Zürcher soll ab nächstem Jahr seinen Bioabfall entsorgen können. Die flächendeckende Abfuhr sorgt bei Hauseigentümern für Unmut. Sie werden zu einer Pflichtgebühr verdonnert.

Leser Michael Gross hat keinen Bioabfall-Container vor dem Haus. Die Konsequenz: Wöchentlich schleicht sich der Altstetter zum Eimer der Nachbarn und entsorgt seine Speisereste heimlich. «Es ist eine Zumutung», sagt der 30-Jährige. Wie Gross ging es in den letzten Jahren vielen Bewohnern der Stadt. Sie wollten Bioabfall trennen, doch Container dafür gab es nicht.

Mit dem Ärger um den Bioabfall ist es nun vorbei. Ab 1. Januar 2023 führt die Stadt eine flächendeckende Abfuhr ein. Laut Entsorgung und Recyc­ling Zürich (ERZ) sollen die bestehenden 16 000 Bioabfall-Abonnemente mit einer Pflichtgebühr ersetzt und 9000 zusätzliche Container aufgestellt werden. Diese werden zu den Züri-­Sack-Containern platziert. Wo kein Platz ist, werden sie auf öffentlichen Grund gestellt. «Wir rechnen damit, dass bis 2026 alle Bewohner der Stadt Zugang zu einem Bioabfallcontainer haben werden», sagt Daniel Eberhard, Sprecher von ERZ. Die Gebühr für die Container müssen Hausbesitzer oder Verwaltungen bezahlen. Ein 140-Liter-Behälter kostet 105 Franken pro Jahr, bisher waren es 215 Franken.

Biogas zum Heizen

Mit der revidierten Abfallverordnung hat der Stadtrat eine Motion der Gemeinderätinnen Barbara Wiesmann (SP) und Anjushka Früh (SP) umgesetzt. «Diese Neuerung war nötig», sagt Wiesmann, «da die Bioabfall-Entsorgung Sache des Vermieters war, hatten viele Mieter keinen Zugang zu einem Container». Es sei wichtig, dass möglichst viel Küchenabfall separat entsorgt werde, denn damit lasse sich mehr Biogas erzeugen als mit Gartenabfall. Die rund 15 000 Tonnen Bioabfall jährlich werden im Vergärwerk der Biogas Zürich AG zu Energie weiterverarbeitet und ins städtische Gasnetz eingespeist. Mit den 25 Millionen Kilowattstunden jährlich lassen sich 2000 Wohnungen heizen. Laut Wiesmann ein wichtiger Beitrag an die 2000-­Watt-Gesellschaft.

Eigentlich hatten Wiesmann und Früh verlangt, dass die Abfuhr von Bioabfall in der Grundgebühr beinhaltet ist. Doch das Umweltschutzgesetz schreibt vor, dass die Entsorgung von Abfall verursachergerecht finanziert und somit mengenabhängig abgerechnet wird. Wiesmann geht davon aus, dass die Vermieter die Nebenkosten auf die Mieter abwälzen werden. «Doch wer den Bioabfall trennt, gibt weniger für Züri-Säcke aus, die Rechnung geht auf», sagt Wiesmann.

Für Albert Leiser, Direktor des Hauseigentümerverbands Zürich (HEV), ist ein solcher Verteilschlüssel auf alle Mietparteien denkbar. Der HEV lehnte im Vorfeld die Ausweitung der Bioabfallsammlung ab und ist über die Neuerung nicht glücklich. Das Aufstellen der Container war stets freiwillig, jetzt dagegen sind die Hausbesitzer dazu verpflichtet. «Kein Hauseigentümer sollte gezwungen werden», sagt Leiser. Daher begrüsse man es, dass die Stadt das Gespräch suchen will. Diese ist für Auseinandersetzungen gewappnet. «Uns ist klar, dass es für einzelne Liegenschaften intensive Gespräche brauchen wird, um die Umsetzung zu gewährleisten», sagt Daniel Eberhard von ERZ. Laut HEV sollten die Hausbesitzer anstatt draufzuzahlen von der Stadt entschädigt werden, stellen sie doch Bioabfallsammlungen zur Verfügung, aus denen sich Biogas gewinnen lässt.

Ihre Meinung zum Thema? echo@tagblattzuerich.ch

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