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56 000 Fahrzeuge passieren täglich die Rosengartenstrasse, die 1972 eigentlich als eine provisorische Transitachse eröffnet worden war. Bild: Baugeschichtliches Archiv Zürich

Das Ende einer Leidensgeschichte?

Von: Jan Strobel

19. November 2019

Rosengartenstrasse: Im Februar 2020 wird das Stimmvolk über die Zukunft an einer der meistbefahrenen Strassen der Schweiz entscheiden.

Am 9. Februar 2020 definiert Zürich im wahrsten Sinn der Wortes die Spuren für eine historische verkehrspolitische Frage. Dann befinden die Stimmberechtigten des Kantons über das Projekt Rosengartentram und Rosengartentunnel, das auch der Zürcher Stadtrat unter Abwägung aller Vor- und Nachteile unterstützt.

Seit 1972 zerschneidet die Rosengartenstrasse, eine der meistbefahrenen Strassen der Schweiz, das Quartier Wipkingen und zieht auch das Quartier Unterstrass in Mitleidenschaft. Heute passieren bis zu 56 000 Fahrzeuge täglich diese für die Stadt und den Kanton äusserst wichtige Verbindungsachse.

Was einst als Provisorium gedacht war, wurde zu einer scheinbar nicht enden wollenden Leidensgeschichte und Belastung für die Bevölkerung. Eine Lösung konnte die Politik in den letzten 50 Jahren nicht präsentieren. Das soll sich jetzt ändern, indem Kanton und Stadt zusammenspannen. Mit dem zur Abstimmung stehenden Gesamtprojekt soll die Mobilität sichergestellt und die Lebensqualität gesteigert werden.

«Es gibt keine Alternative»

Vergangenen Freitag lud der Quartierverein Unterstrass zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung mit Vertretern des Kantons und der Stadt ins Hotel Krone. Dabei fand Regierungsrätin Carmen Walker Späh gleich zu Beginn deutliche Worte. Für die betroffenen Quartiere sei die Rosengartenstrasse «eine Zumutung», welche die Lebensqualität ausbremse. Insbesondere die Schadstoffbelastung sei nicht mehr tolerierbar.

«Die Rosengartenstrasse ist heute längst keine Transitachse mehr», so Walker Späh. 60 Prozent der Verkehrs kämen mittlerweile von ausserhalb mit einem Ziel innerhalb der Stadt.   «Im Einzugsgebiet dieser Achse leben 320 000 Menschen. Es ist klar, dass es für diese Hauptschlagader durchs Herz des Kantons keine ­Alternative geben kann.» Für eine nachhaltige Lösung müssten deshalb alle Verkehrsträger zusammenarbeiten.

Durch das geplante Tramtrassee würde rund 40 Prozent weniger Strassenraum zur Verfügung stehen. «Soll der motorisierte Verkehr nicht einfach in die Quartiere abfliessen, braucht es zusätzlich den Tunnel. Den Verkehr kann man nicht einfach wegzaubern.»

Oliver Tabbert, Projektverantwortlicher bei den VBZ, sprach auch das Wachstum der Stadt an. Bis 2035 sehen Prognosen eine Bevölkerungszahl von über 500 000 vor mit besonders starken Entwicklungen im Norden und Westen. Das birgt besonders für den öffentlichen Verkehr enorme Herausforderungen, soll er nicht an seine Grenzen stossen. «Das Rosengartentram mit einer direkten Verbindung zwischen Albisriederplatz und Milchbuck könnte die wachsende Nachfrage aufnehmen und zusätzlich den Tramknoten am Hauptbahnhof deutlich entlasten», so Tabbert. Ebenso würde der belastete Albisriederplatz als wich­tiger Umsteigeort an Bedeutung verlieren.

Der 2,3 Kilometer lange Rosengartentunnel wiederum soll einen Grossteil der 56 000 Fahrzeuge pro Tag aufnehmen, sodass Platz für das Tram und ein neues Quartierleben entsteht. «Eine planerische Herausforderung werden die Portale in Wipkingen und Irchel sein», sagte Markus Traber vom kantonalen Amt für Verkehr.

Die Grundlagen zur Realisierung des Vorhabens sollen durch das Rosengarten-Verkehrsgesetz und einen Rahmenkredit von 1100 Millionen Franken geschaffen werden. Für die Umsetzung müssen am 9. Februar sowohl der Rahmenkredit als auch das Gesetz an der Urne angenommen werden. Detailplanungen sollen erst nach dem Volksentscheid erfolgen – auch unter Einbezug der betroffenen Bevölkerung. Frühestens 2032 könnte die Rosengartenstrasse dann zu einer neuen Lebens- statt Verkehrsader geworden sein.

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Leserkommentare

Werner Streich - Aus bekannten Gründen sollte die Rosengartenstrasse vom Motorfahrzeugverkehr entlastet werden. Für die Annahme des Rosengartentunnels sind vor allem die flankierenden Massnahmen ausschlaggebend, welche die möglichen negativen Auswirkungen des Tunnels verhindern,
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