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Eines der Plakatsujets der neuen Präventionskampagne «Grosi an Bord»: Die Grosi-Figur wurde dafür bewusst überspitzt dargestellt. Bild: PD

Das nette Grosi sorgt für Unmut

Von: Jan Strobel

10. September 2019

Die Präventionskampagne «Grosi an Bord», die letzte Woche an den Start ging, löst bei vielen «Tagblatt»-Lesern harsche Kritik aus.

Das Grosi mit den Stricknadeln in den Haaren und den braunen Pantöffelchen sitzt auf dem Rucksack eines jungen Zürcher Fussgängers. Sie lächelt milde, ihre Hand liegt zärtlich mahnend auf seinen Schultern. Ihre Botschaft an die Zürcher: «Sei so unterwegs, wie wenn dein Grosi dabei wäre.» Die Präventionskampagne «Grosi an Bord» für die Verbesserung des Verkehrsklimas in der Stadt Zürich startete vergangene Woche («Tagblatt» vom 4. 9.). Verantwortlich dafür zeichnet die Stadt Zürich zusammen mit zwölf Verkehrs- und Interessenverbänden.

Zu klischeehaft, zu infantil
Bei der Leserschaft des «Tagblatts» stiess das Grosi allerdings auf zum Teil heftige Kritik. «Damit sollen sich unsere älteren Leute identifizieren? Nicht einmal eine 95-jährige und mehrfache Ururgrossmutter entspricht heute diesem bürzitragenden und schalstrickenden Hutzelweibchen», monierte etwa Leserin Ursula Merz. Die Grosi-Figur, so der Tenor, sei schlicht zu klischeehaft und infantil und werde den heutigen Seniorinnen und Senioren, die aktiv im Leben stünden, in keiner Weise gerecht. Zudem sei nicht ersichtlich, so Leserin Dorothe Gerber, weshalb nicht auch ein Grossvater oder ein Kind als Figuren berücksichtigt wurden. Schliesslich seien gerade Kinder die schwächsten Glieder auf der Strasse wie auf dem Trottoir.

«Wir können diese Reaktionen durchaus nachvollziehen. Wir sind uns bewusst, dass unser Grosi gewissen Klischees entspricht», sagt dazu Heiko Ciceri von der Dienstabteilung Verkehr. Es handle sich hier aber um eine Kunstfigur, die im Rahmen einer Kampagne als «Botschafterin» unterwegs sei. «Im Marketing, in der Werbung, bei Kampagnen und in der Kunst sind solche Andeutungen, überspitzte Darstellungen und Klischees nicht unüblich», so Ciceri. Überdies habe das Grosi auch viel Zuspruch erhalten. «Wir haben uns bewusst nur für eine Kunstfigur entschieden. Grosi soll die Verkehrsteilnehmenden zum Nachdenken anregen und zu einem entspannten Verhalten im Verkehr animieren. Unser Grosi ist durchaus auch aktiv, das wird man dann im weiteren Verlauf der Kampagne schon noch sehen. Auch jetzt: Sie ist ja im Auto, auf dem Motorrad, mit dem Velo und zu Fuss unterwegs.»

Die Kampagne soll über fünf Jahre hinweg laufen. Die Kosten   über diese gesamte Zeit hinweg belaufen sich auf 650 000 Franken. In einer nächsten Phase soll es unter anderem noch ein VBZ-Tram und einen VBZ-Bus im Grosi-Design geben. «Und im nächsten Jahr wird unser Grosi unter anderem mit einer App aktiv sein», sagt Heiko Ciceri.

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