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Der Kapitän gibt sein Ruder aus der Hand

Von: Ginger Hebel

27. März 2018

Vom Matrosen zum Dampfschiffkapitän: Ernst Bosshard macht am Karfreitag die letzte Fahrt auf seiner geliebten alten Lady, der Stadt Zürich.

Der letzte grosse Tag auf dem Zürichsee naht. Am Karfreitag steht Dampfschiffkapitän Ernst Bosshard noch einmal auf der Kommandobrücke des 109-jährigen Raddampfers «Stadt Zürich», seinem Lieblingsschiff. «Die Technik fasziniert mich, es ist bewundernswert, wie vor über 100 Jahren gebaut wurde», sagt Bosshard. Die Dampfschifffahrt auf dem Zürichsee hat eine lange Tradition. Am 19. Juli 1835 erfolgte die erste Fahrt eines maschinengetriebenen Schiffs namens Minerva. Die Stadt Zürich ist der ältere der beiden Raddampfer der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) und ein Publikumsmagnet.

Ernst Bosshard kennt die wahren Dampferfans von weitem. Sie sind die Ersten, die an den Stegen warten, und die Letzten, die von Bord gehen. Manche kommen jedes Wochenende mit auf die Grosse Rundfahrt von Zürich nach Rapperswil, trinken «ein Halbeli» an Deck und freuen sich, wenn der Kapitän sein Schiff durch den schmalen Seedamm-Durchstich bei Hurden manövriert. «Der Obersee ist traumhaft schön. Man fährt von der Stadt bis fast in die Berge.»

Schlaflose Nächte

Kapitän zu werden, war nie sein Bubentraum, sondern Zufall. Ein Zeitungsinserat hatte ihn damals neugierig gemacht. «Matrose war ich nie gern. Ich konnte schlecht Seile werfen», sagt er und lacht. 20 Jahre arbeitete er als Schiffsmechaniker in der Werkstatt, später war er Kassier, bis seine Karriere als Kapitän auf den Limmatbooten ihren Anfang nahm. Er hat sie alle schon gefahren, die nostalgischen Raddampfer genauso wie die modernen Motorschiffe, darunter das Neuste von allen, die Panta Rhei. Bosshard war beim Bau und der Jungfernfahrt dabei. «Vor der ersten Fahrt hatte ich manche schlaflose Nacht», erzählt er.

Er mochte die Verantwortung als Berufskapitän. In den 38 Jahren auf dem Zürichsee ist nie etwas Gravierendes passiert. Einmal kollidierte Bosshard mit einem Privatboot, verletzt wurde dabei aber niemand. Er erinnert sich an brenzlige Situationen mit Schwimmern und an Querulanten, die mit ihrer Lärmklage ein Hupverbot erwirkten. «Das hat mich wahnsinnig genervt. Das Schiffshornen war eine schöne Tradition.»

Nach seiner Pensionierung wird er auf Abruf als Kapitän bei der ZSG weiterarbeiten. Sonntags lenkt er künftig auf dem Greifensee den ältesten Schraubendampfer der Schweiz, der noch mit Kohle befeuert wird. «Der See lässt mich immer noch nicht los.»

Die Abschiedsfahrt von Kapitän Ernst Bosshard ist am Karfreitag, 30. März. Abfahrt: 12.30 Uhr beim Bürkliplatz, Ankunft in Rapperswil, 14.25 Uhr, Rückfahrt 14.35 Uhr und Ankunft in ­Zürich um 16.25 Uhr.

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Leserkommentare

Arnold R. Pünter - Super super Herr Bosshard,hupen Sie weiter und nochmals herzlichsten Dank dass Sie mich mit Freudin auf die Kommandobrücke einluden,ab Meilen bis Bürkliplatz,werden wir nie vergessen,kann bei Ihrer letzten Fahrt,wie geplant, wegen Aug Operation leider nicht
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Vor 2 Jahren 3 Monaten  · 
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Peter Brandenberger - Herr Bosshard, was für ein Abschied. Gefeiert von all den an Bord anwesenden Passagieren inkl. mir.Sie waren immer sehr auf Ihre Gäste fixiert, standen am Eingang und begrüssten die ankommenden Passagiere. Es war heute schön wiedereinmal eine Dampfpfeiffe
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Vor 2 Jahren 3 Monaten  · 
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