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Bei der Seeüberquerung bergen die Rettungsboote bis zu 40 Schwimmer. Bild: PD

Der Leichtsinn schwimmt mit

Von: Clarissa Rohrbach

04. Juli 2017

Tausende schwimmen heute über den See. Rund 40 schaffen es nicht. Das Sportamt warnt: Die Seeüberquerung ist nur für gute Schwimmer.

Ein älterer Mann keucht mitten im See. Er kann sich kaum über Wasser halten. Ein Rettungsboot nähert sich. Zwei Rettungsschwimmer helfen dem Mann aus dem Wasser. Danach liegt er regungslos im Boot. Auf dem Steg beim Strandbad Tiefenbrunnen warten bereits Sanitäter mit einer Liege. Sie hieven den Mann hoch, bedecken ihn mit einer wärmenden Folie und fahren ihn ins Spital. Diagnose: Erschöpfung und Unterkühlung. 

Der Unfall ereignete sich letzten August, während Tausende vom Strandbad Mythenquai nach Tiefenbrunnen schwammen. Solch schwerwiegende Fälle sind an der Seeüberquerung zum Glück selten. Und doch schaffen es jeweils bis zu 40 Schwimmer nicht über den See. Laut Manuela Schläpfer, Sprecherin des Sportamts, leiden diese unter Muskelkrämpfen, Erschöpfung, Unterkühlung, oder sie fühlen sich in der Masse nicht wohl. «Bei den meisten genügen ein heisses Getränk und ein stärkendes Essen im Ziel, um wieder zu Kräften zu kommen.»

Auch dieses Jahr sorgen 23 Rettungsboote für die Sicherheit bei der Seeüberquerung. Wer merkt, dass ihm die Strecke zu lang ist, kann sich alle 50 bis 70 Meter an einem Boot festhalten. Für den Notfall gibt es ein Zeichen: mit gestrecktem Arm aufs Wasser klatschen. «Die Retter erreichen die Schwimmer innert Sekunden», so Schläpfer. Diese haben alle ein Brevet der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG) und zusätzlich das Modul See absolviert. Neben weiteren Rettern im Kajak ist auch die Wasserschutzpolizei vor Ort. 

Sich selber einschätzen

Das Organisationskomitee macht für die Seeüberquerung klare Vorgaben: Es handelt sich um einen Breitensportanlass für gute Schwimmer. «Die Strecke ist anspruchsvoll, aber machbar», sagt Schläpfer. Vor allem wegen der Wassertemperaturen, der Wellen und des Windes seien die 1500 Meter anstrengender als die entsprechenden 30 Längen im Schwimmbecken. Nach jeder Länge abstossen oder ausruhen gehe im See nicht. Zwar könnten sich die Teilnehmer an den Booten festhalten, doch es sei nicht geplant, dass jeder pausiere. 

Ob man die Strecke schafft, muss jeder selber entscheiden. «Wir können und wollen unseren Teilnehmenden die Eigenverantwortung nicht abnehmen.»Die Leute würden ihren Körper und ihre Schwimmfähigkeiten richtig einschätzen, damit habe man gute Erfahrungen gemacht. Allerdings komme es vor, dass sich Einzelne übernehmen. Für Schläpfer ist klar: «Wer sich nicht genug fit fühlt, sollte nicht teilnehmen». Der See ist eben nichts für Leichtsinnige. 

Stadtzürcher Seeüberquerung

Mittwoch 5. Juli von 14 bis 18 Uhr

Strandbad My­thenquai 

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