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Züri-Modular-Pavillons entschärfen die Schulraumnot. Aktuell stehen 65 dieser Pavillons im Einsatz, die Kosten betragen pro Bau rund 3 Millionen Franken. Bild: PD

"Desaster" um fehlende Schulhäuser

Von: Ginger Hebel

19. Februar 2019

Raumnot: In Zürich gibt es immer mehr Schülerinnen und Schüler. Bis 2025/26 erwartet man 324 zusätzliche Klassen. Besonders voll wird es im Schulkreis Letzi.

Aktuell besuchen rund 31 100 Kinder und Jugendliche eine Regelklasse der Volksschule Stadt Zürich oder einen städtischen Kindergarten, das sind 850 mehr als im Vorjahr. Bis ins Jahr 2025/26 rechnet man mit einem Wachstum von 6630 Kindern respektive 324 Klassen. Die stärkste Zunahme wird im Schulkreis Letzi erwartet (Stadtkreise Altstetten, Albisrieden und Grünau). Vor allem in Altstetten sei die Situation prekär. «Aktuell fehlen in der Stadt rund 22 Schulhäuser. In zehn Jahren werden es 30 sein. Die Situation ist ein Desaster», sagt FDP-Gemeinderat Marcel Müller.

Seine Partei ist mit der Zürcher Schulraumplanung nicht zufrieden, weil es von der Planung bis zur Eröffnung eines Schulhauses im Schnitt zehn Jahre dauert. «In aller Regel muss ein Schulhausneubau vors Volk. Es sind die demokratischen Prozesse, die viel Zeit kosten. Daher braucht die Stadt für die Realisierung länger als private Bauträger. Eine Beschleunigung der Prozesse würde ich sehr begrüssen», stellt Stadtrat Filippo Leutenegger klar.

Die starke Zunahme an Schülerinnen und Schülern macht Leutenegger keine Angst. «Die Stadt Zürich ist attraktiv, die Bevölkerung wächst. Es war bereits in der Vergangenheit eine Herausforderung, termin- und bedarfs­gerecht Schulraum bereitzustellen. Deshalb werden wir im nächsten Jahr zwei neue Schulhäuser eröffnen.» Bis ins Jahr 2025/26 würden weitere acht Neu- oder Ersatzschulbauten erstellt.

Im Schulkreis Letzi rechnet man langfristig mit zusätzlichen 68 Klassen. Hier werden Lösungen zur Erweiterung der Primarschulen Kappeli und Loogarten erarbeitet. Die neue Schule Freilager wird mit 18 Klassen, externen Kindergärten, einer Doppelsporthalle und einer Schwimmanlage geplant und ist 2022 bezugsbereit. Auch in Seebach und Oerlikon werden aufgrund der starken Wohnbautätigkeit über 1000 zusätzliche Schüler erwartet.

Räume mehrfach nutzen

Um die Engpässe zu überbrücken, werden Züri-Modular-Pavillons aufgestellt. Die Erstellungskosten betragen rund 3 Millionen Franken. «Die Pavillons nehmen den Kindern Platz zum Spielen weg und tangieren die Grünflächen», kritisiert Gemeinderat Marcel Müller. Die Verdichtung in der Stadt habe eben auch Einfluss auf das Schulareal, kontert Stadtrat Leutenegger. In jedem Fall werde aber sorgfältig geprüft, wie die Pavillons angeordnet werden können. In Zürich stehen zudem einige Schulhäuser unter Denkmalschutz. «Dies macht für uns keinen Sinn. Wir haben einen Vorstoss eingereicht, um geschützte Bauten aus dem Schutz zu entlassen», sagt Marcel Müller.

Wie das Hochbaudepartement auf Anfrage erklärt, seien viele Schulhäuser im Inventar schützenswerter Bauten erfasst. Das heisse aber noch nicht, dass die Bauten auch denkmalgeschützt seien. Wenn ein Gebäude inventarisiert sei, werde erst mit einem Bauvorhaben über allfällige Schutzmassnahmen entschieden.

Schulen, die neu realisiert werden, starten mit dem Tagesschulmodell. Die Stadt prüft aktuell neue Optionen, wie die Einmietung von Kindergärten in Erdgeschosswohnungen von Siedlungen oder die Einrichtung von Musik- und Werkräumen in angrenzenden Gebäuden. «Ein Ziel der Tagesschule 2025 ist, Räume effizienter und mehrfach zu nutzen», erklärt Filippo Leutenegger.

Was ist Ihre Meinung zum Thema? echo@tagblattzuerich.ch

 

 

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