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Reto Frei, Mitgründer der vegetarischen Restaurantkette Tibits. Bild: PD

"Die Fleischsteuer käme allen zugute"

Von: Jan Strobel

26. Juli 2016

Ernährung: Reto Frei ist Mitgründer der vegetarischen Restaurantkette Tibits. Er hält die Einführung einer Fleischsteuer für sinnvoll.

Reto Frei, Sie versuchen, im Tibits Ihren Gästen eine «moralisch korrekte Ernährung» anzubieten. Was genau verstehen Sie darunter, und wer setzt Moral beim Essen überhaupt fest?
Als meine zwei Brüder und ich das Tibits mitgründeten, hatten wir eine klare, persönliche Philosophie, die wir auch heute noch vertreten: Wir wollen eine vegetarisch-vegane, klimafreundliche Esskultur fördern, die zwar moralisch korrekt ist, dabei aber nicht mit dem Mahnfinger daherkommt. Im Vordergrund steht der Genuss und nicht die Belehrung. Wir bieten einfach eine andere Option in der Ernährung an. Dahinter steht also keine übergeordnete Moral, sondern schlicht unsere persönliche Überzeugung.

Angenommen, ich esse jeden Tag Fleisch, einfach, weil es mir schmeckt und ich Lust dazu habe – bin ich dann ein moralisch fragwürdiger Mensch, weil meine Ökobilanz nicht stimmt?
Natürlich nicht. Es ist eine Frage der Werte. Wie viel Verantwortung möchte ich durch mein Handeln tragen – für mich und die Generationen nach mir? Das ist eine vollkommen individuelle Entscheidung. Wenn es um den Fleischkonsum geht, ist es wissenschaftlich belegt, dass er weltweit einer der Hauptfaktoren für Treibhausgasemissionen darstellt. Ich stelle aber auch bei der Ernährung einen Wertewandel fest. Viele überzeugte Fleischesser reduzieren mittlerweile ihren Konsum.

Sie fänden eine Fleischsteuer sinnvoll, wie sie auch UNO-Experten fordern. Wie stellen Sie sich so eine Steuer vor?
Als mögliches Vorbild schwebt mir die Verkehrsabgabe bei Autos vor, bei der der jeweilige CO₂-Ausstoss ein Berechnungsfaktor ist. Eine solche Lenkungsabgabe könnte wiederum die Entwicklung zum Beispiel neuer, alternativer Technologien fördern, wie dies bei der Solarenergie geschah. Für den Konsumenten würde eine Fleischsteuer, oder neutraler eine CO₂-Steuer, auch Transparenz schaffen und vor allem regionale Betriebe und Anbieter fördern. Sie käme allen zugute.

Wie sieht eigentlich die Öko­bilanz der Tibits-Betriebe aus?
Wir legen grossen Wert auf ein klimafreundliches Angebot. Tatsächlich haben wir eine CO₂-Analyse durchführen lassen. Im Vergleich zu traditionellen Restaurantbetrieben, die Fleisch auf der Karte anbieten, weisen wir für den Wareneinkauf 62,3 Prozent weniger CO₂-Emissionen aus, das entspricht jährlich 2480 Tonnen CO₂.

Wie fänden Sie eine Fleischsteuer? Nutzen Sie die Kommentarspalte unten.

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Leserkommentare

Christoph Brugger - Reden wir doch mal über den CO2 Ausstoss, der durch die Einfuhr von Sojabohnen und anderen, nicht regionalen Produkten entsteht. Konsequenterweise müsste dann auch dieser besteuert werden. Leider habe ich Veganer als nicht wirklich konsequent erlebt, wenn
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Vor 3 Jahren 11 Monaten  · 
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Daniel Kunz - Sojabohnen werden übrigens vor allem importiert, um die kühe damit zu füttern, deren milch und fleisch wir essen. leider typisch, was sie machen - es ist wissenschaftlich erwiesen, aber sie sind ja selbst alltagswissenschaftler und basteln sich ihre eigene
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Vor 3 Jahren 11 Monaten  · 
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Oliver Jaggi - Ein absoluter Schwachsinn !! Ungerechtfertigt, Diskriminierend, Abwertend. So ein Unsinn kann echt nur abgelehnt werden ! Schliesslich sind wir in einemfreien Land, wo jeder essen soll und darf was er will, ohne dafür bestraft zu werden !! Ansonsten sollte
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Vor 3 Jahren 11 Monaten  · 
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Daniel Kunz - Gratuliere, Sie haben recht und unrecht. Nein, es ist nicht diskriminierend. Und ja, es sollten auf alle Produkte, die wir konsumieren auch die Kosten für die Schäden, die Sie am Planeten verursachen, versteuert werden. Das wäre dann fair - wenn Sie dann
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Vor 3 Jahren 11 Monaten  · 
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evita Eberhard - Eine Fleischsteuer ist schon lange überfällig. Fleisch ist absolut nicht notwendig für unsere Ernährung. Ein überflüssiges Luxusprodukt, das behandelt werden sollte wie etwa Tabak oder Alkohol. Inklusive Warnbilder auf der Packung, beim Tabak ging das
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Vor 3 Jahren 11 Monaten  · 
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