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Bettelnde Frau: Für organisierte Bettelbanden aus Osteuropa ist Zürich offenbar ein einträgliches Pflaster. Symbolbild: iStock

Die Profi-Bettler erobern Zürich

Von: Sacha Beuth

24. Mai 2016

Wer sich an stark frequentierten Orten der Innenstadt befindet, wird früher oder später von Bettlern angesprochen. Derartige Fälle nehmen laut Stapo immer mehr zu, wobei die Bettler oft professionell und gelegentlich aggressiv vorgehen.

Die Frau ist wohl um die 50. Sie trägt ein Kopftuch, ihr Körper ist von einem langen, dicken Baumwollkleid umhüllt. Leicht gebeugt schlurft sie an der Tramhaltestelle Bahnhofquai/Hauptbahnhof von einer wartenden Person zur nächsten. Provokativ hält sie diesen ihre leere Hand unter die Nase. «Geld, bitte.» Die Worte sind höflich, der Ton hingegen fordernd. Wenn die angebettelte Person ablehnend den Kopf schüttelt, rückt die Bettlerin noch näher ran und versucht es ein zweites Mal. Erst wenn auch dies nichts fruchtet, dreht sie sich ab und steuert auf ihr nächstes Opfer zu. «Das nervt. Und die werden immer aggressiver», enerviert sich Frau J. G. aus dem Kreis 5, eines der wartenden Opfer. Ausserdem habe sie das Gefühl, dass allgemein wieder mehr gebettelt werde.

Auf Rekordkurs

Zumindest Letzteres kann die Stadtpolizei Zürich bestätigen: «Nachdem die Zahl der Verzeigungen wegen Bettelei von 2012 bis 2014 von 800 auf 340 gesunken ist, steigt sie seit letztem Jahr wieder an», sagt Stapo-Mediensprecher Reto Schanz. 2015 wurden insgesamt 688 Verzeigungen registriert. Und 2016 könnte diesbezüglich sogar ein Rekordjahr werden, sind doch bis Mitte Mai bereits 225 Verzeigungen erfolgt und die «umsatzstarken» Warmwettertage noch ausstehend. Auf die Frage, worauf der Anstieg zurückzuführen sei, antwortet Schanz: «Wir haben festgestellt, dass seit der Erweiterung der EU-Ostgrenze der Betteltourismus zunimmt, da viele angezeigte Personen aus diesen neuen EU-Ländern stammen. Das sind meist bestens organisierte Banden, die in der Regel nahe der Schweizer Grenze ihr Quartier aufgeschlagen haben. Sie kommen dann mit Fahrzeugen in die Schweiz, laden ihre Bettler an stark frequentierten Punkten einer Stadt am frühen Morgen aus und sammeln sie gleichentags abends wieder ein.» Im Gegensatz zu diesen Bettelprofis würden einheimische Randständige eher spontan betteln. Dass Betteln in Zürich verboten ist, scheint weder die einen noch die anderen zu kümmern.

Ein immer aggressiveres Vorgehen der Bettler habe die Stapo gemäss Schanz dagegen nicht feststellen können. «Um die Situation unter Kontrolle zu halten, bringt die Stadtpolizei Bettler rigoros zur Anzeige.» Eine permanente flächendeckende Überwachung sei jedoch nicht möglich. «Im Übrigen kann jeder Einzelne dazu beitragen, die Bettelei einzudämmen, indem er erstens Bettlern grundsätzlich kein Geld gibt und zweitens bettelnde Personen anzeigt, sodass Zürich für diese wieder weniger attraktiv wird.»

Was meinen Sie? Nervt Sie die Bettelei ebenfalls, und gehen Bettler immer aggres­siver vor? Schreiben Sie uns: echo@tagblattzuerich.ch

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Leserkommentare

Ursula Aebi - immer wieder sind Bettler im TRAM anzutreffen, auch heute um 13.15 in der 7

Vor 4 Jahren 1 Monat  · 
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N Keller - Bettlerbanden täglich auf Tramlinie 7 anzutreffen

Vor 4 Jahren 1 Monat  · 
Noch nicht bewertet.

Leo Stern - Das ist ein ewig währendes Thema. Leider. Den besten Fall habe ich vor Jahren erlebt: ein gehbehindertet Bettler vor dem Restaurant der Autobahnraststätte Heidiland. Bitteschön: wie kommt ein Gehbehinderter in eine Autobahnraststätte? Was ich mache: ich
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Vor 4 Jahren 1 Monat  · 
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