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Das Zunfthaus zum Rüden (links) und daneben das Zunfthaus zur Zimmerleuten: Beide Häuser sollen neue Pächter erhalten. Die neuen Nutzungskonzepte müssen den Traditionen verpflichtet bleiben. Bild: AdobeStock

Drei "zünftige" Pächterwechsel

Von: Jan Strobel

01. Oktober 2019

In der Stadt Zürich suchen gleich drei Zunfthäuser neue Pächter. Bereits haben sich zahlreiche Interessenten beworben. Sicher ist: Die traditionellen Konzepte der Häuser sollen in Zukunft erhalten bleiben.

Es ist in der Stadt Zürich ein bisher einmaliger Vorgang – und für ambitionierte Gastronomen gleichsam ein unerwartet prestigeträchtiger Wettbewerb. Gleich drei Zürcher Zunfthäuser suchen derzeit einen neuen Pächter. Es sind allesamt geschichtsträchtige Perlen im Herzen der Stadt.

Konkret werden derzeit für das Zunfthaus zum Rüden, das Zunfthaus zur Zimmerleuten und das Restaurant Turm, das sich im Zunfthaus zur Letzi befindet, Neuverpachtungen ausgeschrieben. Gastgeber im Zunfthaus zum Rüden ist das Ehepaar Tami und Giovanni Pecoraro. Im Sommer 2020 werden sie das Pachtverhältnis mit der Genossenschaft zum Rüden beenden. «Wir bedauern das sehr», sagt Jürg Stüssi-Lauterburg, Constaffelherr und Präsident der Genossenschaft zum Rüden, der Eigentümerin des Hauses.

Dass sich das Ehepaar Pecoraro entschlossen habe, den Pachtvertrag nicht zu verlängern, sei die direkte Folge einer Sportverletzung von Giovanni Pecoraro mit unerfreulicher Prognose. «Die Treppen unseres an Treppen reichen Hauses würden auf die Dauer eine übergrosse Belastung darstellen», so Jürg Stüssi-Lauterburg. «Giovanni Pecoraro hat sich liebenswürdigerweise bereit erklärt, im Bedarfsfall auch nach der Übergabe im nächsten Sommer noch punktuell zur Verfügung zu stehen, was wir mit grosser Freude so aufgenommen haben.»

Keine Nachtkonzepte

Das Pächterpaar Pecoraro führt das Haus zum Rüden am Limmatquai seit Juni 2015, das zu diesem Zeitpunkt mit einem stagnierenden Umsatz zu kämpfen hatte. In den erfolgreichen Folgejahren wurde der Umsatz angehoben. Für die Weiterführung sind zwei Varianten vorgesehen. Die erste – und bevorzugte – Lösung sieht die Weiterführung des bisherigen Konzepts vor mit öffentlichem Restaurant, der Rüden-Bar und den repräsentativen Räumlichkeiten für verschiedenste Anlässe. Die Fixpacht ist dafür gemäss Ausschreibung mit mindestens 240 000 Franken pro Jahr festgelegt. Die zweite Variante sieht kein öffentliches Restaurant vor. Die Vertragsverhandlungen sind für diesen Dezember geplant, der Pachtbeginn für August 2020.

Der neue Pächter «sollte die Constaffler und Genossenschafter so pflegen, dass diese gerne in den Rüden kommen. Die Constaffler möchten sich im Rüden einigermassen zu Hause fühlen», heisst es in der Ausschreibung zu den Bedürfnissen der Eigentümer.

1985 eröffnete der Zürcher Gastronom Tony Navarro im gepachteten Zunfthaus zur Letzi sein erstes Restaurant Turm am Napfplatz. Mit seinem unkonventionellen, auf Exotik ausgerichteten Gastrokonzept galt Navarro damals als absoluter Trendsetter. Doch auch hier zeichnete sich trotz des Erfolgs in den letzten Jahren ein Umsatzrückgang ab, auch wenn der Turm nie in die roten Zahlen rutschte. Mit dem Ablauf des Pachtvertrags per Ende Mai 2020 soll nun die «Ära Tony» definitiv enden und voraussichtlich per Mitte September 2020 ein neuer Pächter den Stab übernehmen. «Für die Zunft zur Letzi und den Stubenmeister ist eine unkomplizierte und professionelle Zusammenarbeit essenziell», heisst es in der Ausschreibung. Wichtig sei, dass der Pächter mit seinem Team grössere Anlässe wie das Sechseläuten oder das Martinimahl bewältigen könne.

Als Zielvorgabe gilt ein jährlicher Umsatz ab dem dritten Betriebsjahr von rund 2,5 Millionen Franken. Nicht erwünscht seien Club-, Cabaret- und Nachtkonzepte sowie Gastrokonzepte «aus dem Nahen, Mittleren oder Fernen Osten».

Als eine der prestigträchtigsten Adressen sucht auch das Zunfthaus zur Zimmerleuten am Limmatquai einen neuen Pächter. Seit 1991 wird es vom Gastrounternehmen Kramer geführt, das unter anderem auch das Zunfthaus zur Schneidern betreibt. «Der Pachtvertrag läuft ordnungsgemäss am 21. Januar 2021 ab», sagt Nicolas von Graffenried, Vorsteher der Zunft zur Zimmerleuten. «Die Zunft zur Zimmerleuten hat einer externen Beraterin ein Ausschreibungsmandat erteilt. Dieser Prozess wird im Frühling 2020 abgeschlossen sein.» Die Anzahl der Interessenten sei bereits erfreulich. Die neuen Pächter müssten vor allem Gastgeber sein und eine grosse «Ja, gerne»-Kultur vorleben.

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