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Ein Schrebergarten in Zürich ist Glückssache

Von: Ginger Hebel

18. April 2017

Familiengärten: Allein auf dem Käferberg warten aktuell 180 Personen auf einen Schrebergarten. Es gibt viel mehr Interessenten als Gärten, denn für Bauprojekte wie das Eisstadion auf dem Vulkanareal gehen Hunderte Parzellen verloren.

Schrebergärten sind bedeutende Erholungsräume, gerade in Städten, sie sind Orte der Ruhe und Entfaltung. 5500 Schrebergärten gibt es in Zürich. Das grösste Areal: der Juchhof in Altstetten. Doch wegen der zunehmenden Verdichtung verschwinden immer mehr dieser Oasen. 120 Familiengärten fallen dem vom Volk beschlossenen Eishockeystadion der ZSC-Lions auf dem Vulkanareal zum Opfer. Hier gärtnern 40 Nationalitäten. «Die Situation trübt die Stimmung», sagt Robert Kümin, Vorstand des Familiengartenvereins Altstetten-Albisrieden.

Alternative Dunkelhölzli

Im Freilager-Quartier in Albisrieden werden voraussichtlich 90 Gärtnerinnen und Gärtner ihre Parzelle ver­lieren, hier plant die Stadt eine neue Schulanlage. Auch im Eichrain und Grubenacker in Seebach gibt es bald Überbauungen statt Gartenzwerge und Gurken. Konkret gehen in den Arealen Bernerstrasse/Vulkan, Eichrain, Hard, Freilager, Grubenacker und Glaubten/Althoos bis zum Jahr 2020 8,2 Hektaren Gartenland ver­loren. Grün Stadt Zürich bemüht sich intensiv um neue Areale.

Ab 2019 bis 2021 könnten im Dunkelhölzli, Tüfwiesen und Fronwald 5,1 Hektaren neue Flächen bereit­gestellt werden, vorausgesetzt, der Gemeinderat stimmt den Projekten zu und es gehen keine Rekurse dagegen ein. «Diejenigen, die einen Garten verlieren und einen neuen wollen, werden bei der Vergabe im Dunkelhölzli bevorzugt behandelt», sagt ­Lukas Handschin von Grün Stadt ­Zürich. Die Erfahrung jedoch zeige, dass einige bei der Kündigung der Pacht ganz aufhören, meist wegen des Alters.

2 Jahre warten auf Garten

Grün Stadt Zürich verpachtet das Land an die Familiengarten-Ortsvereine, diese vergeben die einzelnen Flächen auf ihrem Areal. Im Schnitt wird in der Stadt jeder siebte Garten im Verlaufe eines Jahres frei, doch die Wartelisten sind lang, besonders beliebt sind die Schrebergärten auf der Waid. «Im Frühling haben wir einen Anmeldeboom. Aktuell warten 180 Personen auf einen Garten auf dem Käferberg», sagt Ursula Hässig, Präsidentin des Familiengartenvereins Zürich-Wipkingen. Anmeldungen werden zwei Jahre lang pendent gehalten, doch eine Garantie auf einen Garten gibt es nicht, «auf dem Käferberg ist es eine Glückssache», so Hässig. Familien mit Kindern werden bevorzugt behandelt. In Altstetten gärtnern viele ältere Personen, man hat festgestellt, dass Kinder im Teenageralter oft die Freude am Garten verlieren. Gärten werden in erster Linie zum Gärtnern verpachtet. Die neue Kleingartenordnung regelt die Bauvorschriften, so benötigt man für das Aufstellen eines Gartenhauses eine Baubewilligung.

Wird es den klassischen Familien­garten in Zukunft noch geben, wenn der Platz immer knapper wird? «Die Nachfrage nach kleineren Parzellen wächst», stellt Lukas Handschin fest. Auch entstehen neue Formen wie Hinterhofgärtnern in Pflanzkisten oder in ausrangierten Einkaufswagen (Brauergarten) bis hin zu Zwischennutzungen wie der Stadionbrache. Das jüngste Projekt in der Stadt: Querbeete in Seebach.

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