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Corine Mauch (SP), Stadtpräsidentin von Zürich. Bild: PD

Fokus auf Miteinander setzen

Von: Corine Mauch/LEH

28. Juli 2020

1. AUGUST Zum Nationalfeiertag hat sich Stadtpräsidentin Corine Mauch Gedanken zur Bedeutung des Wortes «Heimat» gemacht. Mit dem Begriff verbindet Sie Aspekte wie Respekt, Interesse und Gemeinsamkeit.

«Heimat ist da, wo es einen Unterschied macht, ob es mich gibt.» Auf diese Aussage des deutschen Soziologen Harald Welzer bin ich vor einigen Jahren im Lenzburger Stapferhaus in der vielbeachteten Ausstellung zum Thema «Heimat» gestossen. Was mich an dieser Definition anspricht, ist der Fokus auf das Miteinander, auf die Interaktion mit der Mitwelt. Diese kann ganz unterschiedlicher Form sein und sich zeigen im sorgsamen Umgang mit der Natur und unseren Ressourcen, in der Fürsorge füreinander, in der kreativen Gestaltung der eigenen Umwelt.

Auch für mich sind es Aspekte wie Austausch, Interesse, Respekt und Nähe, die Geborgenheit und Heimat geben. Das haben wir gerade in den letzten Monaten eindrücklich erfahren. Rein physisch gesehen war und ist in dieser besonderen Zeit Distanz gefordert. Gleichzeitig haben wir aber auch zahlreiche Facetten von gesellschaftlicher Solidarität kennengelernt. Es wurde uns auf vielfältige Weise vor Augen geführt, wie Solidarität in der Nachbarschaft, zwischen Generationen, mit verletzlichen Menschen und mit jenen, die die gesellschaftliche Grundversorgung aufrechterhalten, aussehen kann. Dieser grosse gesellschaftliche Zusammenhalt ist weiterhin spürbar – und gibt mir persönlich ein Gefühl der Zugehörigkeit und Geborgenheit.

Welchen Unterschied wollen und können wir in einer Gesellschaft machen? Welche Werte, Orte, Menschen und Traditionen sind uns wichtig und stiften für uns Orientierung? Was bewegt uns als Gesellschaft und wie soll unser Zusammenleben im 21. Jahrhundert aussehen? Die «NEXPO – die neue Expo», die Initiative der zehn grössten Schweizer Städte für die nächste Landesausstellung, geht diesen Fragen nach. Zum Nationalfeiertag lanciert die NEXPO am 1. August 2020 die Meinungsumfrage «NEXPLORER», in der es um unsere Werte geht, zum Beispiel um die Frage, was uns gemeinsam glücklich macht.

Die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, dass wir mehr erreichen, wenn wir uns zusammentun. Wir geben uns gegenseitig Heimat, indem wir füreinander da sind.

 

Zürich zeigt sich am 1. August in Vollbeflaggung

Für Stadtrat Raphael Golta, Präsident der Stadtzürcher Bundesfeier, fehle etwas, den 1. August ohne Bundesfeier zu begehen. An der Tradition, die Stadt zu schmücken und zu beflaggen, halte man aber fest.

Ein Nationalfeiertag ohne öffentliche Feiern. Ohne Redner. Ohne Botschaften. Ohne Musik. Der 1. August in Zürich wird wohl still wie nie. Sie sind Präsident der Stadtzürcher Bundesfeier. Was löst das in Ihnen aus?

Raphael Golta: Es fehlt natürlich etwas, wenn wir dieses Jahr den 1. August ohne Bundesfeier begehen. Nach dem Sechseläuten ohne Böögg und dem 1. Mai ohne Umzug haben wir uns aber – leider – schon etwas daran gewöhnt, dass im Jahr 2020 alles anders ist.

Wird die Stadt Zürich trotz allem beflaggt und geschmückt?

Natürlich. Wir halten an der Tradition fest, und Zürich zeigt sich am Nationalfeiertag in Vollbeflaggung.

Der 1. August steht auch für Zusammenhalt. 2020 ist aber das Jahr der sozialen Distanz. Welche Schweizer Werte gilt es, derzeit umso mehr zu pflegen und verteidigen?

Ich finde den Begriff der «sozialen Distanz» eigentlich unpassend. Die Pandemie hat uns ja dazu gezwungen, «physische» Distanz einzuhalten. Und gerade in dieser anspruchsvollen Zeit haben zahlreiche private, zivilgesellschaftliche und staatliche Initiativen mitgeholfen, basierend auf dem Wert der Solidarität, die sozialen Qualitäten der Schweiz zu bewahren. So hoffe ich: Das Jahr 2020 bleibt vor allem auch als Jahr der Solidarität in Erinnerung.

Verstehen es die Verantwortlichen in den Quartieren, die jedes Jahr mit grossem Engagement ihre Strassen schmückten und Feste organisierten, dass dieses Jahr alles anders ist?

Es ist allen klar: Dieses Jahr können wir den Nationalfeiertag nicht wie gewohnt mit Quartierfesten oder grossen Festgesellschaften zelebrieren. Auch die Quartiervereine haben Verständnis für diese besondere Situation und viele verzichten deshalb auf die 1.-August-Feiern.

Wie feiern Sie den 1. August?

Nachdem «mein» 1. August in den letzten Jahren stets von der städtischen Bundesfeier geprägt war, habe ich für dieses Jahr noch keine besonderen Pläne. Wir werden sicher etwas als Familie unternehmen.

Was wären der erste und der letzte Satz Ihrer 1.-August-Ansprache dieses Jahr?

«Die letzten Monate haben uns allen persönlich, aber auch als Gesellschaft unsere Stärken sowie unsere Schwächen offengelegt.» «Auf den vorhandenen Stärken müssen wir aufbauen, aus den Schwächen unsere Lehren für die Zukunft ziehen.»

Was bedeutet Ihnen Heimat?

Für viele ist Heimat kein Ort, sondern ein Gefühl: Für mich ist es Ort und Gefühl. Ich bin seit meiner Geburt in Zürich verwurzelt, habe immer hier gelebt und gearbeitet. Ich habe hier geheiratet und gemeinsam mit meiner Frau unsere Familie gegründet. Die Stadt hat meinen Charakter geprägt, und ich darf heute die Geschicke dieser Stadt mitgestalten.

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Leserkommentare

Barbara Speich - Leider können dieses Jahr,die wenigsten Auslandschweizer in der "Heimat" DEN 1.August zu "Hause" feiern. liebe Grüsse aus Serbien.

Vor 1 Monat 2 Wochen  · 
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