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Philipp Fankhauser mit seinem geliebten Mops Trevor, der den Sänger seit fünf Jahren auch auf Tour begleitet. (Bild: Adrian Ehrbar Photography)

«Für einen Hit biedern wir uns keinem Trend an»

Von: Christian Saggese

03. Dezember 2019

Er ist ein pessimistischer Optimist, hat ein Herz für Balladen und singt ungern über politische Themen: Der Schweizer Bluesstar Philipp Fankhauser ist wieder auf Tour und spielt am 16. Dezember im Zürcher Kaufleuten. Mit dabei: Hund Trevor – sowie ein neues Album voller Überraschungen.

Vor ziemlich genau 30 Jahren begann die musikalische Karriere von Bluesmusiker Philipp Fankhauser. Mit elf Jahren hielt der heute 55-Jährige seine erste Gitarre in der Hand, 1989 veröffentlichte der in Thun geborene Musiker sein Debütalbum «Blues for the Lady». Am 13. Dezember erscheint nun sein bereits 16. Album: «Let Life Flow». In seinem Büro in Rümlang, das dekoriert ist mit zahlreichen Auszeichnungen, gewährte er einen Einblick in sein aktuelles musikalisches Schaffen.

Ihr neues Album «Let Life Flow», das am 13. Dezember erscheint, bietet eine grosse Überraschung: Ihren ersten Mundart-Song. Wieso hat es so lange gedauert?

Philipp Fankhauser: (lacht) Mit dem Namen Fankhauser, der aus dem Emmental kommt, müsste man meinen, ich sei in der Mundartmusik stark verankert. Die Wahrheit ist, dass ich schon versucht habe, Songs auf Berndeutsch zu schreiben. Es existieren sogar einige Demoaufnahmen. Doch ich war nie wirklich zufrieden mit den Liedern. Textlich ­waren sie mir meist zu flach.

Dieses Lied ist ein Coversong des grossen Mundartrock-Komponisten Hanery Amman (Alperose), «Chasch mers gloube».

Letztes Jahr kam Jeanette Amman, die Schwester von Hanery, auf mich zu, und bat mich, bei einem Tributekonzert für ihren im Dezember 2017 verstorbenen Bruder zu singen. Ich hatte das Glück, sein Lied «Chasch mers gloube» covern zu dürfen. Für mich einer der besten Schweizer Songs, der auch textlich und geschichtlich gut zu mir passt. Also packte ich den Song gleich mit aufs Album.

Hatten auch Sie eine Phase, in der Sie am liebsten alles hingeschmissen hätten? Denn «Chasch mers gloube» ist ein sehr optimistischer Song, der aussagt, dass man zwar Tiefpunkte hat, aus diesen aber auch immer aus­brechen kann.

Die gibt es immer wieder! Auch mit 30 Jahren Erfahrung in diesem Business habe ich oft noch Selbstzweifel und schlechte Träume, sobald ein Album fertiggestellt ist, es aber noch einige Wochen bis zur Veröffentlichung dauert. Ist das Album gut genug? Wie wird es von den Fans und Kritikern auf­genommen? Besucht man weiterhin meine Konzerte? Schliesslich habe ich auch eine Verpflichtung meiner Band gegenüber, dass wir durch unsere Musik an Auftritte kommen. Letztlich lässt sich das aber nicht beeinflussen. Wir machen die Musik, die wir wollen, und biedern uns keinem Trend an, um etwa einen Hit zu landen. Ich kann immer wieder nur aufs Neue hoffen, dass unsere Musik auch anderen Menschen gefällt.

Fühlen Sie sich als öffentliche Person verpflichtet, in den heutigen Zeiten der Unruhen mit Ihrer Musik optimistische Stimmung zu verbreiten und Mut zu machen?

Ich selbst bezeichne mich als Pessimisten mit einer Tendenz zum Glücklich-sein-Wollen. Deswegen möchte ich schon mehrheitlich eine positive Message verbreiten. Blues hat ja sowieso den Ruf, eine Jammermusik zu sein, was sie aber überhaupt nicht ist. Verpflichtet fühle ich mich aber zu nichts. Vielmehr möchte ich, dass sich die Menschen wohlfühlen, wenn sie meine Musik hören, sie sollen für 60 bis 90 Minuten ihre Gedanken ausschalten können und nicht ­immer an die Probleme der Welt erinnert werden. Auch wenn ich Künstler mit politischen und gesellschaftskritischen Texten natürlich respektiere.  

(In diesem Moment betritt Philipp Fankhausers Hund Trevor den Raum. Der Mops begleitet den Sänger bereits seit fünf Jahren.)

Trevor hat als Ihr ständiger Begleiter mittlerweile auch seine Fans . . . Haben Sie jemals einen Song für ihn geschrieben?

Nein, aber ich habe einen Song von Little Milton aufgenommen, der heisst «My Dog and Me». Das war meine kleine Liebeserklärung an Trevor. 

(Trevor schläft ein. Das restliche Interview wird von einem feinen Schnarchen begleitet.)

Zurück zum neuen Album: Mit dem Coversong «Milano», ursprünglich vom italienischen Liedermacher Lucio Dalla, haben Sie auch Ihr erstes italienisches Lied auf der Platte.

Lucio Dalla gehört zu meinen absoluten Lieblingskünstlern. Es gibt einen anderen Song von ihm, der für mich der beste ist – «L’anno che verrà». Dieser war für mich aber schlicht zu schwierig nachzusingen. Und komplett ändern wollte ich die Komposition nicht, dafür ist sie zu gut. Deshalb habe ich mich für meinen zweitliebsten Song, «Milano», entschieden. Auch eine Herausforderung, da Lucio Dalla eine einzigartige Stimme hat. Doch das Ergebnis gefällt mir.

Das Album ist eine Mischung aus schnellen Nummern und Balladen. Was bevorzugen Sie?

Ich muss zugeben, mein Herz schlägt schon in erster Linie für Balladen. Als ich vor 15 Jahren meiner Plattenfirma vorgeschlagen hatte, für eine CD nur Slow-Blues-Songs aufnehmen zu wollen, drohten sie mir mit allem, was es gibt. (lacht) Ich mag aber natürlich auch unsere Up-Tempo-Nummern. Das macht eine Platte wie auch ein Konzert vielfältig.

Was ist Ihr Lieblingstrack vom kommenden Album?

«The Rock of Your Love», auch ein Coversong, im Original von Countrysänger Vince Gill. Ich bin der Ansicht, dass es im Country die besten Texter gibt. Sie malen mit ihren Lyrics Bilder, entführen die Hörer in eine andere Welt. Deswegen hatte ich grossen Respekt davor, dieses Stück neu zu interpretieren, doch ich bin überzeugt, es ist gelungen. Ich habe sogar einen Hauch Gospel einfliessen lassen.

Können Sie sich noch an die erste Platte erinnern, die Sie sich gekauft haben?

Da war ich zwölf Jahre alt und ein grosser Fan von The Sweet. In einem Plattenladen in meiner alten Heimatstadt Locarno schwärmte ich von dieser Rockband. Die älteren Leute dort lachten mich dafür aber mehrheitlich aus. (lacht) Und sie meinten, dass Derek and the Dominos, ein damaliges Projekt von Eric Clapton, momentan total angesagt sei, insbesondere deren Doppelalbum «Layla and ­Other Assorted Love Songs». Also wollte ich die Platte unbedingt haben und liess sie mir aus Kanada importieren. 35 Franken habe ich bezahlt, für mich damals als kleiner Junge viel Geld. Doch es hat sich gelohnt, ich war total stolz. Die Platte habe ich auch heute noch! 

Heute ist Streamen angesagt. Auch Sie haben damit begonnen, Ihre Discografie auf Spotify & Co. zu veröffentlichen. Sehen Sie diese Plattformen als Chance oder als notwendiges Übel?

Da bin ich zwiegespalten. Aus geschäftlicher Sicht bin ich, was digitale Musik betrifft, sogar ein Pionier. Als einer der ersten Schweizer Musiker schloss ich bereits 2004 einen Vertrag mit Apple ab, damit sie meine Alben auf iTunes zum Download anbieten konnten. Danach habe ich das Interesse an der Onlinewelt verloren und die Entwicklung ein wenig verschlafen. Es waren nun meine Partner von Sony, die mir die Bedeutung des Streaminggeschäfts näherbrachten. Aus persönlicher Sicht bin ich nicht unbedingt ein Fan vom Streamen. Man erreicht über diesen Weg zwar ein neues Publikum, doch die Musik verkommt gleichzeitig zur Massenware, sie verliert an Wert, was für den Künstler sehr bedauerlich ist.

Spotify sorgt auch dafür, dass mehr über einzelne Songs als über ganze Alben gesprochen wird. Stört Sie das?

Das finde ich nicht schlimm, da ich nie einer war, der sich etwa ein Konzept für ein Album überlegt hat. Bei mir entsteht Song nach Song. Sind genügend vorhanden, veröffentliche ich sie als Album. Natürlich sollen sie schon alle über ein ähnliches Klangbild verfügen, doch das ergibt sich automatisch, da ich in jenem Moment ja genau solche Musik machen will.

Sie gehen bald auf grosse Tournee. Was darf man erwarten?

Die letzten zwei Jahre war ich mit einer grossen Formation unterwegs, mit Bläsern und Backing-Vokalistinnen. Bei der kommenden Tour sind wir wieder als Quintett unterwegs. Darauf freue ich mich besonders, denn im Gegensatz zu einer Big Band sind wir deutlich flexibler und haben mehr Platz für Spontaneität, die ganze Show muss nicht komplett durchkonzipiert sein. Zu hören gibt es natürlich meine neuen Songs und auch einige Klassiker.

Ist «Let Life Flow» Ihr bisher bestes Album?

(überlegt) Ich bewerte meine Alben ungern selbst, da jedes seine Geschichte hat. Blicke ich zurück, ist für mich der Vorgänger, «I’ll Be Around», dasjenige, das fast an ein perfektes Album rankommt. So habe ich mir meine Musik immer vorgestellt und wusste auch, dass ich dieses nicht so leicht toppen kann. Ein Jahr lang war ich ziemlich ratlos, wohin die Reise gehen soll. Doch mit der Quintett-Formation ergaben sich plötzlich neue Möglichkeiten. Der Sound ist wieder reduzierter, dadurch teils persönlicher. Ist es nun mein bestes Album? Vermutlich ja. Weil es die besten Songs enthält, die ich je ­gemacht habe.

Weitere Informationen:
Das 16. Studioalbum von Philipp Fankhauser «Let Life Flow» erscheint am 13.12., live zu erleben ist Philipp Fankhauser am 16. Dezember um 20 Uhr im Kaufleuten ­Zürich, Pelikanplatz.
www.philippfankhauser.com

 

TICKETS ZU GEWINNEN

Das «Tagblatt der Stadt Zürich» verlost 3 x 2 Tickets für das Fankhauser-Konzert am 16.12. im Kaufleuten Zürich! Schreiben Sie uns eine E-Mail mit Namen, Adresse, Telefon, E-Mail-Adresse und Betreff Fankhauser an: gewinn@tagblattzuerich.ch

 

 

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