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Laut UGZ hält die Extra-WC-Anlage auf der Piazza Cella an der Langstrasse Personen erfolgreich vom wilden Urinieren ab. Bild: SWE

Gegen Wildpinkler

Von: Stine Wetzel

19. Juni 2018

Wildes Urinieren sei an Grossveranstaltungen ein echtes Problem, sagt das Gesundheitsdepartement. Auflagen für die Veranstalter, mobile WCs und ein Anti-Urin-Mittel sollen die Situation verbessern.

Public Viewings während der WM und Open Airs, Caliente und Street Parade: Mit den Sommeranlässen beginnt in Zürich auch die Saison der Wildpinkler. «Urin im Freien ist in Zürich ein echtes Problem, vor allem an Grossveranstaltungen», sagt Anke Poiger, Sprecherin Umwelt- und Gesundheitsschutz Zürich (UGZ). Das Problem sei nicht nur hygienischer Natur. «Je nach Gebäude- und Untergrundstruktur können Urin und Fäkalien auch die Bausubstanz angreifen.»

Gleiche Busse fürs Spucken

Die Stadtpolizei ahndet das Urinieren in der Öffentlichkeit mit einer Ordnungsbusse von 80 Franken – im Vergleich zu anderen Städten eher wenig. Genauso viel bekommt man in Zürich aufgebrummt, wenn man seinen Müll liegen lässt oder aufs Trottoir spuckt – alles Verstösse gegen den Artikel 10 der Allgemeinen Polizeiverordnung: «Es ist verboten, öffentliches oder privates Eigentum zu verunreinigen, zu verändern oder zu beschädigen.» 2017 wurden 311 solche Ordnungsbussen verhängt, so Marco Bisa, Sprecher der Stadtpolizei. Die einzelnen Fälle von Wildpinklern lassen sich jedoch nicht beziffern.

107 öffentliche WCs

Gegen das wilde Urinieren setzen die Städte auf verschiedene Mittel: Hamburg hat für die Hauswände einen flüssigkeitsabweisenden Lack, St. Gallen in den Boden versenkbare Pissoirs und Paris Pinkelblumenbeete. In Zürich setzt man vor allem auf die öffentlichen Toilettenanlagen. Die Stadt betreibt 107 Züri-WCs. Vor allem jene in der Innenstadt und in den Sommermonaten jene rund ums Seebecken werden am meisten benutzt. In den vergangenen Jahren waren die Züri-WCs oft Zielscheibe von Vandalen. Spitzenreiter war das WC an der Klopstockwiese. 2014 musste es wegen Vandalismus 21-mal repariert werden. Inzwischen werden die WCs aber mit «vandalismusresistenten Materialien» umgerüstet, so UGZ-Sprecherin Poiger.

Zitrone gegen Uringestank

Um Wildpinkler zu verhindern, macht die Stadt Veranstaltern genaue Vorgaben für die Toiletteninfrastruktur. Laut Büro für Veranstaltungen müssen ab 5000 Besuchern 22 Damen- und 11 Herren-WCs zur Verfügung stehen. Pro 1000 Besucher mehr braucht es 4 Damen- und 2 Herren-WCs mehr. Beim bevorstehenden Caliente dürften demnach um die 690 WCs aufgestellt werden. Nach Grossveranstaltungen und sommerlichen Wochenenden kommt ausserdem ein Anti-Urin-Mittel zum Einsatz, das den Gestank übertünchen soll. «Zusätzlich werden situativ Nassreinigungen durchgeführt», heisst es seitens Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ). Die Stadt Bern gibt laut Recherchen der «SonntagsZeitung» jedes Jahr 100 000 Franken aus, um die Urinspuren in der Stadt zu beseitigen. Die Abteilung ERZ kann den Aufwand für Zürich nicht beziffern, «weil er nicht separat erfasst wird», heisst es auf Anfrage.

Extra-WCs an Problemstellen

In anderen Städten gibt es zur Ergänzung der öffentlichen WC-Anlagen die «Nette Toilette» – etwa in Basel: Betriebe erklären ihre WCs für öffentlich und bekommen dafür eine Aufwandsentschädigung. Der Zürcher Gemeinderat lehnte das Postulat zu einem solchen Konzept aber 2014 ab. Als ehemalige UGZ-Vorsteherin gab Claudia Nielsen damals zu Protokoll, dass man sich mit den öffentlichen Toiletten begnüge, weil sie 24 Stunden am Tag zugänglich seien und dem Behindertengleichstellungsgesetz entsprächen – ganz im Gegenteil zu den Restauranttoiletten. Ausserdem führe die Frage, welche Gastrobetriebe sich beteiligen dürften, zu Problemen. Mit 34 zu 80 Stimmen war die «Nette Toilette» vom Tisch.

Als Ergänzung zu den öffentlichen WCs stellt die Stadt aber «an den neuralgischen Orten versuchsweise temporär mobile WC-Anlagen auf», sagt UGZ-Sprecherin Poiger. Die mobilen WCs stehen derzeit an der Hürstwiese und an der Langstrasse, auf der Piazza Cella. «Gemäss den Anrainern konnte das Problem damit im Gebiet Langstrasse entschärft werden», so Poiger.

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Leserkommentare

René-Gaston Sauvain - Wir hatten das Problem hier in Spanien auch, vor allem während der Touristensaison. Es wurden
transportable Pissoir eingerichtet und wenn jemand doch im Freien pisst wird er mit 200 E gebüsst!
Seitdem ist praktisch Ruhe!

Vor 2 Jahren 2 Wochen  · 
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René-Gaston Sauvain - Habe noch vergessen zu erwähnen, dass in Spanien auch Nichtkunden in Restaurants auf die
Toilette dürfen und die meisten geben am Buffet einen kleinen Obolus ab!

Vor 2 Jahren 2 Wochen  · 
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