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Der Eingang zum Friedhof Sihlfeld an der Aemtlerstrasse in Zürich-Wiedikon. Bild: PD

Gestörte Besinnung

Von: Jan Strobel

19. Mai 2020

Der Friedhof Sihlfeld mit seinen ausgedehnten Grünanlagen wird als Treffpunkt für Sex und für Drogendeals missbraucht.

«Beim Eingang Aemtlerstrasse durch den Torbogen, dann gleich rechts und wieder rechts um das Gebäude. Treppe runter ins Männer-WC. Drei Pissoirs und zwei Kabinen. Ist während der Öffnungszeiten erreichbar. Ist immer wieder jemand dort» oder: «Geht viel ab, oft sehr ungestört, da fast nur Kerle für das eine kommen. Auch zu dritt oder zu viert.»

Die Einträge stammen aus einem Online-Forum, das schweizweit Cruising-Treffpunkte für Männer, die Sex mit Männern suchen, auflistet. Der Begriff «Cruising» – kreuzen – bezeichnet dabei die mobile Suche nach einem Sexualpartner, in Parks, auf Parkplätzen oder eben in öffentlichen Toilettenanlagen.

Treffen in der Dunkelheit

Das männliche «Lustwandeln» indessen hat in diesem konkreten Fall einen Haken. Die Suche nach Sex findet hier ausgerechnet an einem besonders sensiblen Ort statt: Der Friedhof Sihlfeld in Zürich-Wiedikon mit seinen ausgedehnten Grünanlagen bietet der Szene ein ideales Umfeld, um sich, meistens im Schutz der Dunkelheit, treffen zu können.     

Das Problem ist auch dem Quartierverein Wiedikon bekannt, bei dem diesbezügliche Klagen eingegangen sind. In seinem neusten Newsletter geht der Quartierverein auf die Beschwerde eines Mieters eines Familiengrabs ein, der die Zustände im Friedhof bereits seit längerem beklagt. Der Betroffene kläre nun mit einem Rechtsanwalt ab, ob der Friedhof Sihlfeld nachts geschlossen werden könne. Friedhöfe, so die Begründung, seien Stätten der Ruhe und der Besinnung, eine Nutzung als Cruising-Areal widerspreche mithin diesem Reglement.

Doch nicht nur das Männer-Crusing ist ein Problem. Der Friedhof soll auch als Treffpunkt des Drogenhandels dienen. «Die Beobachtung von Quartierbewohnern wurde mir bei einem Gespräch mit Securitas-Patrouillen im Friedhof bestätigt», sagt dazu Urs Rauber, Präsident des Quartiervereins Wiedikon. «Sie würden bei ihren Kontrollgängen immer wieder auf Drogendepots stossen.» Der Quartiervereinspräsident sieht es gleich wie der Mieter des Familiengrabs: «Es ist mir schlicht unverständlich, dass der Friedhof Sihlfeld auch nachts jederzeit zugänglich ist.»

Der Situation im Friedhof Sihlfeld ist sich auch das Bestattungs- und Friedhofamt der Stadt Zürich bewusst. «Ja, wir kennen das Problem des Cruisings und des Drogenhandels seit längerem», bestätigt Rolf Steinmann, Leiter des Bestattungs- und Friedhofamts. «Es trat im Verlauf der Jahre unterschiedlich häufig auf und wird unterschiedlich wahrgenommen.»

Beides sei auf einem Friedhof nicht angebracht. Und beides finde sowohl innerhalb wie auch ausserhalb der Betriebszeiten der Anlage statt. «Wir sind in regelmässigem Kontakt mit der Polizei. Zudem werden zurzeit zusätzliche Patrouillen durch die Securitas durchgeführt. Unser Friedhofspersonal ist auf diese Themen sensibilisiert.»

Zur Thematik der Öffnungszeiten macht Rolf Steinmann klar: «Die Friedhöfe sind wie die Parkanlagen öffentlicher Grund und sollen zu jeder Tageszeit zugänglich sein. Die meisten Besuchenden der Friedhöfe schätzen die Schönheit und wissen, dass Friedhöfe sehr sensible Orte sind. Ruhe und Ordnung werden in der Regel gut respektiert.» In Zeiten von Corona würden diverse Friedhöfe allerdings intensiver genutzt, was zu mehr Nutzungskonflikten geführt habe als gewöhnlich.

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Leserkommentare

vera gloor - nachts schliessen dann sind die probleme vom Tisch aber nicht zu lange warten und nicht 7 en sitzungen machen wie in der schweiz ùblich --angefangen hat es schon vor 6 jahren als ich die Gràber meiner Familie besuchte komische Typen kreuzten
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Vor 1 Woche 6 Tagen  · 
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