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Zürichs letzte grosse Baulandreserve: Die Schrebergärten an der Thurgauerstrasse verschwinden (l.), 700 Wohnungen sollen auf dem Areal entstehen. Bilder: GH/PD

Grosse Pläne für Bauland

Von: Ginger Hebel

09. November 2021

Entwicklungsgebiet: Nach Abschluss der Bautätigkeit werden bis zu 1800 Menschen im Quartier Thurgauerstrasse in Leutschenbach leben. Temporär ist ab nächstem Sommer eine Traglufthalle für schulische Zwecke geplant. 

Auf dem 65 000 Quadratmeter grossen Areal Thurgauerstrasse wird eines der grössten noch freien Areale der Stadt Zürich weiterentwickelt. Mit dem Bau des Schulhauses, das voraussichtlich Ende 2024 fertig wird, konnte die Stadt bereits beginnen. Beim Quartierpark wird der Mitwirkungsprozess zum Ausbau im kommenden Jahr fortgesetzt. In den übrigen Teilgebieten werden gemeinnützige Wohnungen und Gewerbe entstehen. Für den hierzu notwendigen Gestaltungsplan erwartet die Stadt jederzeit die kantonale Genehmigung. Sobald auch dieser Gestaltungsplan in Kraft getreten ist, startet die Stadt mit dem Verfahren für die Vergabe der Baurechte.

Zwischen Thurgauerstrasse und Bahnlinie befindet sich das Einfamilienhaus-Quartier Grubenacker. Die Eigentümerinnen und Eigentümer erhalten seit Kurzem immer wieder Post von Immobilienfirmen, die Kaufangebote unterbreiten. «Sie sind mit grossem Eifer daran, Grundstücke zusammenzukaufen und rein profitorientierte Neubauprojekte aufzugleisen», sagt Christian Häberli, Präsident IG Grubenacker. «Dass die rot-grüne Stadtregierung es verpasst hat, dies mit einem geeigneten Planungsinstrument zu verhindern, enttäuscht mich.»

Die Stadt Zürich versichert auf Anfrage, dass kleinere und grössere Baugenossenschaften zum Zug kommen werden und damit mehr gemeinnütziger Wohnraum geschaffen wird. «Bei der Entwicklung ist es zudem ein wichtiges Ziel, die vielen unterschiedlichen Interessen und Vorgaben unter einen Hut zu bringen und das bestehende Quartier einzubeziehen», betont Stadtrat Daniel Leupi.

Hochhäuser umstritten

Die Verabschiedung des Gestaltungsplans für Wohnen und Gewerbe verzögerte sich aufgrund eines Referendums der IG Grubenacker. Sie hatte das Gefühl, dass die Stadt dieses Projekt einfach durchziehen will – ohne gegenseitigen Austausch. «Wir sind in den Startlöchern und werden uns um Baurecht bewerben. Wir hoffen, dass wir das neue Areal aktiv mitgestalten dürfen», sagt Häberli. 700 Wohnungen sollen auf dem Areal entstehen. Die ersten werden frühestens ab 2028 in Etappen erstellt. Die Alterswohnungen und das Gesundheitszentrum werden voraussichtlich 2030 bezugsbereit sein. Die äussersten beiden Teilgebiete werden in einer zweiten Etappe im Baurecht vergeben und frühestens ab 2033 entwickelt. Bis zur Bebauung bieten sie Potenzial für Zwischennutzungen (z.B. bis das Schützenhaus fertiggestellt ist).

«Der neue Quartierteil wird eine Vielzahl preisgünstiger Wohnungen und Gewerberäume bieten und damit einen sehr wichtigen Beitrag zum Drittelsziel leisten», sagt Daniel Leupi. Bis 2050 sollen ein Drittel aller Mietwohnungen in der Stadt Zürich gemeinnützig sein. Dass auch Hochhäuser dafür das richtige Mittel sind, ist allerdings umstritten. «Hochhäuser passen nicht in dieses Konzept des Drittelsziels», sagt Häberli. «Sie sind in Errichtung und Betrieb etwa 20 Prozent teurer als Flachbauten. Das geht mit gemeinnützigem Wohnungsbau nicht auf.» Leupi sagt dazu: «Hochhäuser sind gerade auch an diesem Ort städtebaulich wichtig und dienen einer guten Verteilung der Dichte. Sie schaffen mehr Raum für Grünflächen und Fusswege durch das Areal.»

Die Stadt betont, dass es nicht zuletzt auch um Vorgaben von Bund und Kanton gegen Zersiedelung gehe. «Das ist nur möglich, wenn die Stadt die Entwicklung nach innen konsequent umsetzt. Genau darum braucht es sorgfältige Planungen wie auf dem Areal Thurgauerstrasse, die unter anderem auch zu den Zielen betreffend Netto null beitragen.» Die Tragluft-Sporthalle des Kantons wird für schulische Nutzungen – voraussichtlich ab Sommer 2022– temporär neben der Schulhaus-Baustelle errichtet.

Was ist Ihre Meinung zum Thema? echo@tagblattzuerich.ch

 

 

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