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Tierschutzorganisationen gehen davon aus, dass rund 300 000 Katzen in der Schweiz besitzerlos sind. (Bild: Netap)

Kastrationspflicht soll Katzenleben retten

Von: Christian Saggese

20. April 2021

Die Tierschutzorganisation Netap setzt sich für eine Kastrationspflicht bei Streunern und Freigänger-Katzen ein, um deren Überpopulation zu bremsen und den Büsis so Leid zu ersparen. In Bern und im Aargau zeigt die Politik allerdings wenig Interesse an der Forderung. Nun könnte es in Zürich zum Thema werden. 

Die Katze ist das liebste Haustier der Schweizer. Rund 1,8 Millionen Büsis sollen in unserem Land leben. Es gibt aber auch die Kehrseite der Medaille. Tierschutzorganisationen gehen davon aus, dass über 300 000 Katzen herrenlos sind. Sie wurden entweder von ihren Besitzern ausgesetzt oder sind infolgedessen bereits auf der Strasse geboren.

So oder so, sind diese Mauzer in vielen Fällen unkastriert. Das führt zu Problemen. Eine Katze kann pro Jahr bis zu drei Würfe mit durchschnittlich drei Kätzchen grossziehen. Und da die schnurrenden Vierbeiner bereits mit vier bis fünf Monaten geschlechtsreif sind, sorgen sie nach einem halben Jahr selbst für Nachwuchs. Die Tierschutzorganisation Netap rechnet vor: Pflanzen sich die Tiere tatsächlich in diesem Tempo fort, würde die Population, rein mathematisch gesehen, innert fünf Jahren von ursprünglich zwei auf rund 13 000 Tiere ansteigen, und innert zehn Jahren sogar auf 80 Millionen! Die Konsequenzen: Überfüllte Tierheime, streunende Katzen, die auf Beutejagd gehen, Büsis, die wegen der Überpopulation getötet werden, und viel Leid, da die besitzerlosen Vierbeiner keine gesundheitliche Pflege erhalten.

Doch es sind nicht nur die Streuner, die sich unkontrolliert vermehren. Noch immer gibt es viele Besitzer, die es nicht für notwendig erachten, ihre eigenen Freigänger-Katzen zu kastrieren, weiss Esther Geisser, Präsidentin und Gründerin von Netap. Dies verschärfe die desolate Situation der Katzen zusehends. Auch in der Stadt Zürich geht Netap mehrmals pro Monat Meldungen nach und muss laufend Katzen einfangen, auf eigene Kosten kastrieren und wenn möglich in Tierheimen unterbringen.

100'000 tote Kätzchen

Um diese Entwicklung zu bremsen, ist es Netap schon längst ein Anliegen, auf politischer Ebene eine Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen einzuführen. 2018 konnte eine Petition mit dieser Forderung in Bern eingereicht werden, 115 567 Unterschriften wurden gesammelt. «Seitens Bund hiess es dann aber, dass es sich hierbei um eine kantonale Angelegenheit handelt, was Unsinn ist, denn Tierschutz ist Bundesaufgabe», so Geisser. Netap liess sich aber nicht unterkriegen und suchte das Gespräch mit lokalen Politikern, um für Vorstösse auf Kantonsebene zu sorgen.

So war in Bern und im Aargau die Kastrationspflicht kürzlich Thema auf politischer Ebene, doch in beiden Kantonen sprach man sich dagegen aus, in erster Linie, weil der Aufwand für eine dafür notwendige Registrierungspflicht angeblich zu gross sei. In Zürich sei Netap ebenfalls mit einer Kantonsrätin im Gespräch, verrät Geisser. Sie ist überzeugt, dass in naher Zukunft ein Vorstoss diesbezüglich folgen dürfte. Netap hofft, dass die Zürcher Politik sich dann ernsthaft dem Thema widmet und, falls eine Pflicht nicht gewünscht sei, zumindest andere Schritte einleitet, um auch auf politischer Ebene gegen das grosse Elend vorzugehen. «Wir schätzen, dass jährlich 100 000 Katzenbabys an Hunger und Krankheiten sterben oder aktiv getötet werden, weil sie als unerwünscht gelten», hält Geisser fest.


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echo@tagblattzuerich.ch

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