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Murielle Noll (r.) und ihre beste Freundin Irene Blume Chavez (l.) auf dem Schulweg. Dieser und weitere Fussgängerstreifen an der Widmerstrasse in Wollishofen sollen verschwinden. Kinder und Eltern sind um die Sicherheit besorgt. Murielle hat der Stadt sogar einen Brief geschrieben (Abb. unten). Leserbild

Kinder und Eltern besorgt wegen Zebrastreifen-Sterben

02. Februar 2021

Planungsdebakel: An der Widmerstrasse in Wollishofen sollen acht Fussgängerstreifen entfernt werden. Schulkinder wie Murielle Noll sind verunsichert, wie sie sich künftig auf der Strasse richtig verhalten sollen. Für den Vater Lukas O. Bendel ist das geplante Projekt eine «tödliche Gefahr». 

Die neunjährige Murielle Noll besucht die 3. Klasse der Schule Neubühl in Wollishofen. Ihr Schulweg führt über die Widmerstrasse. Mit ihrer Freundin Alina kreuzt sie die Strasse mehrmals täglich – aber auch, um ihre beste Freundin Irene zu besuchen oder ins Gemeinschaftszentrum zu gelangen, wo Kurse und Aktivitäten stattfinden.

Die Stadt plant, diese Strasse mit neuen Plätzen und 27 zusätzlichen Bäumen umzugestalten und acht der bestehenden Fussgängerstreifen zu entfernen. In der direkten Umgebung befinden sich jedoch Kindergärten, eine Schule und Alterszentren. Für Murielles Vater Lukas O. Bendel ist diese Planung ein Desaster. «Dadurch würden alle Kinder und Senioren im Quartier den Vortritt und die gute Sicht beim Überqueren der Strasse verlieren.» Ohne Zebrastreifen möchten Murielle und ihre Freundinnen die Strasse künftig nicht mehr überqueren. Für einen sicheren Schulweg müssten sie einen Umweg machen – und das Haus morgens in der Dunkelheit noch früher verlassen.

Im Rahmen der stadtweiten Strassenlärmsanierung hat die Dienstabteilung Verkehr 2017 an der Widmerstrasse – im Teilstück Albis- bis Kalchbühlstrasse – die zulässige Höchst- geschwindigkeit von 50 auf 30 km/h reduziert. Eine Verkehrsberuhigung hat sich jedoch nur teilweise daraus ergeben, denn: «Viele Automobilisten nutzen diese Strasse, um den allmorgendlichen Stau auf der Albisstrasse zu umfahren», sagt Lukas O. Bendel. Er beobachte immer wieder, wie der stehende 66er-Bus an der Haltestelle Kalchbühlweg trotz Mittelinsel hemmungslos auf dem Gegenverkehrsstreifen überholt werde.

Schmalere Fahrbahn

Beim Tiefbauamt ist man überzeugt, dass sich der Verkehr mit dem geplanten Bauprojekt zusätzlich beruhigen und die Aufenthaltsqualität erhöht werde. «Die Fahrbahn wird schmaler, das Trottoir breiter. Fussgängerinnen und Fussgänger müssen neu nur noch 6,5 Meter queren statt bisher etwa 8 Meter, um auf das gegenüberliegende Trottoir zu gelangen», sagt Sabina Mächler vom Tiefbauamt. Für Lukas O. Bendel stellt sich jedoch die Frage, wie sich der Umgehungsverkehr stadteinwärts effektiv beruhigen soll, wenn alle Blaue-Zone-Parkplätze auf der gegenüberliegenden Spur liegen und damit Vortritt vor dem Gegenverkehr sichern.

Fehlende Übersicht

Lukas O. Bendel ist Vorsitzender des Elternrates der Schule Neubühl. Gegen das Projekt hat er Einsprache erhoben, nachdem er von diversen Eltern darum gebeten wurde. Murielle hat der Stadt einen Brief mit ihren Sorgen geschrieben – Antwort hat sie aber nie erhalten. Vater und Tochter sind enttäuscht. Beim Tiefbauamt heisst es auf Nachfrage des «Tagblatts»: «Sobald feststeht, wie, ob und in welcher Weise den Einsprachen stattgegeben wird, wird auch Murielle eine Antwort auf ihren Brief erhalten.»

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung bezeichnet Tempo-30-Zonen als Gewinn für alle, denn langsamer bedeute sicherer. «Das ist aber nur der Fall, wenn solche Zonen mit Rücksicht auf Kinder konzipiert werden», findet Lukas O. Bendel. In Tempo-30-Zonen gibt es grundsätzlich keine Fussgängerstreifen. «Sie sind keine Sicherheitsmassnahmen, sondern regeln «nur» die Vortrittsverhältnisse», betont Sabina Mächler vom Tiefbauamt. Bei Tempo 30 dürfen Zufussgehende die Strasse überall queren, haben aber keinen Vortritt. «Hinter den parkierten Autos in der Blauen Zone fehlt Kindern und betagten Menschen die Übersicht. Das geplante Projekt ist eine tödliche Gefahr», ist Lukas O. Bendel überzeugt.

Auch «Fussverkehr Schweiz» setzt sich dafür ein, dass bei wichtigen Querungsstellen in Tempo- 30-Zonen der Vortritt für Fussgänger weiterhin gewährt wird. Für Murielles Vater ist klar: Wenn die Zebrastreifen verschwinden, wird er seine Tochter künftig über die Widmerstrasse begleiten oder gar mit dem Auto in die Schule fahren und abholen. «Dieser Schulweg ist dann einfach zu gefährlich.»

Was ist Ihre Meinung zum Thema? echo@tagblattzuerich.ch

 

 

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