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Hanfblätter zieren zurzeit die Schaufenster vieler Kioske in Zürich. Bild: CLA

Kioske setzen auf legales Gras

Von: Clarissa Rohrbach

11. April 2017

Immer mehr private Kioske verkaufen in Zürich CBD-Cannabis. Mit dem legalen Hanf hoffen sie, ein gutes Geschäft zu machen. Doch einige fürchten sich um ihr Image.

Im Schaufenster hängt ein Hanfblatt. An der Tür und an der Theke auch. Seit einem Monat verkauft Thangarajah Vijandran in seinem Kiosk an der Ankerstrasse CBD-Cannabis. Er wirbt dafür richtig aggressiv, fast schon stolz. Mit dem Verkauf des legalen Hanfs erhofft er sich eine zusätzliche Einnahmequelle. «An Zigaretten verdient man fast nichts, die Marge beim Hanf hingegen ist sehr gut», meint Vijandran. Bei 5 Gramm für 60 Franken erzielt er einen Gewinn von 12.50 Franken. Pro Tag verkauft er fünf Portionen, damit ist er zufrieden. «Viele Kioskbesitzer folgen zurzeit diesem Trend, einige verkaufen sogar 50 Portionen pro Tag.» 

Auch K-Kiosk hat Interesse

Die Grasproduzenten Greeners in Thalwil, wo auch Vijandran das Cannabis bezieht, bestätigen die grosse Nachfrage. «Wir werden mit Anfragen überhäuft», sagt Geschäftsführer Andreas Friedli. Alleine in der Stadt beliefert Greeners bereits 35 Kioske. Dabei handle es sich vorwiegend um Private. Doch auch grosse Player wie die Valora-Kette K-Kiosk hätten sich bereits für das legale Gras interessiert. Valora bestätigt auf Anfrage, dass die Ausweitung ihres Sortiments laufend geprüft werde. Doch zum künftigen Verkauf von CBD-Produkten könne man sich zurzeit noch nicht äussern. 

Neben Greeners, deren Gras indoor produziert wird und dementsprechend etwas teurer ist, gilt Biocan aus Ossingen als der grösste CBD-Anbieter in der Schweiz. Dessen Outdoorgras kostet pro 10 Gramm 67 Franken, die Hälfte des Strassenpreises. Davon werden 25 Prozent an die Tabaksteuer abgegeben. Denn die Graspioniere konnten im letzten August als Erste ihre Sorte C-Pure vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) als Tabakersatzprodukt einstufen lassen. Seitdem schiessen CBD-Produzenten wie Pilze aus dem Boden. Beim BAG sind rund ein Dutzend Bewilligungen hängig.  

Trotz des legalen Verkaufs können CBD-Konsumenten eine Busse bekommen. Zwar ist der Hanf mit einem THC-Gehalt unter einem Prozent laut dem Betäubungsmittelgesetz erlaubt. Es enthält hauptsächlich Cannabidiol, eine Substanz, die keinen Rausch erzeugt, sondern beruhigend wirkt. Doch weil die Polizei das legale Gras weder optisch noch am Geruch vom illegalen unterscheiden kann, büsst sie Konsumenten weiterhin mit 100 Franken. Weigert man sich zu zahlen, wird das Gras in einem Untersuchungsverfahren analysiert. Liegt der THC-Wert unter 0,99 Prozent, bekommt der Konsument das Cannabis zurück. Die Verfahrenskosten von rund 400 Franken zahlt der Staat. 

«Man muss mitmachen»

Unter den Kioskbetreibern gibt es aber auch Skeptiker. Einige fürchten sich um ihr Image. Der Besitzer des Treffpoint-Kiosks an der Langstrasse etwa hat das Hanfzeichen nur ganz klein aufgestellt. «Man muss ja mitmachen, aber viele meiner Gäste mögen Kiffer nicht, deswegen bin ich diskret.» Auch Özkan Cakir vom Kiosk Semal im Kreis 4 hat Skrupel. «Es ist eine ethische Frage. Obwohl das Gras legal ist, assoziiert man damit Schlechtes.» 

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Leserkommentare

Diana Dos Santos - Greeners hat mich überzeugt, meine Favoriten sind Blueberry & Norden Light. Gruss Diana D.

Vor 3 Jahren 2 Monaten  · 
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