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Für die Leihstation an der Hallwylstrasse wurde die blaue Zone gekürzt. Bild: SWE

«Konkurrenz zu den Autos ist erwünscht»

Von: Stine Wetzel

11. Dezember 2018

Seit Frühling baut Publibike im Auftrag der Stadt das Leihvelonetz «Züri Velo» auf. Weil für die Stationen einige Park- und Veloabstellplätze weichen müssen und Fussgänger behindert würden, gibt es Kritik seitens SVP und teilweise vom VCS Zürich.

In Zürich sieht man sie mittlerweile fast überall: die Leihvelos der PostAuto-Tochter Publibike. Inzwischen stehen an 93 Stationen insgesamt 1000 Fahrräder zur Verfügung, davon 500 E-Bikes. «Ende Dezember können wir die 100. Station installieren», so Urs Bloch, Mediensprecher von PostAuto.

Bis Sommer 2019 soll das Leihvelonetz «Züri Velo» ausgebaut sein: mit 150 Stationen und 2000 Velos. Doch die Vergabe der Stationen stösst zwei SVP-Gemeinderäten sauer auf. Stephan Iten und Christoph Marty haben ein Postulat beim Stadtrat eingereicht. Darin fordern sie, Standorte einzurichten, ohne dass dafür Velo- und Auto­abstellplätze weichen müssen und Fussgänger auf Gehwegen behindert werden. «Wir wollen verhindern, dass Verkehrsteilnehmer gegeneinander ausgespielt werden», sagt Iten. «Was etwa der Abbau von Abstellplätzen für Privatvelos mit der Förderung von Velofahrern zu tun hat, ist mir schleierhaft.»

Umnutzungen sind keine Einzelfälle

Publibike betreibt «Züri Velo» im Auftrag der Stadt. Dem liegt ein Gemeinderatsbeschluss über ein Leihvelonetz zugrunde. Für die Stationenvergabe ist das Tiefbau- und Entsorgungsdepartement (TED) zuständig. Die Stationen befinden sich an wichtigen Velorouten, bei ÖV-Umsteigepunkten oder an Standorten mit viel Publikumsverkehr, so TED-Sprecher Mike Sgier.

«Grundsätzlich wird darauf geachtet, durch die Stationen andere Nutzungen so wenig wie möglich zu tangieren.» Dennoch gingen die Stationen an der Hallwylstrasse und bei der Siriuswiese auf Kosten der Blauen-Zone-Fläche. Ausserdem wurden bei der Züri-Velo-Station «Bederbrücke» und «rund einer Handvoll weiterer Standorte» bestehende Veloabstellplätze reduziert. «Wo möglich, wurden die bestehenden Abstellanlagen in der nahen Umgebung aber mit zusätzlichen Velobügeln erweitert.» Beschwerden habe es wegen Veloab­stellplätzen, die aufgehoben oder verschoben wurden, nur wenige gegeben. Gemeinderat Iten befürchtet aber, dass derlei Umnutzungen keine Einzelfälle bleiben. TED-Sprecher Sgier räumt ein: «Wenige weitere reduzierte Veloabstellplätze könnten dazukommen.»

Stationen auf Gehwegen «grundsätzlich falsch»

Markus Knauss, Co-Geschäftsführer des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS), Sektion Zürich, hält das neue Zürcher Veloverleihsystem mit Stationen, die zu Fuss in kurzen Wegen erreichbar sind, für attraktiv. «Leihvelos tragen wie viele andere Massnahmen dazu bei, eine Stadt mit deutlich weniger Autoverkehr zu unterstützen. Die Konkurrenz zu den Autos ist erwünscht», sagt Knauss. Parkplätze für das Abstellen der Leihvelos zu nutzen, sei daher sinnvoll – Abstellflächen für Privatvelos zu reduzieren, jedoch nicht.

Auch Verleihstationen auf Gehwegen hält Knauss für «grundsätzlich falsch». Gemeinderat Iten fällt vor allem am Limmatquai und am Kreuzplatz auf, dass die Stationen eine Einschränkung für Fussgänger sind. «Dort bleibt nicht mehr viel Platz zum Flanieren.» Bei der Festlegung der Standorte werde aber im Grundsatz darauf geachtet, dass Fussgänger nicht behindert würden, sagt TED-Sprecher Sgier.

1000 Fahrten pro Tag

Bei Publibike ist man derweil – nach der einmonatigen Pause für die Revision der leicht zu knackenden Schlösser – mit der Entwicklung zufrieden. «Demnächst können wir die 200 000. Fahrt in Zürich zählen», so Mediensprecher Bloch. Aufgrund der Witterung sei die Ausleihe im Vergleich zum Sommer zwar um 20 Prozent zurückgegangen, aber auch im November sei Publibike noch regelmässig auf 1000 Fahrten pro Tag gekommen. Im Durchschnitt werde ein Velo für 16 Minuten ausgeliehen. Die Spitzen  seien wie gewollt auch die Pendlerzeiten: um 8 und 17 Uhr. Die meisten Ausleihen gebe es bei der Station Sihlpost am Hauptbahnhof.

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Leserkommentare

Sandro Löhrer - Das noch mehr Parkplätze verschwinden finde ich gar nicht so toll, ob für Autos oder Privatvelos!

Vor 1 Jahr 6 Monaten  · 
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