mobile Navigation

News

Konkurrenz für den einheimischen Möbelmarkt: Der österreichische Möbelgigant XXXLutz hat in Dietikon ZH eine Filiale eröffnet und grosse Pläne. Bild: GH

Möbelbranche unter Druck

Von: Ginger Hebel

19. August 2022

Marktmacht:  Der österreichische Möbelkonzern XXXLutz ist in der Schweiz auf dem Vormarsch. Zürcher Einrichtungsgeschäfte wollen sich nicht vom Markt verdrängen lassen und setzen auf ihre Stärken.

Die Möbelbranche befindet sich im Wandel. Die Rohstoffknappheit hat die Preise nach oben gedrückt. Die aktuelle wirtschaftliche Lage ist eine Herausforderung für den gesamten Detailhandel, ebenso die wachsende Konkurrenz. Im zürcherischen Dietikon hat eine neue XXXLutz-Filiale auf 13 000 Quadratmetern und fünf Etagen eröffnet. «Die Eröffnung der zweiten XXXLutz-Filiale ist ein bedeutender Schritt der Wachstumsstrategie in der Schweiz. Wir sehen für die Marke und das Möbelhaus XXXLutz hierzulande ein Potenzial für rund 10 Standorte. Wir haben jedoch keinen Zeitdruck», sag Mediensprecher Alfredo Schilirò.

Preiskampf ist ein Problem

In der Branche sorgt die Konkurrenz für rauchende Köpfe. Zürcher Einrichtungsberater sagen hinter vorgehaltener Hand, dass sie sich gar nicht freuen über die Entwicklung. Es sei frustrierend zu sehen, wie die Kundschaft zur Konkurrenz renne, wo Sonderangebote und grosse Rabatte auf das ganze Sortiment gewährt würden. Der Preiskampf sei ein Problem. Auch die Stimmung im Team leide aufgrund der wachsenden Ellbogen-Mentalität, weil viele Verkäuferinnen und Verkäufer auf Provision arbeiten und ihren Umsatz nicht mehr erreichen, wenn die Kundschaft fehlt. Zur österreichischen XXXLutz-Gruppe gehören das gleichnamige Möbelhaus sowie Mömax – ehemals Schweizer Interio-Filialen. Die Marke Interio ist somit komplett vom Markt verschwunden. XXXLutz hat auch das Schweizer Traditionshaus Möbel Pfister und Hubacher gekauft, Pfister blieb als Marke jedoch erhalten. Im Januar übernahm XXXLutz Discounter Lipo und dessen 23 Filialen schweizweit sowie eine Beteiligung an Conforama. «XXXLutz hat in diesem kompetitiven Umfeld und in einer herausfordernden wirtschaftlichen Situation mit der Eröffnung in Dietikon auch rund 130 neue Arbeitsplätze geschaffen», sagt Alfredo Schilirò.

Zurückhaltung spürbar

Roger Märki vom Schweizer Einrichtungsfachgeschäft Möbel Märki – die Filiale in Dietikon befindet sich wenige Meter von XXXLutz entfernt – betont: «Wir richten unsere Strategie nicht besonders auf Lutz aus.» Eigenständigkeit werde grossgeschrieben. «Wir fokussieren uns auf unsere Kunden und geben für sie alles.» Stolz sei er auf die über die Jahre gewachsenen Partnerschaften mit Schweizer Manufakturen, was es ihnen erlaube, mit einem guten Kosten-Nutzen-Verhältnis unterwegs zu sein. «Weil damit kurze Beschaffungswege verbunden sind, ist unsere Leistung besonders nachhaltig. Davon profitieren unsere Kunden.» Roger Märki sieht sich aktuell mit anderen Problemen konfrontiert. «Die grösste Schwierigkeit sind die Befindlichkeiten, die der Ukraine-Krieg für die Bevölkerung in der Schweiz mit sich bringen. Es entstehen Ängste und Unsicherheiten, die zu Kaufzurückhaltung für grössere Anschaffungen sorgen.» Dabei wäre seiner Meinung nach «jetzt erst recht» angesagt. So lasse sich von den günstigeren Preisen profitieren, damit man bereits neu eingerichtet sei, wenn die erwarteten Preiserhöhungen sich wirklich am Markt durchsetzen.«Zudem sind wir das typische Offline-Geschäft, wo die Leute Probesitzen und Probeliegen und das Material, vor allem die Stoffe, befühlen möchten. Internet ist also keine Konkurrenz.»

«Swissness» als Strategie


«Der Möbelmarkt ist hart umkämpft. Man muss sich stets der aktuellen Situation anpassen, um konkurrenzfähig zu sein», sagt Jürg Schubiger vom traditionsreichen Stadtzürcher Familienunternehmen Schubiger Möbel. Die Kundschaft habe bei ihnen die Möglichkeit, Möbel nach den eigenen Wünschen zusammenstellen, welche dann so beim Hersteller gefertigt würden. «Die Lieferzeiten sind auch bei uns etwas länger geworden, aber es hält sich noch in Grenzen. Für die Überbrückungszeit bieten wir bei Bedarf Ersatzmöbel an.» Der Markteinzug von der XXXLutz-Gruppe sei jedoch kein Nachteil für ihr Unternehmen. «Der neue österreichische Mitbewerber fokussiert sich auf eine etwas andere, aggressivere Strategie als Schubiger Möbel. XXXLutz wie auch Pfister führen vermehrt Eigensortimente, welche preislich und qualitativ nur schwer verglichen werden können», betont Jürg Schubiger. Sie merken, dass viele ehemalige Pfister-Kunden zu ihnen kommen, «weil sie bei uns die «Swissness», die Beratung und den Service schätzen.»

Alfredo Schilirò von XXXLutz erklärt auf Anfrage, sie hätten Anfang Jahr vorausschauend überdurchschnittlich viele Produkte eingekauft und die Lagerbestände gefüllt. «Entsprechend ist nach wie vor mit keinen relevanten Lieferengpässen zu rechnen, und die Verfügbarkeit der Produkte ist fast ausnahmslos gewährleistet.»

Fokus auf Manufakturen

Möbel Waeber in Päffikon baut auf seine Stärken. «Seit 91 Jahren kennt man die Möbel Waeber AG in der Schweizer Einrichtungsszene. Seit der Geburtsstunde unseres Unternehmens gehen wir unseren Weg, gemeinsam und erfolgreich mit unserem motivierten Team.»

Auch Diga Möbel verfolgt eine eigene Erfolgsstrategie. «Als Familienunternehmen in 6. Generation können wir uns nicht mit Grosskonzernen vergleichen», sagt Anna Kren von Diga Möbel. Das Schweizer Unternehmen ist 160 Jahre alt und krisenerprobt. «Wir arbeiten vorwiegend mit kleineren und mittleren Manufakturen zusammen, mit denen wir Exklusivitäten und Eigendesigns entwickeln.» Sie setzen bewusst auf eine hohe Qualität mit dem Anspruch auf Beständigkeit. «Wir halten wenig von der Wergwerfmentalität im Billigbereich.» Auch stehe bei ihnen ganz klar der Mensch und sein Wohngefühl im Vordergrund. Deshalb übernehmen sie Lieferung und Montage. Auch künftig möchten sie der Kundschaft das Einkaufen möglichst effizient und erlebnisreich ermöglichen. Dies bedeute, online viele Informationen zur Verfügung zu stellen, oft ergänzt um Konfiguratoren, um einen ersten Eindruck der Variantenvielfalt zu erhalten. «Wichtig bleiben unsere Wohnspezialisten, welche sich den persönlichen Bedürfnissen und Raumanforderungen annehmen und dank viel Erfahrung und Fachkompetenz mithelfen, das perfekte Möbel für jeden Kunden zu gestalten. Hier setzen wir viel daran, besser zu sein als die Konkurrenz.»

Ihre Meinung zum Thema? echo@tagblattzuerich.ch

 

 

zurück zu News

Artikel bewerten

Gefällt mir ·  
Noch nicht bewertet.

Leserkommentare

Keine Kommentare