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Die geplante Züri-Bahn mit der Station Mythenquai.Visualisierung: ZKB

Neuer Angriff gegen die geplante ZKB-Seilbahn

Von: Ginger Hebel

02. April 2019

Megaprojekt: Die Züri-Bahn sorgt für heisse Gemüter. Jetzt hat die IG Seebecken Seilbahnfrei Geld gesammelt, um rechtlich gegen das Bauvorhaben vorzugehen.

Die ZKB feiert nächstes Jahr ihren 150. Geburtstag und möchte aus diesem Grund der Zürcher Bevölkerung eine Seilbahn über den Zürichsee schenken. Die Züri-Bahn soll sowohl Zürcherinnen und Zürcher als auch Touristen ein Erlebnis bieten, von dem auch die nächste Generation noch hören soll – wie bei der Landi-Seilbahn 1939 und der Bahn anlässlich der Gartenbauausstellung von 1959. Im Sommer 2020 will die ZKB mit dem Bau beginnen. Doch gegen das Megaprojekt regt sich Widerstand. «Die Bank möchte der Bevölkerung das Geschenk aufdrängen. Wir aber wollen kein Prestigeobjekt auf Kosten von Landschaft und Bevölkerung», sagt Martin Maletinsky, Vorstandspräsident der IG Seebecken Seilbahnfrei.

Mittels eines Crowdfundings hat er 25 000 Franken gesammelt, um rechtlich vorzugehen. 101 Personen haben gespendet, darunter Bewohner der betroffenen Quartiere Riesbach und Wollishofen/Enge. Der Schein trügt Die Gondelbahn soll das Mythenquai und das Zürichhorn für fünf Jahre verbinden. Visualisierungen zeigen eine topmoderne Seilbahn mit 18 verglasten Gondeln, die über den See schweben. Martin Maletinsky glaubt, dass der Schein trügt. «Animationen sehen in der Realität immer anders aus.» Er ist überzeugt: Die über 80 Meter hohen Masten werden den Postkartenblick auf den Zürichsee und die Alpen verschandeln. «Nicht zu vergessen der immense Schattenwurf.» Die ZKB weiss vom Crowdfunding. «Da wir uns zurzeit im Bewilligungsprozess befinden, können wir nicht abschätzen, ob und in welchem Umfang allfällige Beschwerden oder Rekurse die Realisierung der Züri-Bahn verzögern werden», sagt ZKB-Mediensprecher Yannik Primus. Projektmässig seien sie jedoch auf Kurs.

«Wir finden es natürlich schade, dass die Bahn nicht nur auf Zustimmung stösst. Grosse Projekte finden jedoch nie die Zustimmung aller.» Während der Gemeinderat die Seilbahn ablehnt, gefällt die Idee dem Zürcher Stadtrat, wenn auch er sich bewusst ist, dass Attraktionen in der Innenstadt sensible Themen sind. Ein genervter Bürger reichte letztes Jahr gar Strafanzeige und Aufsichtsbeschwerde gegen Stadtpräsidentin Corine Mauch ein und warf ihr Lobbyismus vor. Für die Bewilligung der Seilbahn ist allerdings der Bund zuständig, nicht der Zürcher Stadtrat.

Für die geplante Seilbahnstation muss die Badi Mythenquai verkleinert werden. Das stösst auch dem Quartierverein Enge sauer auf. «Die Seilbahn soll ins Strandbad gebaut werden und wird die bisherige freie Sicht auf den See und die Berge beeinträchtigen», sagt Markus Gumpfer, Quartiervereinspräsident Enge. Die ungelösten Verkehrsprobleme, die Verbauung des Strandbads und der Landschafts- und Lärmschutz würden vom Vorstand höher gewichtet als die Realisierung eines nicht nachhaltigen Seilbahnprojekts.

Der Rechtsstreit mag das ambitionierte Projekt bremsen, aber nicht unbedingt stoppen. «Wir möchten uns nicht durch ein konkretes Datum limitieren. Je nach Beurteilung schliessen wir nicht aus, bis vor Bundesgericht zu gehen», sagt Yannik Primus von der ZKB. Sie seien bereit, die Seilbahn auch später zu realisieren. «Die Züri-Bahn soll auch ein Symbol sein, neue Wege zu gehen.»

Was ist Ihre Meinung zum Thema? echo@tagblattzuerich.ch

 

 

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Leserkommentare

Urs Frey - Ein Richtplaneintrag wird in letzter Lesung völlig sinnwidrig abgefälscht. Eine Bank feiert fünf Jahre lang Geburtstag, klotzt zwei riesige Stationen samt 88-Meter hohen Masten mitten in höchstgenutzten öffentlichen Raum und verhindert konsumfreien Spiel
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Vor 1 Jahr 2 Monaten  · 
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Martin Maletinsky - Die oben dargestellte Visualisierung stammt von der ZKB und ich erachte sie als äusserst irreführend. Wer mit den Örtlichkeiten am Mythenquai vertraut ist, soll sich die Visualisierung einmal anschauen und überlegen, wo er/sie denkt, dass die dargestellte
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Vor 1 Jahr 2 Monaten  · 
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Christian Christen - ich wohne seit bald 50 jahren in zürich und kann mich nicht erinnern, dass in dieser zeit jemals ein solch massiver baulicher eingriff in das herz von zürich einfach über die köpfe der betroffenen bevölkerung hinweg und gegen den expliziten willen von
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Vor 1 Jahr 2 Monaten  · 
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